Feeds:
Beiträge
Kommentare

Muttertag

Ein Tag, der mit Pflichtgefühl, aber sicher auch mit Erwartungen behaftet ist, die für alle Beteiligten  mal mehr und mal weniger auch eine Belastung sein können.
Für junge Mütter gibt es sicher wenig rührenderes, als wenn ihr Kindergartenkind mit einer zerdrückten Blume oder gar einem selbst gemalten Bild vor ihnen steht. Es ist für beide ein großes Glück und dem Kleinkind leuchtet der Stolz und die Freude aus dem Gesicht – „ich habe ein Geschenk für Mama“. Das mag eine Weile so bleiben, bis die Pubertät beginnt und man sich gegen Traditionen und „von oben verordnete Muttertage“ auflehnt und auch die Mutter fühlt sich unwohl in ihrer Rolle und hält den Muttertag für künstlich und übertrieben. Das ändert sich erst wieder, wenn die Kinder erwachsen und aus dem Haus sind und die mütterliche Fürsorge sich ja eigentlich nur noch in gelegentlicher Hilfestellung ausdrückt. Dennoch bekommt der Muttertag dann wieder eine Bedeutung, man wünscht sich, dass die Kinder an einen denken… nicht vergessen.
Am heutigen strahlend sonnigen Muttertag verweilten Mann, Sohn und Schwiegersohn auf der Rennstrecke und ich habe kurzerhand einen Frauensonntag gemacht und meine Tochter, Enkelin, Schwiegertochter und Mutter in ein idyllisches Restaurant zum Essen eingeladen. Meine Schwiegertochter hatte die Nacht zuvor bei einer Freundin durchgemacht, schaffte es aber noch knapp, trotz Stau, zur verabredeten Zeit am Lokal zu sein. Meine 93- jährige schwerhörige Mutter war skeptisch, ob ihr nicht alles zuviel werden würde und meine knapp zweijährige Enkelin guckte sich mit großen Augen um und entdeckte jede Menge spannender Dinge und wurde von meiner Tochter aufmerksam betreut.
Bei der Bestellung bat meine Mutter die Bedienung um eine kleinere Portion Bratkartoffeln, worauf die ihr eine Seniorenportion anbot. Das überrumpelte diese, sie verstand es akustisch auch nicht gleich, was die jungen Frauen ihr dann aus der Hand nahmen und der Bedienung die kleinere Essensportion signalisierten. Die Seniorin fühlte sich von dieser Entscheidung bevormundet und war zunächst gar nicht einverstanden- mir der Tochter auf der einen und gleichzeitig Mutter gegenüber den anderen beiden, war das unangenehm. Es sind ja aber nur Momentaufnahmen, die schnell vergehen oder auch mal überspielt werden… satt wurden jedenfalls alle und der Nachmittag verlief harmonisch im Garten bei Erdbeeren, Eis und Sahne.
Am frühen Abend sitze ich allein unter dem schönen Fliederbaum und denke, dass es ein schöner Tag war, auch wenn jede der vier Generationen eine eigene Wahrnehmung darüber haben mag … Familie eben. 


Leben mit Corona

Nun hat also auch Hamburg die meisten Corona Regeln verabschiedet und sieht keine Veranlassung mehr für einen besonderen gesundheitlichen Schutz der Bevölkerung. Die Zahlen in den Kliniken sinken, die Impfquote ist hoch und die meisten Verläufe sind milde. Kein Grund mehr für Schutzmaßnahmen.

Ich habe mich in den letzten zwei Jahren weitgehend sicher gefühlt in Hamburg und fand die Maßnahmen unseres Senates verantwortungsvoll und angemessen. Ich habe immer noch ziemlichen Respekt vor diesem Virus. Vor zwei Tagen traf ich ein hoch betagtes Vereinsmitglied – er sah elend aus und berichtete von seiner gerade überstandenen Corona Erkrankung, wobei man ihm die Luftnot noch deutlich anmerkte. – Gestern sprach ich dann mit meinem Nachbarn, Anfang 50, der ebenfalls gerade die Quarantäne hinter sich hat, auch er deutlich nach Luft schnappend und atemlos.

Schön ist das alles nicht, aber sogenannte milde Verläufe, die allenfalls noch unter „persönliches Pech“ verbucht werden. Dabei kannte ich in den zwei Jahren nie so viele Betroffene wie gerade in den letzten vier Wochen. Für mich bedeutet das, dass nach wie vor Vorsicht geboten ist im Umgang mit dieser Krankheit, zumal ich sehr genau weiß, wie es ist keine Luft zu bekommen.

Dennoch haben wir in dieser Zeit gelernt, eigenverantwortlich mit dem Risiko zu leben. So waren wir vor vier Wochen auf einer Weinmesse, bei der es rappelvoll war – unsere Corona App leuchtete ein paar Tage später auch rot – da wir aber die FFP2 Maske trugen und nur kurz zum Probieren abnahmen, war das Risiko überschaubar. Letzte Woche waren wir auf dem Hamburger Dom. Auch sehr gut besucht. 90% trugen keine Maske, wir behielten sie auf und nahmen sie nur kurz zum Essen ab. Unsere App leuchtet wieder rot, aber bei uns ist alles im Grünen Bereich. Geimpft und geboostert sind wir natürlich. Wenn wir uns mit Freunden treffen, testen wir uns alle kurz vorher und Menschenmassen wie auf dem Dom suchen wir nicht regelmäßig auf. Beim Einkaufen wird uns die Maske weiter begleiten, zumindest da, wo es keine Abstände gibt. Ich fühle mich dabei von niemandem eingeschränkt. Sicher wäre es ohne all diese Maßnahmen einfacher, aber niemand hat sich diesen Virus ausgesucht und niemand scheint ihn vertreiben zu können. Also müssen wir uns an die Gegebenheiten anpassen. Und das Geschrei, dass alle Schutzmaßnahmen unsinnig sind, geht mir immer mehr auf die Nerven!

Außer Rand und Band

Während wir in Corona Zeiten noch einen Weg zurück in ein normales Leben suchen, bricht nun also ein egomanisch geführter Krieg in Europa aus, der die Welt fassungslos macht. Ein Krieg, der nur Verlierer hinterlassen wird und der aus selbst konstruierten und teils ziemlich verschwurbelten Gründen vom Zaun gebrochen wurde. Wer dabei alles mit in den Abgrund gerissen wird, ist noch gar nicht abzusehen, da die wirtschaftlichen Aspekte sich in der ganzen Welt bemerkbar machen werden. Hass und grenzenlose Selbstüberschätzung, die unserer Gesellschaft schon im Alltag immer mehr zu schaffen machen führen bei Autokraten zur Katastrophe. Ich bin entsetzt.

Sprachlose Jahre

Beinahe sechs Jahre sind seit meinem letzten Eintrag vergangen. Was ist geschehen, dass ich so völlig verstummt bin und warum jetzt doch ein Neustart? Ist es überhaupt ein Neustart? Das kann ich jetzt noch nicht abschätzen – der Versuch eines Anfangs – vielleicht. In letzter Zeit habe ich öfter mit Bedauern festgestellt, dass ich erstens zu wenig schreibe, zweitens meine Gedanken einfach im Nirgendwo versickern und ich mich dadurch drittens nicht mehr intensiv mit Themen auseinandersetze, auch weil mir die Diskussionspartner fehlen. Sicherlich habe ich mich auch vom Alltag auffressen lassen und bin in vielfältigen Pflichten untergegangen. Da ist es dann manchmal mühsam, sich in der Freizeit auch noch mit Texten zu befassen, über die man erstmal nachdenken muss. Auch dieses Mal hat mich wieder ein Knochenbruch für viele Wochen „stillgelegt“. Dieses Mal ein dreifacher Sprunggelenkbruch, der mich schon seit 2,5 Monaten lähmt und noch länger beschäftigen wird. Die Ruhe ist da, aber irgendwann kreisen die Gedanken, das mag vielleicht auch ein Auslöser gewesen sein.

Es waren ereignisreiche Jahre, sowohl gesellschaftlich als auch privat. Als Familie haben wir zwei rauschende Hochzeiten gefeiert, ein Enkelkind wurde geboren, das uns als Großeltern geradezu verzaubert hat und wir verfolgen jeden Schritt mit Begeisterung und lächelndem Herzen.
Gesamtgesellschaftlich hat es mich ziemlich durchgeschüttelt in den letzten Jahren. Meine Verstummung begann nicht zufällig in den Jahren 2015/2016, wie ich es in meinem vorletzten Post auch schon angemerkt habe. Es waren die Jahre der Flüchtlingskrise, die für mich geprägt sind von einer aufgeheizten Stimmungsmache bishin zum Hass. Wie eine Minderheit wild um sich schlägt, sich von der AFD einfangen lässt und mit verbaler und auch realer Gewalt die schweigende Mehrheit mundtot macht, das hat mich entsetzt und ja mir blieben die Worte im Halse stecken, weil jedes sachliche Argument abprallt und niedergeschriien wird in den sozialen Netzwerken vor allem; Aber auch im realen Leben – nur konnte ich mich da von entprechenden Kreisen fern halten.
Nun erleben wir es mit der Corona Pandemie erneut. Die große Mehrheit versteht den Sachverhalt, vertraut den Wissenschaftlern, hofft auf ein Ende dieses Dramas und trägt die Konsequenzen mit Fassung als ein notwendiges Übel, dem wir uns nicht entziehen können. Sicher nicht immer ohne Kritik, die angebracht ist und den Verantwortlichen in Politik und Wissenschaft auch Grenzen aufzeigt. Dennoch, die meisten wissen, dass eine Pandemie nicht kalkulierbar ist, dass sie nicht planbar ist, dass immer wieder neu justiert und angepasst werden muss. Angesichts der Ungewissheiten und Widerstände aus verschiedenen Richtungen, geschieht dies aber oft nicht konsequent genug. Eine Reihe von Landesvätern dreht sich zu sehr nach dem Wind und nimmt an sich verünftige Entscheidungen zu oft wieder zurück, wenn nur laut genug geschrieen wird. Ich möchte allerdings nicht tauschen mit Intensivmedizinern, Krankenpflegekräften, Virologen, Epidemiologen, Politikern.

Und zum Abschluss noch ein Wort zu dem Beruf des Politikers. Wer hat zukünftig eigentlich noch Lust auf den aufreibenden Beruf, ein Land zu führen, in dem jeder meint die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben und dabei oft genug nur wie ein Blinder von der Farbe redet? Bleiben am Ende vielleicht nur die Politiker nach, die selbst zu den Schreihälsen gehören?

Gestern ist das neue Album von Udo Lindenberg herausgekommen „Stärker als die Zeit“ und man kommt in diesen Tagen einfach nicht an ihm vorbei. Anläßlich seines anstehenden 70. Geburtstages stehen die Zeitungen voll über Udo-Geschichten. Morgen abend gibt es in der ARD sogar eine Doku, direkt nach dem Tatort.

Ich war niiie ein Udo Lindenberg Fan. Dafür fehlte mir vielleicht der Blick über den Tellerrand, die Neugier mich auf etwas einzulassen, was ich nicht auf Anhieb verstehe…  Aber man entwickelt sich und zwar von beiden Seiten. Zu Beginn seiner Karriere war Udo so weit weg von meiner Lebenswirklichkeit, dass seine Musik und mein Musikgefühl sich gar nicht begegnen konnten. Und auch jetzt muss ich mich immer noch an das coole Genuschel gewöhnen.
Aufmerksam geworden bin ich erstmals bei seinem MTV Unplugged Konzert, was auch schon wieder einige Jahre zurück liegt. Dieses Konzert mit vielen seiner Musikerkollegen war für mich voller Überraschungen. Es war im Prinzip meine erste Begegnung mit Udo Lindenbergs Musik. Klar kannte ich den Sonderzug – aber auch der fuhr damals ziemlich lässig an mir vorbei.
Über die Brücke, die die anderen Künstler mir bauten, ließ ich mich also auf das Unplugged Konzert ein und staunte über die schöne Musik, die teilweise richtig tollen Lieder. Das hatte ich nicht erwartet.

Seither nehme ich Neuigkeiten rund um Udo Lindenberg zur Kenntnis. Wir waren auch schon in Berlin und haben das Musical geschaut, ebenfalls berührend.
Und immer wieder gerne lese ich darüber, wie er sich in unserem schönen Hamburger Hotel häuslich eingerichtet hat. Ich würde es sehr vermissen, wenn er nicht mehr dort wohnen würde, auch wenn ich ihn dort sicher nie besuche. Aber er gehört so zu Hamburg und das fühlt sich gut an.

Nun also hört man auf allen Kanälen von seinem neuen Album und ich konnte nicht umhin gleich mal bei itunes Probe zu hören, mit dem Ergebnis, dass ich es gleich darauf gekauft habe, davon wollte ich in jedem Fall mehr hören.
Und was soll ich sagen? Ich bin geradezu geflasht!

Wieder die Überraschung beim Hören. So nachdenkliche und vielfache lebensnahe Texte, die sicher eng mit Udos Leben verknüpft sind und die Musik dazu und seine Art es zu singen, sind berührend und leicht zugleich. Man wippt mit dem Fuß, man summt mit und  ist gleichzeitig ergriffen von der Wahrheit der Texte. Zauberhaft.

Ich könnte es rauf und runter hören und bin immer noch ganz ungläubig, dass das wirklich Udo Lindenberg ist. Entweder hatte ich die Jahrzehnte davor Scheuklappen auf Augen und Ohren oder es hat sich etwas entwickelt….
Udo ist vielleicht reifer geworden  – mit 70 nun doch kein Teenager mehr und ich – bin vielleicht mit dem Alter offener geworden, toleranter, bereit mich auf Dinge einzulassen und dann entdeckt man eben auch solche Perlen.

Ich wünsche ihm jedenfalls, dass er seinen Erfolg jetzt eine Weile genießen kann und noch Kraft für viele Jahre hat, um uns weiter so galaktisch zu überraschen. 🙂

Da bin ich im letzten Jahr so schwungvoll gestartet mit dem festen Vorsatz diesen Blog wieder zum Leben zu erwecken und dann … bin ich schnell wieder verstummt.
Zum Teil lag es an den Ereignissen die uns alle berührt haben. Die Weltlage, die vielen schrecklichen Nachrichten. Ich hatte so viel in mir …. vor allem Verwirrung und Bestürzung über die Stimmungslage in unserem Land. Es hat mich sprachlos gemacht.
Ich konnte nicht darüber schreiben, weil ich mir kein Urteil anmaßen wollte, es schien mir alles so komplex, dass ich bald selbst nicht mehr wusste, was richtig ist. Das viele, viele tausend Menschen in Not sind, das schien mir das Wichtigste und dahinter müssten doch alle anderen Bedürfnisse zurück stehen, die ja meist doch nur egoistischer Natur sind.

Bisher ist keine menschliche Lösung gefunden für das Drama, dass sich in weiten Teilen der Welt abspielt. Menschen ertrinken weiter im Meer oder werden in Lagern gestapelt, hin- und hergeschoben, aufbewahrt. Unwürdig finde ich das und bin immer wieder erschrocken, wie viel Hassparolen man in unserem Land darüber hört.
Auch bei uns im Stadtteil gibt es mehrere Flüchtlingslager und Initiativen dafür und – dagegen. Mir persönlich hat kein Flüchtling bisher irgendetwas weggenommen oder mich gestört oder belästigt. Und ich frage mich manchmal, was wir tun würden in einer ähnlichen Lage. Wenn wir aus unserem Wohlstandsgefüge herausfallen würden und bei Wind und Wetter durch die Welt laufen müssten ohne Hab und Gut, ohne Sicherheit und Wärme. Würden wir das überhaupt schaffen? – Da habe ich meine Zweifel.

Diese Gedanken haben mich gelähmt und tun es zum Teil noch jetzt.
Drei Tage vor Weihnachten bin ich dann unglücklich gestürzt und habe mir den rechten Oberarm gebrochen – ganz üble Geschichte und schmerzhaft und nervtötend langwierig. Ganz ausgeheilt ist es immer noch nicht, aber ich kann doch inzwischen das meiste wieder machen.
Und da kommt so langsam die Lust zum Schreiben wieder, für die ich mir aber auch Zeit nehmen muss. Dies wird also ein neuer Anlauf – ich hoffe, es klappt. 🙂

 

 

Optimisten-Meister

Das Wetter lud heute zu einem letzten Bummel über den Sommerdom ein, der morgen zuende geht.
Andere verbrachten den Abend dagegen lieber im Fußballstadion. Kurz vor 22 Uhr trafen sich beide Welten. Die Fußballfans strömten auf den Dom – nüchtern waren sie nicht mehr (höflich ausgedrückt).In U- und S-Bahn begegneten wir ihnen in Rudeln und sie machten einen ganz friedlich-fröhlichen Eindruck.

„Wollen wir fragen oder lieber googeln?“ fragte meine Freundin. Ich entschied mich für die Webseite des Vereins, nicht das man noch jemanden auf dem falschen Fuß erwischt, auch wenn die Gesichter eine andere Sprache hatten.

Und dann das unglaubliche 3.2 für den HSV – kann es denn möglich sein? Die haben tatsächlich gewonnen.

Sekunden später hätten wir die Suchmaschine nicht mehr gebraucht. Die Menge in der Bahn fing an zu hüpfen „Hamburger Jungs, Hamburger Jung…“ eine von Lotto´s Hymnen. „….Eins kann mir keiner nehmen…. und das ist die pure Lust am Leben“. In diesem Moment grinsten alle Fahrgäste still vor sich hin und waren mit den Fußballfans vereint – Hamburger.

Der Zug rollte in den Hauptbahnhof ein, die Türen öffneten sich ….. „Ole, ole, ole, ole….“ tönte es vom Bahnsteig.

Nun steht es fest: Wir sind Meister. Hamburger Meister, Deutscher Meister, Weltmeister…..????

Auf jeden Fall Optimisten-Meister!!!

Es liegt nun schon gut 10 Jahre zurück, seit ich mir eingestehen musste, dass die Buchstaben in der Zeitung einfach zu klein für meine Augen wurden und die Arme zu kurz.
Ich begleitete meinen Sohn zum Optiker, der einen Sehtest für den Führerschein machen musste und bestellte mir dann ganz nebenbei meine erste Lesebrille. Unauffällig mit ganz dünnem Rand.

Ein erhebendes Gefühl, wieder alles lesen zu können, aber wohin mit dem guten Stück für den Rest des Tages, wenn ich nicht mit Lesen beschäftigt war? Sie lag mehr oder weniger überall…. und nirgends.
Verkrümmelte sich in der Handtasche oder noch besser in Jackentaschen, die sie dann mit in die Waschmaschine nahmen…., ich setzte mich drauf, verlor sie im Auto, unter dem Sitz…., das ging nicht lange gut. Nach ungefähr einem Jahr war sie komplett verbogen und irgendwann ganz weg…
Dann kaufte ich mir die erste Lesebrille im Supermarkt und gleich noch eine zweite als Ersatz. Und ich gewöhnte mir an, die Brille nach Gebrauch hoch zu schieben, wo sie dann ihren Stammplatz bekam, auf dem Kopf gleichzeitig als Haarband. Das war/ist äußerst praktisch, sie ist immer zur Hand, wenn man sie braucht und eben so schnell wieder aus dem Weg.
Nach etwa 3 Monaten machte es das erste Mal „Knack“ auf meinem Kopf. Der Rahmen war gesprungen und das Glas saß nur noch locker in der Fassung. Der Ingenieur klebte den Rahmen. Dann verlor ich die Schrauben an den Bügeln, auch das konnte anfangs repariert werden. Länger als ein Jahr hielten die Brillen nie.

Mit der Zeit wurden die Augen auch schlechter, die Stärke musste erhöht werden. Im letzten Jahr plagte mich das Gewissen, dass diese ewigen Lupenbrillen aus dem Discounter der Gesundheit nicht unbedingt zuträglich sind und ich beschloss mir wieder mal eine Brille beim Optiker zu kaufen.
Der Sehtest ergab einen erheblichen Unterschied zwischen dem linken und dem rechten Auge, die Lesebrille wurde entsprechend angepasst und man empfahl mir das auf jeden Fall auch noch mal beim Augenarzt abzuklären.

Stolz trug ich die neue Brille in ihrem Etui nach Hause und ging sehr sorgfältig mit ihr um – das bedeutete auch, sie nicht mehr ständig auf den Kopf zu schieben, um den Rahmen nicht zu beschädigen. Sicherheitshalber hatte ich mich für ein Metallgestell entschieden, dass robuster ist, als andere Fassungen. Nun tauchte wieder das Problem des Aufenthaltsortes der Brille auf.

Eine schweißtreibende Angelegenheit, aber ich ließ mich nicht entmutigen.

Die Brille befand sich gut vier Monate in meinem Besitz. Es war an einem regnerischen Sonntagmorgen und ich fuhr mit dem Rad zum Brötchen holen. Die Brille schob ich in die Jackentasche, um sie vor dem Regen zu schonen – ohne Brille fühle ich mich inzwischen unsicher, das Kleingeld im Portemonnaie lässt sich nicht mehr so gut auseinander halten…
Beim Bäcker kam ich aber dieses Mal ohne Lesehilfe aus. Wieder zu Hause, leerte ich gleich meine Jackentasche und stellte mit Schrecken fest….. keine Brille. Sofort bin ich den ganzen Weg zu Fuß abgelaufen, es war menschenleer auf der Straße und ungemütlich…, die Brille war unauffindbar auch eine Nachfrage beim Bäcker blieb erfolglos.

Seither habe ich wieder nur die Billigbrillen.

Auch ein Besuch beim Augenarzt ist bisher ausgeblieben. Die Ärzte in unserem Stadtteil haben alle einen schlechten Ruf und wenn man wirklich mal eine Empfehlung hat, bekommt man gleich am Empfang zu hören, dass leider keine neuen Patienten mehr aufgenommen werden können.
Gute Vorsätze allein reichen also nicht. Die Lesebrille ist und bleibt problematisch.

Man kennt das ja. Eine Geburtstagseinladung bei guten Freunden. Im allgemeinen Terminkalenderstress eine willkommene Gelegenheit alle mal wieder zu sehen und gemeinsam einen netten Abend zu verbringen. Da möchte man dem Geburtstagskind natürlich auch eine Freude machen. Nur was?

Es soll ja etwas Schönes sein. Bestenfalls ausgefallen. Geschmackvoll. Kreativ vielleicht oder neuartig. Bücher, Musik oder BlueRays? Alles schon da gewesen und wie trifft man da genau den Geschmack der Gastgeber? – doppelt soll es ja auch nicht sein. Deko gibt es viele schöne Dinge…. noch mehr davon haben alle bereits zu Hause rumstehen.
Also fragt man das Geburtstagskind lieber rechtzeitig nach einem Wunsch und erntet …. Ratlosigkeit.
7 Paare einladen ist nicht schwer. Aber 7 Wünsche … die nicht zu klein und nicht zu groß ausfallen sollen?

Alternativ könnte man sich im Freundeskreis absprechen künftig ganz auf Geschenke zu verzichten.

Wir hatten da eine andere Idee – besser gesagt unser Jugendfreund machte den Anfang.

Seit drei Jahren schenken wir uns gegenseitig gemeinsame Ausflüge. Das Geburtstagskind muss sich um nichts kümmern. Wird abgeholt und nach Hause gebracht, alles ist organisiert und die besten Freunde sind mit von der Partie.
So waren wir schon Brunchen, Bowlen, im Planetarium, zur Slot-Car Bahn, Sandmalereishow, auf Hafenrundfahrt und in Cocktailbars oder im Portugiesenviertel schlemmen.
Vielfach Örtlichkeiten die wir zuvor noch gar nicht kannten. Und es waren jedesmal wundervolle Abende.

Im Vorfeld hat man natürlich einige Mühe. Man muss sich kreativ auf Ideensuche machen, dabei über die zu beschenkende Person nachdenken – was passt zu ihr, was würde ihr gefallen, ist es bezahlbar. So wie man es eigentlich immer machen sollte, wenn man etwas verschenkt.
Und gleichzeitig haben wir nun immer Termine in unseren Kalender stehen, zusammen mit unseren Freunden, denn irgendeiner hat ja immer Geburtstag :-).

Und der Kreis derer die mitgenommen werden, wird immer größer. Nächsten Samstag ist es mal wieder soweit. Dann starten wir schon als richtige Gruppe. Zuerst zum Schlagermove – ergänzte sich spontan zum eigentlichen Geschenk und wenn es terminlich so passt, kann man das ja mitnehmen. Anschließend geht es zum Stuttgarter Weinfest. Tisch ist bestellt.

Und alle freuen sich! Das ist das tollste daran.

Und ich bin sehr, sehr glücklich und dankbar für diese wundervollen Freunde, die uns zum Teil schon seit unserer Kindheit begleiten.

Alles im Fluss

Nun habe ich schon drei Jahre nichts mehr in diesen Blog geschrieben und es ist gar nicht so einfach wieder anzuknüpfen. Macht es überhaupt Sinn?
Früher habe ich so gerne geschrieben, über alles was so im Leben geschieht, was mir begegnet, auffällt, mich freut, belustigt oder aufregt. Im allgemeinen Alltagsstrudel ist das mittlerweile ganz untergegangen. Ich schreibe immer noch viel, aber meist Auftragsarbeiten, kleine und größere Artikel für den Stadtteil.

Vielleicht liegt es auch daran, dass die letzten Jahre so glücklich verlaufen sind. Alles ist im Fluss. Die Kinder sind aus dem Haus und haben sich ihr Leben ganz gut eingerichtet.
Und wir genießen die Zeit, die wir zumindest am Wochenende haben. Es geht uns gut und wir können uns viele Unternehmungen leisten. Zusammen mit unseren Freunden haben wir viel Spaß und alles in allem ist es ein zufriedenes Leben.

Und doch gibt es immer wieder Erlebnisse oder Themen über die ich gern so ganz frei und ungezwungen schreiben möchte. Vielleicht ist dies heute ein neuer Anfang und demnächst kommt wieder mehr dazu.