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Damals – Anfang der 90er war ich weiß Gott kein Take That Fan. Mir ging die Hysterie damals furchtbar auf die Nerven.
Für mich waren das so tanzende Milchbubis  und ich habe den Hype um diese ganzen Boybands nie verstanden. Ich hatte zu der Zeit zwei Kindergartenkinder und ganz andere Dinge im Kopf. Und ich fing da  gerade mit meiner „PUR“-Phase an.  Entsprechend habe ich auch die ganzen Take That Songs gar nicht drauf.

Als sie in der Versenkung verschwanden war ich nicht böse drum und auch die Auferstehung von Robbie Williams als Solostar ging zunächst völlig an mir vorbei.
Erst der Weltenbummler stieß mich immer wieder mit der Nase darauf. Für ihn war Robbie Williams der Größte und ich besorgte ihm mit den Jahren alle Alben und Musik DVD´s und freute mich an seiner Begeisterung ohne mich selbst davon anstecken zu lassen.
Bei unserer ersten Begegnung dann konnte ich ihm aber nicht mehr entkommen. Wir schauten uns die Konzert DVD Live in Knebworth an und da begann ich endlich zu verstehen.

Es ist wirklich ein Erlebnis Williams live auf einer Bühne zu erleben und plötzlich ging mir auch die Musik viel mehr unter die Haut.

Einiges von dieser RW-Begeisterung hat er mir hinterlassen und ich registriere heute jede Neuerscheinung, diesmal allerdings im eigenen Interesse. Dennoch hatte ich lange Zeit nicht vor, ein Ticket für das Take That Konzert zu kaufen. Aber wie das so ist, manchmal kommt es anders.
In einer sentimentalen Nacht Anfang Juli habe ich ganz spontan die Ticket-Seite im Internet besucht, um zu schauen, ob es überhaupt noch Karten gibt und ich war überrascht, dass das gar kein so großes Problem war. Da konnte ich nicht widerstehen und habe eine Karte gebucht, die ich mir zum Geburtstag habe schenken lassen.

Und am Freitag war es dann soweit. Take That in Hamburg und alle waren in Aufruhr, zumal es ja schon Unruhe gegeben hatte, ob Robbie nun wirklich auftreten kann, nachdem das Konzert am Wochenende davor in Kopenhagen abgesagt wurde.
Sämtliche Radiostationen in der Stadt sprangen erneut auf den Take That Hype auf und je mehr ich davon hörte, desto unruhiger wurde ich. Die ersten Fans sammelten sich schon morgens am Stadion. Die Einlaßkontrollen sollten sehr umständlich sein, da die Karten personalisiert waren. Ich war mehr aufgeregt wegen der Hysterie und dem Andrang als wegen des Konzertes.

So war ich schon kurz vor 17 Uhr am Volksparkstadion und sah dem Einlaß mit gemischten Gefühlen entgegen. Aber da war gar nix los. Ich stand in keiner Schlange. Ich habe mein Ticket und Ausweis vorgezeigt, ich hatte keine Tasche mit, wie die Mädels die ihren ganzen Hausstand dabei haben. Geld, Taschentücher, Handy in der Jackentasche und alles war easy. Ruckzuck war ich durch und hatte dann ganz in Ruhe Zeit zum Gucken.

Die Zeit bis 19.30 Uhr ging relativ schnell rum, es gab genug zu Gucken und der Gang zu den Toiletten war dann auch noch eine Begegnung der besonderen Art.
Als Vorgruppe heizten die Pet Shop Boys ein, was ja schon mal ein Highlight war und sogleich Partystimmung aufkommen ließ. Und dann so gegen 20.45 Uhr starteten Take That – zumindest vier von ihnen. Robbie Williams war noch nicht in Sicht und nach dem dritten (?) Lied wurde ich langsam unruhig. Er wird doch kommen…. ?
Aber der Auftakt war sehr gelungen. So kamen dann auch alle zum Zug und RW stand nicht so von Beginn an über allem.

Überraschend, ungewöhnlich und irgendwie komisch fand ich die Aufforderung, dass wir erst alle die Deutschlandhymne singen sollten. Das habe ich noch nie erlebt. Ich musste aber lachen und zum Glück gab es genügend Leute im Publikum, die einen über die Textlücken hinweg geholfen haben. Ich glaube Mark Owen war es, der das ankündigte und dann von seinem Handy den Text abspielte, den wir mitsingen sollten.
Es gab viele so kleine Ideen, die sie eingeworfen haben und damit die Distanz zwischen singendem Künstler auf der Bühne und Konzertbesucher aufgebrochen haben. Das gelingt ja bei Nicht-deutschsprachigen Künstlern nicht immer gleich gut.

Und dann kam er – Robbie, der Held aller kreischenden Mädels, die aber inzwischen auch erwachsen geworden sind und er eroberte die Bühne und das Publikum im Sturm. Robbie Williams ist ein genialer Entertainer. Er spielt und kokettiert  mit dem Publikum, baut eine Verbindung auf, in dem er sich preis gibt – was ja aber auch nur Show ist, aber es wirkt sehr nah. Er gibt alles und hat dabei auch keine Berührungsängste.  Kein Wunder, dass er Everybodys Darling ist. Verdient!!!

Die ganze Show war so gigantisch, man wusste gar nicht, wo man überall hinschauen sollte, alles war so perfekt. Die Kulissen, die tanzenden Fabelwesen, die an eine Mischung aus Alice im Wunderland und Mary Poppins erinnerten, die vielen Hits, bei denen man nicht still sitzen bleiben konnte.

Hammer! Megagenial!!! Ich bin begeistert, sowas mal miterlebt zu haben und bereue die Entscheidung in keinster Weise. Sollte Robby Williams noch mal solo auf Tour gehen und dabei auch Station in Hamburg machen, werde ich versuchen, auch da ein Ticket zu bekommen.

Das Wetter meinte es ja bei diesem Hamburg Konzert nicht so gut mit uns und nicht nur die Zuschauer im Innenraum, sondern auch die Band wurde richtig nass und ich habe sie sehr bewundert, dass alle fünf Jungs sich überhaupt nichts haben anmerken lassen von dem ganzen Regen. Die haben so gepowert und ihre Show gemacht, als würde die Sonne scheinen. Respekt!!!

Alles in allem ein genialer Abend, den ich so schnell nicht vergessen werde!

23. Mai

Seit nun mehr 15 Jahren ist dieses Datum ein besonders für mich, eins, dass man sich merkt und nie vergisst. Am 23. Mai 1969 wurde Alfred geboren, da ging ich schon zur Schule, in die zweite Klasse glaube ich. Kennen gelernt und Brieffreundschaft geschlossen haben wir 1996 und ich habe ihm in diesem ersten Jahr, dass ein besonders schweres für ihn war, ein Lebenslicht geschickt, das Musik spielt, wenn man es anzündet. Nur hörte dieses Lied nicht wieder auf zu spielen, auch nach dem Auspusten. Es spielte und spielte und spielte – ich glaube 2 Tage lang, wie ich einem Brief entnehmen konnte. Damit hatte ich mich ja schon mal wunderbar eingebrannt ;-) .

Es folgten viele weitere Geburtstage, heitere und stillere, manchmal waren wir uns nah, dann hatten wir uns aus den Augen verloren, aber spätestens an Deinem Geburtstag hast Du von mir gehört und ich habe an Dich gedacht und auf Dich angestoßen.

Ein Geburtstag den ich in ganz besonders schöner Erinnerung habe war Dein 38. ter, als wir Dich bei ap mit einer speziellen Radio-Geburstags-Sendung überrascht haben. Aus allen Himmelsrichtungen kamen die Einspielungen, Gespräche, Ständchen und Beiträge und man hatte das Gefühl, alle säßen mit Dir zusammen in einem Raum.
Du hattest so viel Spaß daran und wir haben uns am nächsten Tag noch darüber unterhalten, Du warst noch immer ausgelassen und begeistert von dieser „Party“ und zum ersten Mal hast Du darüber nachgedacht im nächsten Jahr einmal richtig Geburtstag zu feiern, mit all Deinen Freunden. Die ganzen Jahre hattest Du das abgelehnt und Dir lag scheinbar nichts daran, aber dieser Geburtstag hat Dir Lust gemacht auf mehr.
Leider konntest Du das nur noch einmal ausprobieren. 2008 hast Du ausgiebig mit vielen Gästen aus nah und fern gefeiert. Leider war das auch Dein letzter Geburtstag.

Ich werde an diesem Tag auch weiterhin an Dich denken, jedes Jahr, vielleicht Robbie Williams hören oder in alten Briefen stöbern oder einfach nur still auf der Terrasse sitzen und aus dem Strandkorb heraus in den Himmel schauen. So fern – so nah.

Happy Birthday, so wie manche es heute sagen, kann ich so nicht nachempfinden. Ich bin weder ungewöhnlich traurig noch ausgesprochen fröhlich. Ich bin und fühle und bin dabei doch auch von innerer Ruhe ausgefüllt. Vielleicht sehen wir uns eines Tages wieder, dann ist immer noch Gelegenheit genug zum Gratulieren. Bis dahin alles Gute Unvergessener.

Die ersten Erinnerungen an den Grand Prix reichen zurück in meine Kindheit. Jedes Jahr saß ich fiebernd vor dem Fernsehgerät und bekam Gänsehaut, wenn die Eurovisionsmusik einsetzte. Ich habe Punkte vergeben, mitgesungen und mich über die Jury gefreut oder geärgert. Jedes Jahr wieder ein Heidenspaß. Und was für ein Jubel, als Nicole dann den Titel holte. Da war ich schon erwachsen. Danach ließ der Hype um den Songcontest langsam nach, es kamen immer mehr Sternchen statt großer Musiknamen und oft auch unsägliche Darbietungen, die ihren Höhepunkt mit Guildo Horn und Stefan Raab fanden.
Der Grand Prix entglitt mir langsam, ich fand ihn nebensächlich und langweilig. Den Vorentscheid von Lena habe ich dann wieder mitverfolgt und war ganz interessiert, aber an einen Sieg habe ich nicht geglaubt. Da wir im letzten Mai ganz andere persönliche Höhepunkte zu feiern hatten, konnten wir nicht mal zuschauen als Lena in Oslo an den Start ging. Ich bekam aber um kurz nach Mitternacht eine SMS mit der Nachricht. Kurzfristig ließ ich mich anstecken, dann ging mir das Lena-Fieber aber doch auf die Nerven.

Der Grand Prix ist veraltet, nun ist es der Eurovision Song Contest – kurz ESC und die ARD musste entsprechend aufwarten, um eine würdige Veranstaltung auf die Beine zu stellen.
Das ist ihr zweifellos gelungen. Da steckt aber auch Arbeit dahinter. Sohnemann hat ziemlich viele Überstunden geschoben als Techniker ….
Und dann hat es mich in der letzten Woche doch wieder gepackt. Die Medien und hier vor allem meine Radioleute haben mich angesteckt. Ich habe mir beide Vorentscheide angeschaut, Favoriten entdeckt, wieder Punkte vergeben, alles in dem Wissen, dass es kaum etwas Unwichtigeres gibt als den ESC, aber es war dennoch ein Heidenspaß.

Und so war ich gestern zum ersten Mal auf der Reeperbahn mit dabei, um die große ESC Party aus Hamburg mitzuerleben. Mag sein, dass es zu kühl war oder auch die Einschränkung auf 5000 Leute die wahren Fans außen vor gelassen hat – so partymäßig wie ich dachte, ging es vor Ort jedenfalls nicht ab.
Immer wenn das Publikum fürs Fernsehen vom Moderator animiert wurde, wurde gejubelt und geschriien, die meiste Zeit standen die Menschen um mich herum aber recht ruhig und wippten auch nur sehr verhalten mit. Dabei waren wir im besten Bereich, unmittelbar vor der Bühne untergebracht.
Zu Beginn stimmte die Lautstärke auch nicht, es war viel zu leise und die hinteren Reihen konnten gar nichts mehr hören. Das war Vorschrift von der Behörde, sie durften die Lautstärke nicht weiter aufdrehen – lachhaft für so eine Veranstaltung. Nachdem die Besucher lautstark protestierten und man fürchten musste, dass der Ärger überschwappt, erteilte die anwesende Polizei eine Sondergenehmigung, die Lautstärke zu erhöhen. Warum einfach, wenn´s auch umständlich geht.

Obwohl in der zweiten Reihe stehend, hatte ich schon nicht mehr den direkten Durchblick – ich bin noch kleiner als ich dachte… so habe ich mir heute manches auf Youtube noch mal genau angeschaut. Den Auftakt zum Beispiel von Stefan Raab und Anke – sensationell, wie ich finde. Was konnte danach noch kommen?

In Hamburg begeisterte Ina Müller uns mit ihrer erfrischend lockeren Art.

Dann ging es endlich los. Die Geschmäcker sind schon sehr verschieden und neben der musikalischen Qualität des Songs zählen noch viele andere Faktoren für die Abstimmung, die den Ausgang beim ESC unkalkulierbar machen. Das Wetter, die Laune der Zuschauer, das Aussehen der Interpreten, der Auftritt selbst, die Sympathie zum jeweiligen Land und viele andere Momentaufnahmen, die die Zuschauer emotional in ihre Entscheidung mit einbinden.

Die Fachjury dagegen hatte ja gestern schon abgestimmt und so sahen wir Ina Müller schon Minuten vor der Punkteabgabe  auf der Bühne rumhibbeln, was aber nicht an der Aufregung lag, wie sie später gestand. Gewundert habe ich mich dann aber doch über diesen altmodischen „Teleprompter“ ,  der Ina jedes Wort vorgibt, was sie zu sagen hat. Ich dachte immer, sowas wird auswendig gelernt und dann frei vorgetragen. Aber vielleicht wollte man das Risiko nicht eingehen, dass Ina abschweift und aus dem Nähkästchen plaudert?


So gab es dann viele Überraschungen. Wie kamen die 10 Punkte aus Deutschland für Griechenland zustande? War damit die Sehnsucht nach einem griechischen Essen verbunden oder nach Urlaubslaune? Ist mir ein Rätsel. Und für einige Minuten zitterte man, wie weit nach vorn sie es wohl schaffen könnten. Nicht auszudenken, wenn Griechenland Erster geworden wäre. Wovon hätten die das bezahlen sollen???

Einer meiner großen Favoriten war Dänemark, auch wenn gemunkelt wird, sie hätten bei Greenday geklaut, das kann ich nicht beurteilen, ich fand den Song frisch, eingängig und fröhlich. Ein echter Ohrwurm, der gut zum ESC passte.

Und noch ein Song hatte es mir angetan, für den ich mich auch telefonisch ins Zeug legte. Island mit ihrer so natürlich und menschlichen Musikergruppe, die für ihren verstorbenen Freund sangen, der das Lied komponiert hatte und selbst auftreten wollte. Nicht nur die Geschichte und der überaus sympathische Auftritt, auch das Lied selbst finde  ich lohnenswert und hätte es gerne weiter oben gesehen, aber die Altersgruppe, die mehrheitlich abstimmt hat da wohl andere Prioritäten.

Und warum die Schweiz so weit hinten landete, ist mir auch ein Rätsel, so schlecht fand ich das Lied nun nicht.
Bosnien Herzigowina dagegen ist ein Griff ins K…, als Straßenmusikanten vielleicht erfolgreich und für den ESC verschroben unterhaltsam, aber so weit vorn? Da konnte ich meinen Augen kaum trauen.
Die Stimmung um mich herum sank merklich, vielleicht waren hauptsächlich Lena Fans gekommen? Sie hatte einen sensationellen Auftritt, da gibt es nichts zu meckern, obwohl sie mir nicht wirklich sympathisch ist, aber der 10. Platz für dieses Lied geht völlig in Ordnung, da gibt es bessere, die dann aber auch nicht aufs Treppchen kamen.

Nun ist alles vorbei und wird schnell in Vergessenheit geraten, aber einige leichte Mitsing-Songs waren dabei und der Unterhaltungswert allemal gegeben. Mir bleiben außerdem noch viele tolle Fotos von gestern, wann hat man schon mal die Gelegenheit, Stars wie Xavier Naidoo oder Natasha Bedingfield aus nächster Nähe zu fotografieren?

So war es alles in allem ein ereignisreicher Abend und es ist immer spannend so nah dabei zu sein. Was nun wohl nach Lena kommt…

Diese Frage bringt mich langsam zur Verzweiflung.  Seit Wochen durchwühle ich die Angebotsseiten nach einem neuen Handy und komme zu keinem Ergebnis.

Der Spagat zwischen Begehrlichkeiten und praktischer Vernunft, lässt mich zu keiner Entscheidung kommen.

Glaubt man einerseits, die Welt würde sich ohne i-phone bald nicht mehr drehen, frage ich mich andererseits wozu ich denn dieses zugegebenermaßen „schöne Teil“ brauchen könnte?
Bei Freunden und Familienmitgliedern erlebe ich immer wieder, wie sehr sie sich von ihrem i-phone abhängig gemacht, mehr noch, wie süchtig sie geworden sind. Keine halbe Stunde kann vergehen, ohne dass sie einen Blick darauf werfen. Kaum ein Abend im Freundeskreis, ohne dass jemand sein i-phone mit in die Gesprächsrunde einbezieht und schnell das neueste Feature zeigen muss. Und ich gebe zu – das geht mir auf die Nerven!!
Ich weiß aber auch, dass ich mich dieser Sucht blitzschnell anschließen würde und das möchte ich verhindern.

Und 40 – 45 Euro für ein i-phone mit Vertrag ist doch Wahnsinn, nur um da ein wenig mit rum zu spielen !?
Andererseits – wenn meine Kinder sich das leisten können…..  bin ich vielleicht doch nur zu kleingeistig für diese Anschaffung und ärgere mich dann später darüber?

Was für komplizierte Fragestellungen. Langsam werde ich selbst wütend auf mich. Was will ich denn nun???

Ein Handy bei dem man möglichst günstig SMS verschicken kann.
Auf jeden Fall ein Touchsreen mit vollständiger Tastatur.
Internetfähig sollte es sein und – ja, auch eine Internetflat möchte ich haben, weil mir sonst der Neid auf das Handy meines Sitznachbarn doch keine Ruhe lässt. (Schön blöd, ich weiß).
Telefonieren möchte ich damit natürlich auch können und deshalb sollte es gut in der Hand liegen.
Es soll leicht zu handhaben sein und ich liebe diese Funktion die Seiten mit dem Finger weiter zu schieben. Und ich möchte unterwegs per Facebook erreichbar sein und auch Nachrichten empfangen können.

Ganz klar – das i-phone hat mich auf jeden Fall schon angesteckt. Aber 45 Euro! Nicht das ich es mir nicht leisten könnte, aber was für eine Verschwendung für all den neumodischen Schnickschnack!!!

Momentan favorisiere ich das Nokia C-7, bei dem ich die wichtigsten Funktionen finde und das auch recht chic aussieht, alles in allem aber 10 Euro monatlich günstiger ist. Da hält sich mein schlechtes Gewissen etwas im Rahmen.

Um zu dieser Vorauswahl zu kommen, hat es schon Wochen gebraucht. Und auch jetzt surfe ich immer wieder über die Seiten meines Anbieters und mache nie den entscheidenden Schritt, weil – vielleicht – ist es doch nicht die richtige Wahl?

Zu 90% bin ich sicher, aber noch fehlt der letzte entscheidende Schritt und ich logge mich ein ums andere Mal unzufrieden aus.

Eins ist sicher. An der Wursttheke finde ich mich besser zurecht.

Trotzdem werde ich mir später den Warenkorb noch mal genauer anschauen, vielleicht schaffe ich es ja heute!

Meine Liebe zu Büchern kann ich gar nicht so einfach erklären. Ich gehe gar nicht so sorgsam mit ihnen um, als wären sie mir heilig, so wie sich das gehört, wenn man etwas sammelt.

Ich benutze sie. Tauche ein, lasse mich entführen, verführen, bewundere oft ihre wunderbare Sprache und haben großen Respekt vor den Schriftstellern, denen es gelingt, Worte wie Musik klingen zu lassen. Ich gebe zu, nicht allen literarischen Höhenflügen kann ich immer folgen. Manchmal weigert sich mein Hirn die  Gedankenwindungen aufzunehmen und doch kann ich mich dann noch an den Worten freuen und manch schön klingenden Sätzen.

In Buchläden kann ich Stunden zu bringen und nur selten kann ich den Begehrlichkeiten widerstehen.

Die Buchmesse in Leipzig habe ich immer etwas sehnsüchtig aus der Ferne betrachtet. Sie strahlt für mich einen Charme aus, der bis nach Hamburg dringt.
Nun ist Leipzig außerdem eine Stadt, die für mich aus persönlicher Erfahrung aus anderen Städten heraus tritt. In einer Reihe von Städtenamen hat Leipzig einen besonderen Klang, den ich nicht überbewerte, aber gelten lasse. Gerne würde ich mir die Stadt auch einmal genauer besehen, aber dafür braucht man sicher 1-2 Tage Zeit.

Ob das letztlich den Ausschlag gegeben hat, mir die Fahrkarte wirklich zu holen? Mag sein. Aber es ist und war und bleibt eine reine Bücherreise, an die ich mit Freuden zurück denke.

Mein erster Eindruck – die Messe ist riesig. Zum Glück hatte ich viel Zeit und konnte mir in jeder Halle alles in Ruhe besehen. Ich hatte einen Plan dabei und mir schon angestrichen, welche Bereiche mich besonders interessierten.
Zunächst war es reine Neugierde die mich durch den Eingangsbereich trieb, in dem viele Fernsehanstalten einen Stand hatten – Bücher gab es schon auch, aber noch nicht so überschaubar.
Nach der ersten knappen Stunde betrat ich Halle drei und kam aus dem Staunen nicht heraus. Als erstes fiel mir auf, wie ruhig es dort war, trotz der Menschenmengen. Dann sah ich die vielen kleinen Stände der einzelnen Verlage und beobachtete erst nur eine Weile die Menschen – lesend, schauend oder ins literarische Gespräch vertieft. Mir fielen auch einige Prominente auf, die unter die Autoren gegangen sind. Es gab so viel zu gucken, dass ich noch nicht zum Lesen kam. Beeindruckt hat mich auch die große Gelassenheit der Verleger, Buchhändler und Autoren, die mitten im Getümmel an Tischen saßen und ganz vertieft in ihre Gespräche waren.

Erst nach einer geraumen Zeit trat ich an die Regale und nahm das eine oder andere Buch in die Hand. blätterte und setze mich schließlich in eine der vielen Leseecken, um eine Weile zu schmökern. Ganz langsam verlor ich Raum und Zeit und dann ließ ich mich treiben. Von Stand zu Stand, von Regal zu Regal. Und die vielen um mich herum lesenden Menschen waren dabei eine atmosphärische Zugabe, die diese Messe von anderen abhob.

Um die Mittagszeit übermannte mich Müdigkeit von der Reise und der nach stundenlangem Laufen anstrengenden Messeluft und ich verweilte eine Zeit am Rande einer Gesprächsrunde, die über ein Film- oder Hörbuchprojekt berichtete, der ich aber nur beiläufig folgte und in den Sitz gelehnt die Augen schloß. Verschnaufpausen gehören auch zum Lebensgenuss.
So sah ich überall verteilt Oasen der Ruhe, in denen es sich die Besucher gemütlich gemacht hatten.

Mein Rundgang führte mich im Anschluss auch in diverse literarische Gespräche, die kurzweilig und interessant waren. Besonders gefallen hat mir hier ein Auftritt von Ulla Hahn, deren Buch – das verborgene Wort – ich noch in guter Erinnerung habe. Ihr Fortsetzungsbuch hat mich jedoch abgeschreckt, da es mir zu düster erschien. Nachdem sie eine Weile darüber sprach, bin ich nun aber doch neugierig geworden und werde mich vielleicht doch noch mal daran wagen.

Natürlich führte mein Weg mich dann auch in die Messebuchhandlung. Schließlich wollte ich auch etwas in Händen halten, was ich mit nach Hause nehmen kann. Die Entscheidung fiel jedoch nicht so leicht. Die neu vorgestellten Bücher sind mir noch fremd, ich muss noch mehr über sie in Erfahrung bringen, um sicher zu sein, welches für mich in Frage kommt. Das werde ich in den nächsten Wochen erkunden, gibt es doch allerlei Magazine u.a. von der ZEIT, die einen Überblick über die Neuerscheinungen geben.
Ich wollte auch nicht irgendein Buch kaufen, dass ich zu jeder anderen Zeit kaufen könnte. Doch dann fiel mir der große Bildband in die Hände „Die schönsten Buchhandlungen Europas“, von Rainer Moritz, dem Leiter des Hamburger Literaturhauses. Schon das Anfassen des Buches war eine Freude und noch mehr überzeugte es mich, da die wunderschönen Bilder mit ausführlichen Geschichten rund um die Buchhandlungen verknüpft sind.
Dieses Buch habe ich mir mit nach Hause genommen, es ist die perfekte Erinnerung an diese Reise und meinen Besuch auf der Buchmesse.

Von Leipzig habe ich außer dem Bahnhof nichts weiter gesehen und doch hat mir der Gedanekn gefallen in Leipzig zu sein.

Unterwegs

Gestern morgen stand ich mal wieder mit Reisefieber am Hamburger Hauptbahnhof. Und es kam mir dann doch wie eine Schnapsidee vor, was ich mir da vorgenommen hatte. Vor einigen Wochen schon habe ich einem spontanen Wunsch folgend, eine Fahrt nach Leipzig gebucht – zur Buchmesse. Ein lang gehegter Wunsch, den ich mir nun erfüllen wollte.

Aber als ich gestern morgen kurz vor 7 Uhr auf dem Hauptbahnhof stand, war ich mir nicht mehr so sicher, ob das eine gute Idee war. Ein endlos langer Tag schien vor mir zu liegen und alles schien so ungewiß. Das ferne Ziel, das Zurechtfinden in einer fremden Stadt. Plötzlich war mir mulmig zumute, als würde ich sonstwo hinfahren, dabei war es doch nur ein Tag, genau genommen, war ich 16 Stunden später schon wieder zu Hause.

Als ich dann im Zug saß und wir aus dem Bahnhof rollten, war alles gut, das Reisefieber wechselte sich mit einer aufgeregten und neugierigen Vorfreude ab.

Und ich begann die Fahrt zu genießen. Ich mag Bahnreisen – wenn nicht gerade gestreikt wird oder ich umsteigen muss und aufgrund von Verspätungen meine Anschlüsse nicht bekomme.
Ich achte dabei allerdings immer darauf einen Platz am Gang zu buchen. Fensterplätze mag ich nicht, da fühle ich mich eingeengt von meinem Sitznachbarn, den ich bei jedem Verlassen des Sitzes bitten müsste aufzustehen. Umgekehrt stört mich das nicht. Aber auch die Vorstellung vielleicht einen unangenehmen Mitfahrer neben mir zu wissen, löst ein Gefühl der Bedrängnis in mir aus, das ich im Gang nicht spüre. Dort könnte ich jederzeit aufstehen und gehen oder mich wegdrehen.
Aber abgesehen davon, mag ich es mit vielen Menschen in diesem bequemen ICE zu sitzen und durch die Landschaft zu gleiten.

Das Einfahren in Bahnhöfe großer Städte und die Illusion, man könnte einfach aussteigen, die nur als „Vorstellung“ ihren Reiz hat und mir etwas von Freiheit und Weite suggeriert. Real würde ich mich schnell verlassen fühlen und frieren so ganz ohne Anlaufziel.

Ich mag auch das Warten auf Bahnhöfen, die letzten Minuten bevor der Zug einfährt. Die vielen Menschen und Geschichten um mich herum. Auch deshalb muss ich immer mal wieder auf Reisen gehen.

Solange ich denken kann, lag mir das Schreiben mehr als das Reden. Gedanken in Worte zu fassen und aufs Papier zu bringen, Gefühle auf diese Weise zu verarbeiten und wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Geschichten zu erzählen, die ich erlebe, beobachte oder auch mal ausdenke, damit konnte ich einst Stunden, Tage verbringen.

Vor Jahren wurde die Lust aufs Schreiben, die ich schon in der Schulzeit verspürt habe, in Briefen neu geweckt. Es gab einige Menschen in meinem Umfeld, die sehr begeistert von meinen Geschichten und Briefen waren. Für mich waren das glückliche Zeiten, meine Texte erwachten zum Leben, meine Gedanken, die ich sonst für mich behalten hätte, wurden sichtbar und wahrgenommen.
Den Höhepunkt erreichte mein Schreibglück vor knapp 15 Jahren, als ich mir mit dem Weltenbummler wahre Briefschlachten lieferte. Anregend, unterhaltsam und motivierend.

Dann begann ich immer öfter auch andere Texte zu schreiben. Für Vereine, die Schule und was sich sonst so ergab.

Seit 7 Jahren leite ich eine Schulredaktion und versuche alle interessanten Themen in der Schule nach draußen zu transportieren. Unterricht und Projekte auch für Eltern greifbar zu machen, habe ich als spannende Aufgabe gesehen und viel Kraft und Zeit in diese Arbeit investiert.

In den letzten Jahren ist die Lust auf private Texte immer mehr in den Hintergrund geraten – ich möchte schon mal wieder so schreiben, wie am Anfang, aus dem Herzen heraus, merke aber das ich immer öfter dabei bin Routinetexte zu schreiben – weil es so erwartet wird.
Ich bin schon seit einer ganzen Weile unzufrieden und fühlte mich gestresst und gehetzt. Es ist immer mehr nur noch ein Job, den ich ausübe und die Lust, Texte zu verfassen, die man gerne liest, geht mir grad ein wenig verloren.

Momentan bin ich auf einem neuen Tiefpunkt angekommen. Meine Texte werden auf Herz und Nieren geprüft, allein auf ihren „Verkaufswert“ hin und nicht auf ihre Lebendigkeit, den Klang und einem gewissen Herzblut. Die Lust am Schreiben geht mir verloren, je mehr von mir erwartet wird, dass ich Texte „produziere“.

Social Network

Seit mehr als 10 Jahren im Internet aktiv, ist der neue Kinofilm über das Facebook Netzwerk natürlich ein interessantes Thema für mich und so war ich gespannt auf diesen Film.

Spannende Geschichte, in der die bösen Anwälte das tun, was sie in solchen Geschichten tun müssen, andere Leute über den Tisch ziehen. Ebenso wie gerissene Geschäftemacher, die von dem Kuchen, der aus dem Nichts entstanden ist, möglichst viel abbekommen wollen.
Und mittendrin der Ideengeber dieser überdimensionalen Netzwerkseite, dem es eigentlich nur um die Sache ging. Eine Plattform im Internet zu schaffen, die es allen Menschen ermöglicht miteinander zu kommunzieren, Bilder auszutauschen oder einfach nur von dem einen oder anderen zu erfahren, wie es ihm geht, was er so treibt, ohne selbst groß in Aktion zu treten. Ob sich die Betreiber der Seite wirklich so einfach in gut und böse aufteilen lasse, will ich mal dahin gestellt sein lassen, vielmehr regt es doch die Gedanken darüber an, welche Möglichkeiten uns das Internet bietet und wie wir damit umgehen.

Ich bin mittlerweile selbst eine fleißige Facebook-Nutzerin und mir gefällt das sehr. Man erfährt Dinge von den Menschen aus dem eigenen Umfeld, die man sonst oftmals nicht wüsste. Dabei müssen das ja nicht immer gleich kompromittierende und zweifelhafte Inhalte sein, sondern nur Mitteilungen, die uns mit manchen ein bisschen besser bekannt machen und mit anderen schneller einen Austausch ermöglichen, als wir das im Alltag vielleicht sonst tun würden.

Natürlich ist jeder selbst dafür verantwortlich, was er von sich preis gibt und Dinge wie „mein blöder Chef….“, „ich hasse meinen Job…“, „voll langweilig auf Arbeit…“ etc., sollte man doch klugerweise unterlassen. Sowohl Behörden als auch Unternehmen sind ja nicht von gestern und recherchieren mitunter sehr sorgfältig über ihre Mitarbeiter oder Klienten im Internet. Also was solche Mitteilungen angeht, lieber etwas vorsichtiger sein.

Ebenso mit Fotos von Partys oder allzu privatem Raum. Jeder sollte sich zuvor erstmal vorstellen – will ich, dass mich jemand, dem ich jetzt beim Gang aus dem Haus begegne so sieht, wie auf diesem Foto – wenn man selbst überzeugt ist „ja, kein Problem“, – dann bitte, ansonsten lieber nicht ins Netz stellen.
Und auch die Privatsphäre-Einstellungen sollte man genau unter die Lupe nehmen, damit nicht allen Internetusern Tür und Tor geöffnet sind, alle privaten Inhalte einzusehen. Wer 100 Freunde und mehr hat, nutzt facebook entweder geschäftlich oder er sollte sich die Definition für Freundschaft noch mal genau durch den Kopf gehen lassen.
Mir ist das eher unangenehm, wenn der Kreis der Mitleser in diesem Bereich zu groß wird und so nehme ich nur wirklich gute Bekannte und Freunde in meine Liste mit auf, bei denen ich ein gutes Gefühl habe, wenn sie meine Gedanken mitlesen können.

Natürlich können all diese Datensammlerseiten auch gehackt werden, aber darf man dann überhaupt noch im Internet unterwegs sein, wenn man überall bedenken hat?

Ich erwähnte schon, dass ich das Internet aktiv nutze. Ich beschaffe mir Informationen, kaufe Konzertickets, Bücher und auch Geschenke via Netz, ich veröffentliche Texte und Bilder auf Webseiten und Blogs – und manch einer hält mich für bodenlos leichtsinnig.  Mein Schwager schickt mir nur im höchsten Notfall und ungern Mails, seit ich mein Mailkonto bei Google habe. Mag sein, dass er zum Teil mit seinen Vorbehalten Recht hat – ich gehe davon aus, dass ich nichts zu verbergen habe und – bisher muss ich sagen, habe ich noch keinerlei schlechte Erfahrungen gemacht.
Für die Abmahnung, die mir vor einem Jahr ins Haus flatterte, kann man mich nicht verantwortlich machen, da wir genau zu diesem Zeitpunkt, nachweislich verreist waren.

Ansonsten waren die Gefahren, die außerhalb des virtuellen Netzes , im wirklichen Leben lauerten, bisher viel größer und darum bin ich trotz aller Bedenken und einer gesunden Skepsis doch dafür, die vielen Möglichkeiten zu nutzen, die uns die Internetwelt bietet.
Verantwortungsbewusst und sorgfältig damit umzugehen, dass ist es vielleicht, was der eine oder andere noch üben muss und die Fallen in die man tappt, stellt man sich oft genug auch selbst.

So markiere ich niemals auf meinen Fotos namentlich die Leute, sofern überhaupt welche darauf zu erkennen sind und die Funktion mich irgendwo zu markieren habe ich gesperrt.

Skepsis finde ich angebracht, für Schwarzseherei sehe ich aber keinen Grund.

Erinnerung

Was hat sie ausgelöst, die heutige Erinnerung, die viele kleine Bilder, mehr aber noch – Gefühle in mir hoch fliegen lässst?
War es der Film „Das Lächeln der Sterne“ mit Richard Gere und hier speziell der berührende Briefwechsel der beiden Hauptdarsteller, den ich nachempfinden konnte, auch wenn er sich von meinem deutlich unterscheidet? Oder die Flasche Rotwein? Beides zusammen?

Ich kann es nicht sagen, was mich da überfallen hat. Ich habe in Schubladen gewühlt, Kartons geöffnet, in der kleinen gedruckten Erzählung geblättert und obwohl mir die Stimme dazu fehlt, war (ist) es heute abend doch so lebendig und das Wasser in mir steigt und steigt.

Ich musste ohnehin ein Buch bestellen für die Facharbeit der Sonnensterntochter: „Warum ich fühle, was Du fühlst“ über die Beschaffenheit der Spiegelneuronen. Ich habe es mir selbst einmal vor drei Jahren bestellt, weil ich mehr über mein eigenes Verhalten lernen wollte und ob es normal ist, wenn man so mitfühlt mit den Menschen um einen herum. Dummerweise kann ich dieses Buch nun nicht wiederfinden und muss es also erneut bestellen, auch wenn es in Kürze sicher wieder auftauchen wird, aber soviel Zeit ist nicht.
Und um den Frust meiner Schusseligkeit zu vertuschen und weil ich ohnehin einen sentimentalen Abend zu fassen habe, kam ich an dem Best of Album von Robbie Williams natürlich auch nicht vorbei. Ich kann die Lieferung kaum abwarten.

Ich war nie ein Fan von Robbie Williams, was sich aber wohl überwiegend auf sein Äußeres bezog. Seit ich mich mit seiner Musik mehr befasse und sie immer auch mit Bilder, Briefen und Erinnerungen zusammen bringe, erscheint alles in einem anderen Licht.  Da kam mir das Best of Album gerade recht, hier habe ich alles, was mir bisher fehlt und genau das richtige um mich in Stunden wie diesen darin fallen zu lassen.

 

Engagierte Pause

Die letzten Monate ist einiges in mir in Bewegung geraten. Habe ich mich verändert? Vielleicht erschließe ich mir nur einen neuen Weg. Meinen Weg.

Anlass war vielleicht ein zunehmendes Gefühl von Gehetzt-sein. Jahrelang habe ich mich auf allen Gebieten für alles eingesetzt und engagiert, was mir notwendig und wichtig erschien. Dazu gehörten sowohl Menschen als auch Projekte. Und in dem Bestreben etwas zum Positiven zu verändern, habe ich meine eigenen Bedürfnisse  oft hintenan gestellt. Ich habe Zeit und auch anderes investiert, das mir manchmal für meine alltäglichen Pflichten dann fehlte, was mir ein schlechtes Gewissen verursachte und Stück für Stück Druck aufbaute. Ich wollte es allen recht machen und vor allem wollte ich nicht wegschauen, wo es notwendig war hinzuschauen.
Im Prinzip halte ich das immer noch so und doch habe ich losgelassen.

Endlich! Ich kann loslassen. Noch nicht immer und auch noch mit Schwierigkeiten, aber ich mache Fortschritte.

Wenn ich mich für politische Veränderungen einsetze, dann nur noch im Rahmen meiner zeitlichen Möglichkeiten und ohne mir Termine aufzuhäufen, die mir jeden eigenen Freiraum nehmen.
Meine Ansichten über eine chancengerechtere und zeitgemäße Schule haben sich nicht geändert, aber die Mehrheit hat sich – leider – für die Fortsetzung eines überholten Schulsystems entschieden. Dann ist das so.  Ich finde mich damit ab, ohne dabei ein Desinteresse an der Schullandschaft zu entwickeln. Ich kämpfe nur nicht mehr. Vorerst. Weil es mich persönlich mehr belasten würde, immer wieder gegen Wände zu rennen. Ich bin für die Entscheidung – welche Bildung wir brauchen – nicht verantwortlich. Das habe ich gelernt und das ist ein großer Schritt.

Menschen. Freunde. Für sie da zu sein, wenn sie Hilfe brauchen, liegt mir immer noch am Herzen. Aber auch da war die wichtigste Erkenntnis – ich bin nicht für das Unglück anderer verantwortlich. Das muss ich mir immer noch mal wieder vorsagen, um es zu verinnerlichen. Viele Jahre habe ich jegliche Probleme meiner Umwelt zu meinen eigenen gemacht und mich dabei auch in allerlei Umstände verstrickt, um sie zu lösen. Die Not mir nahe stehender Menschen hat mich von morgens bis abends umgetrieben und auch das verursachte ein Gefühl des Gehetzt-seins, das ich aber lange nicht wahrgenommen habe.
Auch hier ist mir klar geworden, bei aller Anstrengung, die ich auch unternehme, kann ich das Leben anderer nicht zum Besseren verändern. Kurzfristige Unterstützung und Mitgefühl gehören zu einem Zusammenleben mit mir nahe stehenden Menschen dazu, aber letztendlich kann jeder nur seine eigenen Probleme auch selbst aus der Welt schaffen, man kann es anderen nicht aus der Hand nehmen. Verantwortlich ist jeder für sich selbst. Jeden Tag aufs Neue.

So bin auch ich allein verantwortlich dafür, dass ich zunehmend unter Druck geriet und nicht mehr alles bewältigen konnte, was an vermeintlich notwendigen Aktivitäten auf mich einstürmte und darum kann auch nur ich etwas daran ändern. Meine eigene Verantwortung kann ich von der anderer besser trennen.

Diese Erkenntnis hilft mir sehr, wenn es darum geht – zukünftig öfter mal – nein zu sagen.

Ich kann seit einigen Monaten besser schlafen. Ich habe mehr Zeit für meine alltäglichen Pflichten und meine freiberufliche Tätigkeit – immer noch zu wenig, um wirklich auf dem Laufenden zu sein, aber ich sehe kleine Fortschritte.  Ich nehme  mir manchmal die Zeit mitten am Tag zu lesen. Immer noch zu wenig, aber immerhin.
Ich schreibe nur, wenn ich Lust dazu habe und ich bin ruhiger geworden.
Ich lasse mich noch immer von meinem Herzen leiten, aber ich achte sorgfältiger darauf, dass nicht ausnutzen zu lassen. Ich springe nicht sofort, wenn jemand ruft, sondern nur, wenn es für mich  im Rahmen des Möglichen ist und ich ein ehrliches Gefühl dabei habe.
Und ich engagiere mich eher für etwas oder jemanden, wenn die Verantwortlichen das selbst auch tun. Ich habe gelernt nicht mehr jedem alles abzunehmen.

Mag ich auch auf andere oft wie ein Ruhepol gewirkt haben, so hatte ich doch meine innere Ruhe schon vor längerer Zeit verloren.

Mag es auch egoistisch klingen, so beanspruche ich für eine Weile eine engagierte Pause – für mich, damit ich mich auf lange Sicht wieder einsetzen kann. In Maßen!

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