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Novemberstimmung

So viele graue Tage, die wie an einem unsichtbaren Faden aneinander hängen und immer bei Tagesanbruch wieder in mein Gesichtsfeld rücken. An manchen Tagen schaue ich schon ganz erstaunt, wenn ich am Himmel einen kleinen blauen Fleck erspähe. Heute am frühen Nachmittag – das ist fast wie ein Aufatmen und es drängt mich gleich nach draußen, gleich ob ich etwas zu erledigen habe oder nicht.

Ich fühle mich müde. Zum grauen Himmel, hat mich die Arbeit der letzten Wochen ein wenig erschlagen, dazu die negativen Nachrichten, ich fühle, ich brauche Tapetenwechsel.
Die nächsten Wochen reiht sich ein Termin an den anderen, aber es sind nicht nur Arbeitstermine, sondern auch viele Konzerte, Weihnachtsessen, Treffen mit Freunden. Ich hoffe darauf, dass mich dass dann aus meiner inneren Hektik reißt, die mich manchmal sogar bremst und mir in den letzten Tagen jeden Antrieb nahm.
Sicher, ich funktioniere. Redaktionstermine konnte ich halten und bis Montag ist alles endgültig im Druck und verteilt – alle Abteilungen sind zufrieden und würden lachen, wenn sie hier von Antriebslosigkeit lesen würden.

Es ist nur so ein Gefühl in mir, dass ich denke, ich müsste doch darüber hinaus mehr schaffen, mehr Schwung haben.  Das ist ein Knackpunkt in der Freiberuflichkeit. Man geht nicht morgens zu einer bestimmten Zeit aus dem Haus und kommt abends nach Feierabend wieder, sondern man hat immer alles zu Hause liegen und könnte praktisch ständig zwischendurch arbeiten. Was ich auch tue – allerdings nicht so strukturiert wie in einem geordneten Büro.
Und in den letzten Tagen blieb dann alles andere liegen, weil ich mich nicht mehr aufraffen konnte.

Heute wollte ich gedanklich mal raus aus diesem Grau und habe einen Kuchen gebacken und ihn in den Sender geschickt. Ich mache es, weil ich es möchte und denke doch gleichzeitig, dass es für die meisten wohl ein wenig merkwürdig ist, das würde kaum jemand machen. Aber warum nicht? Mal sehen, wie das ankommt.

Und dann fiel es mir eigentlich erst heute nachmittag ein, dass wir ja wieder einmal den 19. des Monats haben und ich dachte schon fast, dass mich das dieses Mal nicht berührt, dass es vielleicht langsam verschwimmt. Aber plötzlich waren alle Erinnerungen wieder so gegenwärtig.
Ich habe mir selbst ein Jahr Traurig sein und Verarbeiten eingeräumt, mit allen Stadien die dazu gehören.

Heute sind es genau sechs Monate, dass sich der Weltenbummler auf den Weg machte, der bemerkenswerteste Freund, den ich je hatte. Ich vermisse ihn. Mal mehr, mal weniger. Rückblickend verstehe ich manches aus den letzten Monaten besser und bin insgesamt auch ruhiger geworden, sicherer in meinen Gedanken und Gefühlen.

Wie immer in den letzten Monaten an einem 19.ten habe ich heute eine Flasche Merlot geöffnet und es ist für mich vollkommen in Ordnung, dass es so ist. Nun ja, ich hätte es gerne anders, aber da das nicht möglich war, ist es gut, dass ich diese Zeit bewusst in meinem Leben integrieren kann, solange ich nicht darin versinke und das geschieht nicht.
Aber ich merke, dass es gut ist nicht zu verdrängen, wie ich es bei ähnlichen Anlässen sonst öfter getan habe.

Um aus dem allgemeinen Novembergrau wieder herauszukommen, werde ich mir sobald die gröbste Arbeit erledigt ist wieder Freiräume schaffen, um den Blick wieder frei zu haben für die schönen Kleinigkeiten, die den November vergessen lassen.

Ich mag den November nicht. Noch nie.

Kollektive Trauer

Ich möchte doch mal ein paar Gedanken der letzten Tage zusammen fassen. Jeden Morgen wenn ich die Zeitung aufschlage, werden die Meldungen abstruser.

Heute lese ich, es wird vielleicht die größte Trauerfeier aller Zeiten am Sonntag in Deutschland, vergleichbar mit der von Konrad Adenauer.

Schauen wir einmal zurück auf die Meldung. Robert Enke hat Selbstmord begangen. So wurde es am Dienstagabend am Bildschirmrand eingeblendet. Diejenigen die ihn kannten, sind geschockt und entsetzt. Verständlich. Vor allem weil viele nicht ahnten, warum er so einen Weg gewählt hat, auch viele die ihn kannten.

Seine Frau dagegen wusste, sie haben den Kampf gegen die Krankheit verloren. Das passiert auch bei anderen Krankheiten, Krebs zum Beispiel. Aber Krebs sieht man, kann ihn nicht verheimlichen, sondern verfolgt Schritt für Schritt den Verfall.

Vielleicht ist es das. Das kollektive Erschrecken und Wahrnehmen einer Krankheit, die man nicht sehen kann. Von der die meisten zu wenig wissen. Jeder will sein Mitgefühl ausdrücken.

Und das liegt zu einem Großteil auch an dem Auftritt von Frau Enke bei der Pressekonferenz. Ihre mutige Entscheidung, aufzudecken, was für Gründe hinter der Tat stecken. Sonst wäre die Reaktionen vielleicht anders verlaufen.

Die Mediengesellschaft hätte sich selbst Gründe erfunden, hätte im Leben von Robert Enke herumgewühlt, die Familie mit Kameras verfolgt, hätte nichts unversucht gelassen, Skandalmeldungen zu finden, um die Meute zu füttern.

Man hätte die Witwe gejagt, wie einen flatternden Vogel.

Das zumindest bleibt ihr nun erspart, zumindest scheint es mir so und das ist beruhigend.

Zwar gibt es noch einige Stimmen, die über diesen Auftritt nun Erstaunen an den Tag legen und auch versuchen, ihn zu analysieren, aber ihre Flucht nach vorn, an die Öffentlichkeit, war sicher auch eine Art Selbstschutz, um der Boulevardpresse die Stirn zu bieten und ihren Mann davor zu schützen, dass sein Andenken in den Dreck gezogen wird.

Viele Dinge im Leben dieser Familie gehen uns gar nichts an. Und die Ehrlichkeit von Frau Enke führt nun vielleicht doch neben großem Respekt ihr gegenüber zu einer Pietät, die die Medien heutzutage eher nicht mehr kennen.

Eigentümlich berühren mich auch die Meldungen über die große Anzahl der  erwarteten Trauergäste. Man rechnet mit bis zu 50 000 Teilnehmern. Ist das gerechtfertigt?

Das die Nationalmannschaft teilnimmt finde ich angemessen, schließlich hatten sie persönlich mit Robert Enke zu tun, es gab vielleicht Freundschaften. Ebenso wie sein Heimatverein. Sicher war er in gewissem Sinne ein Mensch des öffentlichen Lebens.

Dennoch werde ich das Gefühl nicht los, dass viele Menschen nur daran teilnehmen, weil es für sie ein „Guckloch“ öffnet. Eine Art Voyeurismus hinter dem Deckmantel der Betroffenheit.

Und die Depressionen der Mitmenschen sollen nun ernster genommen werden. Hehre Vorsätze. Die an Depression erkrankten Menschen werden jetzt nicht auf die Straße rennen und Hier schreien. So einfach geht das ja nicht.

Es reicht doch schon, im engeren Umfeld genauer hinzuschauen. Mitmenschlicher miteinander umzugehen. Meist sind es die kleinen, unspektakulären Taten, die zu etwas Großem führen.

Gerade gestern habe ich von einem Freund wieder so einen schadenfreudigen Kommentar zu einem Kollegen gehört, dass es mich erschreckt hat. Statt hilfsbereit zu sein, lässt man den anderen lieber auflaufen. Cool sein.

Da könnte man mal anfangen drüber nachzudenken, dass wäre in meinen Augen sinnvoller, als eine kurzzeitige kollektive Trauer, die nachhaltig nichts verändern wird, sondern nur als eine Art „Erlebnis“ gelebt wird.

Wohlgemerkt, ich meine hier nicht die Menschen, die ehrlich trauern, teilnehmen, sich kümmern, da sind für andere. Meine Verwunderung gilt denen, die auf das Sprungbrett mit aufspringen, nur um dabei zu sein.

Frau Enke wünsche ich Kraft und dass es Menschen gibt, die sich Zeit für sie nehmen und sie in den nächsten Wochen vielleicht auch beschützen und ihr Mut machen, ihr Leben zu leben, damit eines Tages auch wieder Freude einkehren kann.

Update 15.11.09: Ein lesenswerter Artikel zum Thema

1989 – 2009

Auch wenn der eine oder andere vielleicht schon wieder denkt, dass zuviel darüber geredet wird, ist der Mauerfall  vor 20 Jahren für mich schon eine bewegende Erinnerung.
Manchmal ist es gut, wenn man sich die Zeit noch einmal vor Augen führt. Ein Stück deutsche Geschichte, die ich ganz bewusst selbst miterlebt habe, wenn auch von westdeutscher Seite und nur aus dem Fernsehen oder den Zeitungen.

Herbst 1989 unser zweites Kind war gerade geboren und wir kamen nicht viel herum, hatten genug mit unserer kleinen Familie um die Ohren.
Am Fernseher verfolgten wir gebannt die Montagsdemonstrationen und ich kann mich noch gut erinnern, wie mich das beeindruckt hat, dieser Mut, dieser Zusammenhalt der Menschen und die Unruhe im Land, die – bei uns in Norddetuschland sicher nur unterschwellig, aber doch auch ein Kribbeln verursachte.

Was geschah da auf der anderen Seite der Mauer und wie würden die Politiker reagieren und was würde aus den Menschen werden, die sich so für ihre Freiheit einsetzten?
Ich bewundere diese Entschlossenheit noch heute. So viele Menschen die sich immer wieder aufs Neue unerschrocken in den Weg stellten.

Wie gefährlich das alles auch war, wie nah wir möglicherweise einem neuen Krieg waren, wenn die Ost- oder Westländer falsch reagiert hätten, das habe ich erst viel später erkannt.

Und als wir dann an einem Sonntag tatsächlich die ersten Trabis durch Hamburg fahren sahen, ich weiß es noch genau, das war ungefähr in Nähe des Hauptbahnhofes und man schaute so verwundert auf diesen ungewohnten Anblick und konnte die Entwicklung noch immer nicht ganz fassen.
Ich war sehr gerührt damals und sehr glücklich über diesen Mauerfall auch wenn wir keine persönlichen Kontakte in die damalige DDR hatten.

Die ersten Aufbaujahre haben diesen Zauber dann leider bei vielen gedämpft, weil auch viele Opfer zu bringen waren – klar und das Verständnis füreinander fiel nicht einfach vom Himmel und die eine oder andere politische Entscheidung stellte sich „zwischen“ die Menschen. Das Streben nach dem Sichern des eigenen Besitzstandes rückte plötzlich ins Blickfeld.

Gerne erinnere ich mich an später auftauchende Filme „Goodbye Lenin“ oder „Sonnenallee“, manchmal kann ein Unterhaltungsfilm mehr erreichen, als viele nüchterne Reportagen.

Heute bin ich froh über diesen Mauerfall.
Ich habe einen Kurztrip nach Rostock genossen und war von der Ostsee begeistert. Das Wochenende auf Rügen war ein Erlebnis. Dresden habe ich auch einmal durchstreift, ebenso wie Ostberlin und irgendwann wird mich mein Weg auch noch nach Leipzig führen, da bin ich sicher.

Freuen wir uns doch einfach über diese Wiedervereinigung, auch wenn sie mit Schwierigkeiten verbunden war und vielleicht auch noch bis heute ist, aber alles andere hätte keine Zukunft gehabt.
Man darf Menschen nicht einsperren und man darf ein Land nicht teilen.

Bin gerade viel beschäftigt und habe wenig Gelegenheit für schöne, interessante oder andere Gedanken. Erstmal muss der Alltag bewältigt werden. Solche Zeiten kennt wohl jeder.

Und seit gestern scheint eine Erkältung im Anmarsch zu sein, wo ich mich doch gerade durchgerungen hatte, vielleicht doch zur Schweinegrippenimpfung zu gehen, weil mir die Berichte von chronisch Kranken, zu denen ich auch zähle, langsam Angst machen.
Aber jetzt mit Halsschmerzen und laufender Nase ist mir das wieder zu unsicher. Ich warte noch mal eine Woche, vielleicht ergeben sich ja auch noch mehr Erkenntnisse bis dahin.

Ah ja, und die neue Robbie Williams CD habe ich gestern bei amazon vorbestellt für günstige 8.97 €, das schien mir ganz verlockend. Auch wenn ich kein Robbie Williams Fan bin, so wie man sich einen Fan vorstellt, ist diese CD Pflicht. Stellvertretend für den Weltenbummler werde ich sie hören und bewahren. Er hätte sich so gefreut, etwas Neues von Robbie zu hören…

Bei leicht verschleiertem Sonnenlicht und kühler Luft habe ich mich auf den Weg gemacht. Zunächst in den Hafen und dann mit dem Schiff elbabwärts nach Neumühlen.

unterwegs 1

Der Wind zog an den Haaren und im Gesicht, das Wasser rauschte und klatschte zuweilen gar an den Steinen. Gedanken standen still, kehrten nach innen und wogten doch auf und nieder.
Die Atmosphäre dieses Nachmittags hat mich sogar meine Angst vor Hunden vergessen lassen. Sie war wie weggeblasen. Ich habe mehreren großen frei am Elbstrand herumlaufenden Hunden gelassen entgegen gesehen und sie sind alle in einem großen Bogen um mich herum gelaufen, als wäre ein Schutzwall um mich gezogen.  :-)

unterwegs 2

Der Himmel färbte sich langsam und zeitweise schien es mir, als würde an diesem Nachmittag, kurz vor der Dämmerung, ein lebhaft, zerstreuter Wolkenschleier, nebulös über der untergehenden Abendsonne hochziehen.

unterwegs 3

Augenblicke unvergessen und die Gewißheit, dass an diesem Strom immer ein Hauch von großer, weiter Welt vorbeiziehen wird.

… und gegen dieses bescheuerte Volksbegehren „Wir wollen lernen“!!!
Manch einer wartet vielleicht schon darauf, dass ich mich zu dem gestern in Hamburg gestarteten Volksbegehren zu Wort melde.

Natürlich bewegt es mich und macht mich wütend und darum … auch ein bisschen sprachlos. Weil diese Geldmacht und diese Elite-Lobbyisten, die hinter dem Volksbegehren stecken so ohnmächtig machen gegen Sachargumente.
Hier werden Menschen auf der Straße zu Unterschriften bewegt mit Slogans wie „Wollen Sie etwa, dass das Elternwahlrecht abgeschafft wird?“ oder „Wir wollen auch Reformen, aber nicht so“. Damit wird den Menschen vorgegaukelt, dass es hier um das Wohl aller Schüler geht und die Interessen aller Eltern vertreten werden sollen und das man sehr wohl aufgeschlossen notwendigen Reformen gegenüber steht, aber nicht so.

Und diese Botschaft ist falsch!!!

Es geht hier nicht um die Bildung aller Kinder, sondern darum, dass die Elite unter sich bleibt, das alte Zöpfe nicht abgeschnitten werden, weil der Kuchen nämlich kleiner wird, wenn mehr Schüler eine bessere Bildung bekommen.

Und dieses Volksbegehren läuft so ganz anders als die bisherigen, die ich verfolgt oder selbst daran teilgenommen habe. Hier steckt eine Unmenge Geld hinter den Organisatoren. Die Unterschriften werden mit Hilfe geschickter Marketingstrategien, Anzeigen und Werbespots im Radio gewonnen und nicht mit Überzeugung.

Tatsache ist schon jetzt, dass unzählige Eltern bisher von ihrem Elternwahlrecht Gebrauch machen und ihr Kind nach der vierten Klasse in einem Gymnasium anmelden, oft genug nur deshalb, „weil es in der Familie so Tradition ist“. Die Begabungen des Kindes stehen dabei nicht immer im Vordergrund, sondern mehr die Angst „man könnte etwas versäumen“.

Die Kinder haben nicht selten einen Leidensweg vor sich, bis sie irgendwann, spätestens nach der 6. Klasse doch die Schule wechseln müssen. Manche erholen sich davon nur mühsam und erreichen am Ende nicht den Schulabschluss, der ihren Fähigkeiten entsprochen hätte.

Wenn ab 2010 die Grundschule von der Primarschule abgelöst wird und die Kinder erst nach der 6. Klasse auf eine weiterführende Schule wechseln und die Eltern dann nicht mehr mitreden können, sondern ihr Kind je nach Empfehlung auf ein Gymnasium oder eine Stadtteilschule anmelden müssen, dann ist das nichts anderes als jetzt, nach sechs Jahren kann auch jetzt nicht gewählt werden.

Besser wäre es jedoch, man würde diese ganze Auswahl streichen und auf ein Schulsystem setzen, bei dem alle Kinder von Klasse 0 – 10 gemeinsam lernen und erst danach den Weg zum Abitur oder in den Beruf wählen.

In den Jahren des Heranwachsens ist soviel Entwicklungspotenzial enthalten, dass niemand sicher voraussagen kann, wohin die Reise geht.
Aber wir haben es mit einem politischen Kompromiss zu tun. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, ein Schritt heraus aus der Steinzeit, wenn da nicht die Standesdünkel der „feinen Gesellschaft“ wären, die sich kräftig auf die Füße getreten fühlt.

Nach 13 Jahren Elternratvorstandsarbeit, Hunderten von Gesprächen, Mitarbeit in unterschiedlichsten Gremien, an Schulprogrammen und pädagogischen Konzepten, habe ich ein klares Bild davon, wie Schule sein könnte, sein sollte.

Sicher, auch ich habe Zweifel an der jetzigen Umsetzung der Reform. Ebenso wichtig wie die Struktur, sind die Inhalte. Der Unterricht muss sich verändern, wir brauchen andere Lernmethoden, die auf die einzelnen Schüler besser eingehen, sie mit einbeziehen. Das kostet Geld, nicht zuletzt für Lehrerstellen, aber auch für geeignete Räumlichkeiten. Dieser Notwendigkeit muss man sich stellen. Bei der Elbphilharmonie geht das ja auch.

Eigentlich müsste jetzt alle Kraft und Zeit darauf verwendet werden, dass Elternräte in der ganzen Stadt nicht aufhören darauf hinzuweisen, dass es auf die Konzepte ankommt, die dieser Reform Leben einhauchen müssen. Elternräte können Druck ausüben, wenn sie gut informiert sind und konstruktive Kritik üben oder eigene Vorschläge einbringen.  Stattdessen wird so viel Zeit verschwendet sich in der Stadt zu streiten, ohne die Gesamtheit der Schüler zu berücksichtigen.

Dabei gibt es viele Beispiele für gute Schule, sowohl in Hamburg als auch anderswo, man muss sich nur umschauen und informieren und diese guten Beispiele in der eigenen Schule diskutieren, damit Bewegung in die Sache kommt.

Wir brauchen Veränderung! Und es gibt zu viele uninformierte Eltern, die mit Schlagworten um sich werfen, noch bevor sie die Inhalte und ihre Ziele auch nur im entferntesten begriffen haben. Das vor allem macht mich wütend.

Mehr dazu habe ich schon im letzten Jahr an dieser Stelle geschrieben.

Ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich mir nichts mehr wünsche, als dass dieses Volksbegehren scheitert, zum Wohle einer fortschrittlichen Bildung. Leider habe ich meine Befürchtungen, wenn ich den Aufwand und die Macht sehe, mit der diese Aktion geführt wird, die befürchten lässt, dass viele Unterschriften nicht aus Überzeugung abgegeben werden, sondern durch Überredung.

Spannende Frage an diesem Sonntag. Meine Handyuhr hat sich automatisch selbst umgestellt, der Radiowecker dagegen nicht, die PC Uhr ja und so ging es munter weiter. Wenn dann auch noch die erwachsenen Kinder und der Mann ohne Absprache an den einzelnen Uhren herum drehen, ist das Zeitchaos perfekt.
Jedenfalls gab es wieder mal so manch verwirrtes Gesicht und die eine oder andere Uhr hat den Sprung zurück in die Zeit auch noch gar nicht geschafft. So wirft man einen Blick auf die Küchenuhr, erschrickt – so spät schon und dann – Aufatmen, die ist ja noch nicht umgestellt. Hoffentlich kriegen wir dann alle rechtzeitig mit, wenn sie jemand umstellt. ;-)

Ich staune immer wieder, wie viel so eine Stunde ausmacht. Ich habe soviel aufgeräumt, gebügelt und „vor“-gearbeitet und hatte trotzdem immer noch massig Zeit, dass mein Schaffensdrang kaum zu bremsen war. Das hat direkt Spaß gemacht, aber warum man sich von einer geschenkten oder im Frühjahr geklauten Stunde so beeinflussen lässt und sie so bewusst den ganzen Tag über zu spüren bekommt ist schon ein bisschen verrückt.

Ansonsten gehöre ich zu den Anhängern der Sommerzeit. Ich bin ohnehin eine Frühaufsteherin, das macht mir also nichts und ich mag es, wenn es abends möglichst lange hell ist. Umso schwerer fällt mir jetzt die Umstellung auf die Winterzeit und die nicht mehr zu verdrängende „dunkle Jahreszeit“, die ich am liebsten überspringen würde. Wenn man schon am Nachmittag mit Licht fahren muss, hält mich das mehr im Haus und ich suche bis Anfang des Jahres nach meiner Unternehmungslust… ich werde dagegen ankämpfen, aber ein erfreulicher Gedanke ist das nicht.

Ein Lichtblick ist da die nahende Adventszeit. In gut vier Wochen werden wieder überall Lichter die Dunkelheit erhellen und der Budenzauber der unzähligen Weihnachtsmärkte lockt dann doch aus dem Haus.
So ist dann nur noch der Januar und Februar zu überstehen, bis es langsam wieder bergauf geht.

Zunächst aber heißt es vier graue Novemberwochen zu überstehen, bevor Gerüche, Lichter und Augenschmaus uns die Dunkelheit versüßen.

Vorfreude ist ja auch was Schönes….

Als Nordlicht schließe ich nicht so schnell Freundschaften. Demzufolge ist die Zahl meiner Freunde begrenzt. Die meisten existieren seit meiner Jugend, weil Treue für mich ein Bestandteil von Freundschaft ist und so warte ich auch gern etwas länger, bis ich sicher bin, dass aus einem „Bekannten“ ein Freund wird. Dann jedoch hält das Band in der Regel und mir liegt sehr viel daran.
Obwohl es also einen festen Bund aus Menschen und eine Familie um mich herum gibt, ergeben sich aber auch heute noch Gelegenheiten neue Freundschaften zu gründen. Vorsichtig, langsam, aber möglich.

Das Internet spielt hier auch eine Rolle.
Zwar meide ich Chatforen und Communities, weil mir dort alles zu schnell geht, Umarmungen und Freundschaftsbekundungen viel zu schnell vergeben werden und oft auf Fundamente verzichtet wird, bevor man anderen sein Vertrauen schenkt.
Das mag altmodisch klingen, aber eine Freundschaft braucht ein Fundament auf dem man aufbauen kann. Ich kann nicht einem Dutzend Menschen gleichzeitig meine Aufmerksamkeit schenken und mich um sie kümmern und umgekehrt kann ich mich in der Not auch immer nur auf einige wenige verlassen,  die meine Not ernst nehmen und bereit sind, sich damit auseinander zu setzen. Freundschaft ist nicht immer leicht und unbekümmert, sie bedeutet, dass ich andere an meinem Leben teilhaben lasse und umgekehrt teilnehme.

Manchmal begegne ich dann aber doch Menschen, die mir zunächst sympathisch sind, auf die ich neugierig bin, mit denen mich vielleicht etwas verbindet und die ich gerne näher kennen lernen würde.
So ist in den letzten Monate der eine oder andere durchaus vielversprechende Mail-/Briefwechsel entstanden, der mich gefreut hat. In manchem Fall war ich zwar vorsichtig, aber doch gleichzeitig erstaunlich vertrauensvoll gemessen an der kurzen Zeit. Aber wie sonst soll man Menschen kennen lernen, im Internet, wo man weder Blickkontakte noch Gesten austauschen kann, sondern allein auf Worte beschränkt bleibt?

Einmal geweckte Sympathie hat mir den Mut verliehen mich zu öffnen und auf andere zuzugehen. Sicher immer noch mit einer gewissen Distanz und Vorsicht und auch manchen Fragezeichen, die sich ergeben, wenn man sein Gegenüber noch nicht wirklich gut kennt, aber doch mit der Bereitschaft den Menschen kennen zu lernen.
So haben sich manche sehr persönliche Zeilen zu mir und wieder zurück auf den Weg gemacht und mich mit Freude erfüllt.
Und dann ganz unvermittelt sind diese Kontakte wieder abgebrochen, einfach verschwunden aus meinem Leben, ohne Begründung, ohne ein Anzeichen für eine Unstimmigkeit oder Mißverständnis, ohne Erklärung wurde aus einem „ich freue mich riesig über Deinen Brief und einem …  viele liebe Grüße…“  ein Abbruch ins Nichts.

Kann man sich in Menschen so irren? Oder ist das ein Zeichen der Zeit, dass nichts mehr Bedeutung hat, bin ich nur auf die allgemein üblichen Internetfloskeln hereingefallen, die ohnehin nicht von Dauer sind?

In einem Fall habe ich mir ernsthaft Sorgen gemacht. Zunächst gewartet, mich gewundert, an mir gezweifelt,  noch ein- oder zweimal nachgefragt und dann ein ungutes Gefühl gehabt, ob etwas passiert ist, etwas Ernstes? Es hat mich beunruhigt…
Wir hatten eine Verbindung und ich hatte das Gefühl, dass wir uns wirklich etwas zu sagen haben, ich war neugierig und interessiert und hatte sogar ganz leise für mich gehofft, dass ich vielleicht einen Gang von mehreren, die ich in den nächsten Monaten vor mir habe, gemeinsam machen könnte.
Erstaunlich, dass einem ein Mensch, den man erst im Begriff ist kennen zu lernen, schon fehlen kann in bestimmten Situationen.

Nun muss ich aber wohl doch erkennen, dass es auch hier nur eine flüchtige Begegnung war, wie so oft ohne größere Bedeutung. Ich hätte es gerne verstanden!

Ich hoffe, ich finde trotzdem eines Tages die Gelegenheit und den Mut nur für mich alleine, eine Reise nach L zu machen, ohne mich dort zurecht zu finden, habe ich den Wunsch einer Spur zu folgen, auch wenn ich davon ausgehen muss, dass das nicht mit einem Besuch zu verbinden ist. Manche Dinge tut man für sich selbst.

Was neue mögliche Freundschaften angeht, werde ich mich künftig wieder mehr auf mein norddeutsches Temperament verlassen. Zurückhaltend und unverbindlich beobachten, bevor ich etwas von mir preis gebe. Flüchtige Begegnungen sind nichts für mich.

Seit 1. Oktober gastiert die prunkvolle Ausstellung in Hamburg und es war eine willkommene Abwechslung mich heute mal mit ganz anderen Bildern als in den letzten Tagen zu beschäftigen. tut4
Zunächst gab es eine Einführung über die Geschichte der Pharaonen insbesondere der 18. Dynastie sowie über den Entdecker der Grabstätte Tutanchamuns.

Mit dem AudioGuide kann anschl. jeder Besucher in seinem Tempo die Ausstellung durchlaufen und sich in Ruhe die Geschichte zu den einzelnen Schätzen und ihre Bedeutung erklären lassen.
Zu meinem Erstaunen durfte man sogar in allen Räumen fotografieren. Zwar sind es ja keine Originale, sondern Nachbildungen, dennoch war ich freudig überrascht und habe natürlich gerne die Gelegenheit genutzt. tut7tut6tut8

Beeindruckend war vor allem mit welcher Präzision die Menschen vor mehr als 3000 Jahren solche Schätze herstellen konnten. Für uns heute, die wir ohne Maschinen und modernste Technik nicht mehr zurecht kommen, kaum vorstellbar, wie exakt und aufwändig damals handwerkliche Wunderwerke geschaffen wurden.
Mir ging dazu durch den Kopf, dass den Menschen heute zuviel Theorie in den Kopf gestopft wird, während die Menschen früher mit den Händen lernten und mit allen Sinnen daran mitwirkten, sich weiter zu entwickeln.

Spannend auch die Geschichte zu verfolgen, woran sie glaubten, was sie sich vorstellten von dem, was man nicht sehen kann.
Der Totenkult scheint sehr befremdlich. Zu glauben, dass man nur in ein anderes Reich wechselt und dort auch „körperlich“ fast so weiterlebt wie auf Erden ist doch auch für Menschen die auch heute noch an ein Leben nach dem Tod glauben, wenig vorstellbar. tut1tut2tut9tut12tut13
So wurden die Toten mit allem ausgestattet, was man in der „anderen Welt“ brauchen würde. Vom Bett über den Thron bis hin zu Bediensteten, die sich um das Wohlergehen kümmern sollten.

Schön anzusehen und märchenhaft zu hören.  Zu bestaunen ist die Ausstellung noch bis 31.1.2010.

Dagegen sind unsere Gedanken heute an den Tod, Friedhöfe und die Hinterbliebenen doch sehr nüchtern.

Und doch ging mir durch den Kopf und war mir sehr bewusst, wie bedeutsam es doch ist, dass wir geliebte Menschen nicht einfach begraben, sondern sie im Herzen weiterleben lassen. Das weiß ich heute besser denn je.

Und ich habe im angrenzenden Shop wieder etwas gefunden, was für mich zum heutigen Tag passt und das ich für einen bestimmten Zweck verwenden werde.

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Und heute abend gibt es eine Flasche Merlot.

Nicht aufgeben

So schnell lasse ich mich nicht unterkriegen, zumal ich kein fahrlässiges Zuschuldenkommen feststellen kann. Das ist die Quintessenz des Wochenendes.

Ich habe Muckimamas Rat befolgt – vielen Dank – und mich im Forum bei netzwelt.de mal ein wenig mehr umgesehen. Informationen gesammelt, Hinweise bekommen und bin so zu einer Entscheidung gekommen.

Das letzte Wort ist also in dieser leidigen Angelegenheit noch nicht gesprochen.

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