… und gegen dieses bescheuerte Volksbegehren „Wir wollen lernen“!!!
Manch einer wartet vielleicht schon darauf, dass ich mich zu dem gestern in Hamburg gestarteten Volksbegehren zu Wort melde.
Natürlich bewegt es mich und macht mich wütend und darum … auch ein bisschen sprachlos. Weil diese Geldmacht und diese Elite-Lobbyisten, die hinter dem Volksbegehren stecken so ohnmächtig machen gegen Sachargumente.
Hier werden Menschen auf der Straße zu Unterschriften bewegt mit Slogans wie „Wollen Sie etwa, dass das Elternwahlrecht abgeschafft wird?“ oder „Wir wollen auch Reformen, aber nicht so“. Damit wird den Menschen vorgegaukelt, dass es hier um das Wohl aller Schüler geht und die Interessen aller Eltern vertreten werden sollen und das man sehr wohl aufgeschlossen notwendigen Reformen gegenüber steht, aber nicht so.
Und diese Botschaft ist falsch!!!
Es geht hier nicht um die Bildung aller Kinder, sondern darum, dass die Elite unter sich bleibt, das alte Zöpfe nicht abgeschnitten werden, weil der Kuchen nämlich kleiner wird, wenn mehr Schüler eine bessere Bildung bekommen.
Und dieses Volksbegehren läuft so ganz anders als die bisherigen, die ich verfolgt oder selbst daran teilgenommen habe. Hier steckt eine Unmenge Geld hinter den Organisatoren. Die Unterschriften werden mit Hilfe geschickter Marketingstrategien, Anzeigen und Werbespots im Radio gewonnen und nicht mit Überzeugung.
Tatsache ist schon jetzt, dass unzählige Eltern bisher von ihrem Elternwahlrecht Gebrauch machen und ihr Kind nach der vierten Klasse in einem Gymnasium anmelden, oft genug nur deshalb, „weil es in der Familie so Tradition ist“. Die Begabungen des Kindes stehen dabei nicht immer im Vordergrund, sondern mehr die Angst „man könnte etwas versäumen“.
Die Kinder haben nicht selten einen Leidensweg vor sich, bis sie irgendwann, spätestens nach der 6. Klasse doch die Schule wechseln müssen. Manche erholen sich davon nur mühsam und erreichen am Ende nicht den Schulabschluss, der ihren Fähigkeiten entsprochen hätte.
Wenn ab 2010 die Grundschule von der Primarschule abgelöst wird und die Kinder erst nach der 6. Klasse auf eine weiterführende Schule wechseln und die Eltern dann nicht mehr mitreden können, sondern ihr Kind je nach Empfehlung auf ein Gymnasium oder eine Stadtteilschule anmelden müssen, dann ist das nichts anderes als jetzt, nach sechs Jahren kann auch jetzt nicht gewählt werden.
Besser wäre es jedoch, man würde diese ganze Auswahl streichen und auf ein Schulsystem setzen, bei dem alle Kinder von Klasse 0 – 10 gemeinsam lernen und erst danach den Weg zum Abitur oder in den Beruf wählen.
In den Jahren des Heranwachsens ist soviel Entwicklungspotenzial enthalten, dass niemand sicher voraussagen kann, wohin die Reise geht.
Aber wir haben es mit einem politischen Kompromiss zu tun. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, ein Schritt heraus aus der Steinzeit, wenn da nicht die Standesdünkel der „feinen Gesellschaft“ wären, die sich kräftig auf die Füße getreten fühlt.
Nach 13 Jahren Elternratvorstandsarbeit, Hunderten von Gesprächen, Mitarbeit in unterschiedlichsten Gremien, an Schulprogrammen und pädagogischen Konzepten, habe ich ein klares Bild davon, wie Schule sein könnte, sein sollte.
Sicher, auch ich habe Zweifel an der jetzigen Umsetzung der Reform. Ebenso wichtig wie die Struktur, sind die Inhalte. Der Unterricht muss sich verändern, wir brauchen andere Lernmethoden, die auf die einzelnen Schüler besser eingehen, sie mit einbeziehen. Das kostet Geld, nicht zuletzt für Lehrerstellen, aber auch für geeignete Räumlichkeiten. Dieser Notwendigkeit muss man sich stellen. Bei der Elbphilharmonie geht das ja auch.
Eigentlich müsste jetzt alle Kraft und Zeit darauf verwendet werden, dass Elternräte in der ganzen Stadt nicht aufhören darauf hinzuweisen, dass es auf die Konzepte ankommt, die dieser Reform Leben einhauchen müssen. Elternräte können Druck ausüben, wenn sie gut informiert sind und konstruktive Kritik üben oder eigene Vorschläge einbringen. Stattdessen wird so viel Zeit verschwendet sich in der Stadt zu streiten, ohne die Gesamtheit der Schüler zu berücksichtigen.
Dabei gibt es viele Beispiele für gute Schule, sowohl in Hamburg als auch anderswo, man muss sich nur umschauen und informieren und diese guten Beispiele in der eigenen Schule diskutieren, damit Bewegung in die Sache kommt.
Wir brauchen Veränderung! Und es gibt zu viele uninformierte Eltern, die mit Schlagworten um sich werfen, noch bevor sie die Inhalte und ihre Ziele auch nur im entferntesten begriffen haben. Das vor allem macht mich wütend.
Mehr dazu habe ich schon im letzten Jahr an dieser Stelle geschrieben.
Ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich mir nichts mehr wünsche, als dass dieses Volksbegehren scheitert, zum Wohle einer fortschrittlichen Bildung. Leider habe ich meine Befürchtungen, wenn ich den Aufwand und die Macht sehe, mit der diese Aktion geführt wird, die befürchten lässt, dass viele Unterschriften nicht aus Überzeugung abgegeben werden, sondern durch Überredung.