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Archive for Mai 2009

Du hast uns immer herausgefordert Dinge zu tun, auf die wir alleine vielleicht nicht gekommen wären oder Ergebnisse, die wir präsentierten noch zu verbessern, Meinungen zu überdenken, Schritte zu wagen, die ungewohnt sind.
Du konntest uns motivieren, die in uns liegenden Begabungen zu nutzen, den Mut aufzubringen, ihnen zu folgen, auch wenn wir dafür Hürden überspringen mussten. Uns selbst besiegen.

Auch an Deinem letzten Tag ging mir das noch so. Der Abschied.
Als ich um 5 Uhr morgens im Zug saß, wusste ich noch nicht, was der Tag bringen würde, ich habe es auf mich zukommen lassen, war vorbereitet und weitgehend gefasst.
Bis um ca. 7 Uhr die Durchsage im Zug kam, dass wir aufgrund eines Personenschadens zwischen Osnabrück und Münster umgeleitet werden müssten und somit eine Verspätung von 45 -60 Minuten kalkulieren müssen.

Da stieg mein Adrenalinspiegel und ich fing an zu rechnen, hatte aber eigentlich einen ausreichenden Zeitpuffer eingeplant, um es trotzdem zu schaffen.
Das Warten auf freier Strecke ließ meine Gedanken kreisen, die natürlich bei Dir hängen blieben. All die Jahre waren wir zwei, was Abgabetermine und Verabredungszeiten anging wie Feuer und Wasser. Ich war immer viel zu früh da und Du – so wie es gerade kam. Sollte das jetzt an diesem letzten Tag etwa anders sein? Würde ich es vielleicht nicht mehr rechtzeitig schaffen, Dich zu verabschieden?
Mein Blut kochte, mein Herz klopfte, die dahin ziehenden Minuten verstärkten mein Druckgefühl im Bauch.

Zum Glück gab es Deinen Neffen, der mich per Handy beruhigte und mir immer wieder neue Anschlussverbindungen heraussuchte. Als sich abzeichnete, dass die Verzögerung auf 90 Minuten anwuchs, lotste er mich schon in Münster statt in Duisburg aus dem Zug und ich wechselte in einen Regionalzug, der mich direkt und am Ende doch gerade noch rechtzeitig nach Krefeld brachte.

Die Abschiedsfeier sollte weder theatralisch, noch tieftraurig – vor allem aber von den Anwesenden selbst gestaltet sein. Das wusste ich und hatte mir ein paar Gedanken zurecht gelegt, in der Annahme, dass vielleicht jeder einen Satz sagen würde. Ich war mir bis dahin noch nicht sicher, ob ich mich wirklich zu Wort melden würde.

Dann jedoch merkte ich, es ist wichtig etwas über Dich zu sagen, so wie wir Dich kennen, auch mit den schwachen und kritischen Punkten in Deinem Leben. Der Lebensweg war nie glatt und schnulzig und der Abschied sollte ehrlich sein.   Im Nachhinein fielen mir noch viel mehr Dinge ein, die wichtig gewesen wären. Es gab noch so viel zu sagen – aber vielleicht gehört auch das zu einem Abschied, das Gefühl der Unvollständigkeit.

Nach dem Ende der Feier fuhr ich am Nachmittag noch mit zu Freunden von Dir und Deiner Schwester und stand plötzlich vier – für mich recht großen – Hunden gegenüber.
Ich, die für jeden Hund die Straßenseite wechselt, das Grundstück von Freunden nicht betritt, wenn dort der Nachbarshund herum tollt, ich betrat ein Zimmer mir vier Hunden. Es ging ja nicht anders.
Wieder einmal musste ich Grenzen überschreiten, an einem Tag, der ohnehin einiges an Herausforderung in sich hatte.

Auch das passt in diesen Lebensabschnitt, der mich mit Dir verbunden hat. Herausfordernd lebendig, das mag ein Widerspruch zum eigentlichen Anlass sein, – ist es aber nicht. Nichts hätte mich mehr an Dich erinnert und mich Dich spüren lassen, als diese Herausforderungen, die es immer wieder gab.

Ich hatte in diesem letzten Jahr viele Erkenntnisse und auch gestern wieder einige Wahrheiten, denen ich mich bisher nicht gestellt habe.
Bleibt die Frage – würde ich alles wieder so machen?

Ich glaube ja. Ich stehe dazu. Diese Jahre unserer Freundschaft haben mich verändert, voran gebracht,  mir Gefühlswelten geöffnet, mich geöffnet, befreit, gefordert, provoziert. Sie waren intensiver als alles, was ich bis dahin kannte. Ich möchte sie nicht missen. Dich nicht missen. Du bleibst –  in all dem.

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Nachdem die erste große OP Anfang Mai überstanden war, zerschlug sich heute vor einem Jahr die Hoffnung, damit könnte alles gut werden.
Am Nachmittag erreichte mich der Anruf mit Deinen Untersuchungsergebnissen.  Der Tag, der alles veränderte.

Es folgte ein Jahr, in dem man nur von Woche zu Woche oder von Tag zu Tag dachte, plante, hoffte.
Ein Jahr voll von Aufruhr, Angst, Gefühlsschwankungen in jede nur denkbare Richtung, Sorge, Unsicherheit und doch auch immer wieder Hoffnung – wider besseres Wissen.

Ich werde das Tagebuch, das ich in dieser Zeit schrieb,  in den nächsten Tagen schließen und ein neues beginnen.

Ich hätte es gerne weiter geschrieben, aber ich weiß auch, dass kommen musste was kam und das es für Dich anders nur immer schlimmer geworden wäre.

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Gefühlt

Neulich zu nächtlicher Morgenstunde, es muss so kurz nach 4.oo Uhr morgens gewesen sein, da gab es nur noch diese typischen „Restgäste“, die weder gehen noch mit aufräumen wollen. Da schnappte mich mein Schwager, der nachgewiesener Psychologe ist und verpasste mir eine kostenlose „Sitzung“. Beim Ingenieur und einem guten Freund hatte er sich schon die Nase gestoßen, aber ich bin ja immer gern williges Opfer.

Zumal die Zeit wie geschaffen für tiefschürfende Gespräche war.
Er wunderte sich, warum ich manchmal in Gegenwart anderer Menschen, die – so seine Aussage – mir nicht das Wasser reichen können, trotzdem nichts sagen kann, wie zugeschnürt bin und mich einschüchtern lasse.
Diesen Punkt konnten wir nicht klären, obwohl er mir „die goldene Arschkarte“ in die Hand drückte und mir Mut machte, sie bei nächster Gelegenheit zum Einsatz zu bringen, um mich gegen genau die zu Wort zu melden, die mich stumm machen.
Ich glaube nicht, dass sie zum Einsatz kommen wird. Ich weiß auch gar nicht, ob mir das so wichtig ist, ob ich diesen Kraftaufwand überhaupt aufbringen will.

Er sagte mir außerdem, ich hätte die Fähigkeit „Betriebsblindheit“ zu erkennen, und eine besondere Gabe, Stimmungen und Gefühle nicht nur wahr zu nehmen, sondern sie auch kommunizieren zu können.
Fühlen können viele, aber das dann umzusetzen und in Worte zu kleiden, für jeden verständlich, das wäre selten.

Interessant aus dem Munde eines Fachmanns – wobei ich die Biere und Wodkas nicht gezählt habe, die er sich schon genehmigt hatte. War das also eine „ehrliche“ Stunde oder eher Fantasterei?

Jedenfalls würde es mir erklären, warum die Radioredaktion so viel Wert auf mein Hörgefühl legt und mir dafür immer einen Tagesordnungspunkt in ihrer monatlichen Konferenz einräumt.
Nichtsdestotrotz habe ich den Radiotermin für die nächste Woche abgesagt, bzw. lasse ihn verschieben. Ich musste die letzten Tage feststellen, dass sich mein „Hörgefühl“ zur Zeit nicht analysieren lässt, so wie man Schreibtischarbeit erledigt.
Ich habe für dieses Gefühl gerade keine Kapazitäten frei und das lässt sich weder erzwingen noch durch Disziplin herstellen. Auch Konzentration hilft mir da nicht weiter.

Ich muss also warten, bis es zurückkommt, bis mich andere Gefühle nicht mehr so ausfüllen und in Anspruch nehmen, wie es jetzt der Fall ist.
Ich nehme mir die Zeit. Gefühle gehen nicht verloren, sie verändern nur ihre Prioritäten, je nach Lebensfluss kommen und gehen sie, schlagen hohe Wellen oder wogen leise vor sich hin.

Dem eigenen Gefühl nachzugeben, gibt mir mehr Freiheit, als es zu unterdrücken. Was jetzt verschüttet ist, wird zurück kommen, vielleicht um eine gefühlte Erfahrung reicher.
Das ist mir im Moment kein Trost, aber eine Hoffnung.

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So ungefähr sollte es aussehen, wenn Du heute Dein Geburtstagspaket aufmachst.

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Ich habe fest daran geglaubt, dass Du diesen Tag noch erleben wirst und ganz egal, wie oft oder wie lange Du all die Dinge noch hättest nutzen können und wenn es Dir nur eine Stunde oder einen Tag Freude bereitet hätte, hätte es einen Sinn gehabt.

Nun ist es anders gekommen, Du hast uns vor wenigen Tagen verlassen und bist trotzdem nicht vergessen. Wir alle denken heute an Dich, werden einen auf Dich trinken, vermissen Dich, hätten Dich gerne in unserem Kreis.

Vielleicht ist es für Dich besser so, nicht einen Geburtstag zu feiern, in der Gewißheit, es ist der Letzte, wieder einmal Abschied zu nehmen, von Ritualen, von Menschen, vielleicht hätte Dich das mehr innere Kraft gekostet, als wir ahnen.

Du bist in unserer Mitte, Alf, und ich würde Dich jetzt gerne in den Arm nehmen. Wo auch immer Du bist, ich hoffe es ist gut da und ich wünsche Dir sehr, dass Du nun  “angekommen” bist, wo auch immer das sein mag.
Mit lieben Gedanken an Dich – Anke.

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Den Tod eines Menschen in seiner Endgültigkeit zu begreifen und ihn auch zu akzeptieren, braucht seine Zeit. Man denkt so oft, – gestern oder vorgestern oder vor einer Woche war er doch noch da, ich habe mit ihm gesprochen, geschrieben oder ihn gesehen, er kann doch nicht einfach fort sein. Für immer.

Und doch ist es so und das muss jeder für sich selbst akzeptieren lernen. Trauern, traurig sein, gehört dazu, es wäre ja schlimm, wenn wir einfach zur Tagesordnung übergehen würden und im Trott weitermachen, obwohl einer unter uns fehlt.
Um eine neue Einstellung zu dieser Veränderung in unserem Leben zu bekommen, brauchen wir Zeit. Zeit auch, um dem von uns gegangenen einen anderen, neuen Platz zu schaffen, in uns, um uns – einen Ort zu schaffen, wo wir ihm auch in Zukunft mit guten Gedanken und Gefühlen begegnen können.

Ich weiß, dass es ihm da, wo er jetzt ist, besser geht, auch wenn er soooo gerne noch leben wollte und all die Monate eine bewundernswerte Willenskraft hatte, um das allen zu beweisen, – ich will leben – , aber so wie er leben wollte, konnte er nicht mehr leben und das wäre für ihn immer belastender und schmerzhafter gewesen.
Darum ist es so wie es ist.
Mit Friedhöfen kann ich gar nichts anfangen. Mein Vater ist überhaupt der erste, der ein Grab hat in der Familie, halbanonym, aber immerhin, auf Wunsch meiner Mutter, kann man dorthin gehen. Ich tue das höchstens einmal im Jahr für zwei Minuten und fühle dort absolut nichts. Er ist doch hier und an jedem anderen Ort, an dem ich ihm begegnen möchte und das funktioniert.
Gerade vor ein paar Tagen haben wir herzlich über meine Oma lachen müssen, die seit 30 Jahren tot ist.

Trotzdem, die Zeit der Trauer muss man überstehen und ich glaube, es ist wichtig, ihr Raum zu geben. Das braucht unterschiedlich viel Zeit.

Ich bin traurig, weil ich einen für mich sehr lieben und wichtigen Freund verloren habe. Dass das erst zwei Tage her ist, kann ich kaum fassen, es kommt mir viel länger vor.
Vor allem morgens und vormittags finde ich schwer in meinen Rhythmus und kann mich nur schwer von dem Tränenkreis in mir lösen.
Ich muss das Leben zwingen, sich einen Weg zu mir zu bahnen und dann plötzlich bricht der Schleier vor mir auf, ich kann wieder klar und ruhig sehen, Dinge tun, die ich immer tue – wissend, dass es jetzt anders ist und doch tue ich sie mit Freude und bewusst.

Heute morgen sind wir 2 1/2 Stunden mit dem Rad gefahren – ca. 25-30 Kilometer, ich hab mir nicht vorstellen können, dass ich das schaffe.
Im Anfang brauchte ich noch die Sonnenbrille, weil sich immer wieder die Traurigkeit ihren Weg bahnen wollte. Aber je beständiger und kräftiger ich in die Pedale getreten bin, desto ruhiger wurden meine Gedanken und füllten mich schließlich ganz aus.
Mal habe ich an Kleinigkeiten gedacht, die uns verbunden haben, dann habe ich mich an der Landschaft gefreut und erneut daran gedacht, wie gerne ich Dir das alles mal gezeigt hätte – meine Heimat im Norden. Es kam nie soweit, irgendwas kam immer dazwischen.

Wir sind nach Finkenwerder gefahren, mit Blick auf die Elbe, mal auf dem Deich, mal auf der Straße, an einem großen Yachthafen vorbei mit vielen Schiffen, anschließend ging es weiter auf dem Deich an den Obstplantagen des alten Landes entlang und ich war überrascht und begeistert wie schön es da war. Vom Auto aus nimmt man das so nicht wahr.
Und ich habe gespürt, dass die Traurigkeit noch in mir war, aber gleichzeitig auch ein Gefühl der Freude und Lust auf all das, was ich spüren, sehen und leben kann. Wenngleich da auch ein Bedauern ist, dass Dir das nicht vergönnt ist.

Und als wäre es Absicht, bin ich ja gerade in diesen Tagen abgelenkt, weil eine größere Feier ins Haus steht, die vorbereitet werden will.
Es soll eine schöne Party werden, für den Ingenieur, der am 24.5.59 geboren wurde, Zufälle gibt es im Leben, die fasst man manchmal gar nicht.

Natürlich soll es auch ein paar Überraschungen geben und da wir alle überzeugte Nordlichter sind und ein besonderes Faible für unsere schöne Stadt haben, habe ich heute eine Reihe von Hamburgliedern und Shanties ausgewählt, um die Gesellschaft in Schwung zu bringen, bevor wir dann zu den Rockklassikern kommen, die natürlich auch nicht fehlen dürfen.
Die Auswahl der Musik hat mich so fröhlich gemacht und mir das schwere Gefühl etwas genommen, dass mich in diesen Tagen noch begleitet.

So gehört beides zusammen, Freude und Leid, manchmal zur gleichen Zeit. Das zu akzeptieren, bedeutet das nicht auch – Leben?

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Als Alf sich gestern auf seine letzte Reise begeben hat, bin ich in den Garten gegangen und habe zum Himmel geschaut. Und dieser Himmel passte so perfekt zu ihm, dass es nicht besser hätte sein können.

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Er war nicht himmelblau und auch nicht eintönig grau, er zog alle Register für die Durchreise des Weltenbummlers.

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Sonnen-Licht, kleine Ecken blauen Himmels, dunkle bauschige und kleine weiße Wolken trafen sich zu einem Tanz und bewegten sich um und mit dem Reisenden, so stelle ich es mir vor.

In mir sieht es auch so aus wie an diesem Himmel, es geht hoch und runter.

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Im Verstand ist alles angekommen, das Herz muss noch begreifen.

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Mir fehlen gerade die Worte.

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