So viele graue Tage, die wie an einem unsichtbaren Faden aneinander hängen und immer bei Tagesanbruch wieder in mein Gesichtsfeld rücken. An manchen Tagen schaue ich schon ganz erstaunt, wenn ich am Himmel einen kleinen blauen Fleck erspähe. Heute am frühen Nachmittag – das ist fast wie ein Aufatmen und es drängt mich gleich nach draußen, gleich ob ich etwas zu erledigen habe oder nicht.
Ich fühle mich müde. Zum grauen Himmel, hat mich die Arbeit der letzten Wochen ein wenig erschlagen, dazu die negativen Nachrichten, ich fühle, ich brauche Tapetenwechsel.
Die nächsten Wochen reiht sich ein Termin an den anderen, aber es sind nicht nur Arbeitstermine, sondern auch viele Konzerte, Weihnachtsessen, Treffen mit Freunden. Ich hoffe darauf, dass mich dass dann aus meiner inneren Hektik reißt, die mich manchmal sogar bremst und mir in den letzten Tagen jeden Antrieb nahm.
Sicher, ich funktioniere. Redaktionstermine konnte ich halten und bis Montag ist alles endgültig im Druck und verteilt – alle Abteilungen sind zufrieden und würden lachen, wenn sie hier von Antriebslosigkeit lesen würden.
Es ist nur so ein Gefühl in mir, dass ich denke, ich müsste doch darüber hinaus mehr schaffen, mehr Schwung haben. Das ist ein Knackpunkt in der Freiberuflichkeit. Man geht nicht morgens zu einer bestimmten Zeit aus dem Haus und kommt abends nach Feierabend wieder, sondern man hat immer alles zu Hause liegen und könnte praktisch ständig zwischendurch arbeiten. Was ich auch tue – allerdings nicht so strukturiert wie in einem geordneten Büro.
Und in den letzten Tagen blieb dann alles andere liegen, weil ich mich nicht mehr aufraffen konnte.
Heute wollte ich gedanklich mal raus aus diesem Grau und habe einen Kuchen gebacken und ihn in den Sender geschickt. Ich mache es, weil ich es möchte und denke doch gleichzeitig, dass es für die meisten wohl ein wenig merkwürdig ist, das würde kaum jemand machen. Aber warum nicht? Mal sehen, wie das ankommt.
Und dann fiel es mir eigentlich erst heute nachmittag ein, dass wir ja wieder einmal den 19. des Monats haben und ich dachte schon fast, dass mich das dieses Mal nicht berührt, dass es vielleicht langsam verschwimmt. Aber plötzlich waren alle Erinnerungen wieder so gegenwärtig.
Ich habe mir selbst ein Jahr Traurig sein und Verarbeiten eingeräumt, mit allen Stadien die dazu gehören.
Heute sind es genau sechs Monate, dass sich der Weltenbummler auf den Weg machte, der bemerkenswerteste Freund, den ich je hatte. Ich vermisse ihn. Mal mehr, mal weniger. Rückblickend verstehe ich manches aus den letzten Monaten besser und bin insgesamt auch ruhiger geworden, sicherer in meinen Gedanken und Gefühlen.
Wie immer in den letzten Monaten an einem 19.ten habe ich heute eine Flasche Merlot geöffnet und es ist für mich vollkommen in Ordnung, dass es so ist. Nun ja, ich hätte es gerne anders, aber da das nicht möglich war, ist es gut, dass ich diese Zeit bewusst in meinem Leben integrieren kann, solange ich nicht darin versinke und das geschieht nicht.
Aber ich merke, dass es gut ist nicht zu verdrängen, wie ich es bei ähnlichen Anlässen sonst öfter getan habe.
Um aus dem allgemeinen Novembergrau wieder herauszukommen, werde ich mir sobald die gröbste Arbeit erledigt ist wieder Freiräume schaffen, um den Blick wieder frei zu haben für die schönen Kleinigkeiten, die den November vergessen lassen.
Ich mag den November nicht. Noch nie.













