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Archive for August 2009

Vier Wochen vor der Bundestagswahl bescheren uns die Landtagswahlen im Saarland, in Thüringen und in Sachsen ein erstes Stimmungsbarometer und die Ergebnisse überraschen mich nicht wirklich.

Als die LINKE seinerzeit gegründet wurde fand ich das in gewisser Weise notwendig, auch wenn ich in vielem nicht hinter den Inhalten stehe, weil sie mir unrealistisch erscheinen.
Das längere gemeinsame Lernen, 10 Jahre Gemeinschaftsschule mit entsprechenden pädagogischen Konzepten,  unterstütze ich dagegen voll und ganz, halte es für notwendig und an der Zeit, diesen Bildungsweg voran zu bringen.

Notwendig erschien mir die Linke, um die SPD wach zu rütteln, ihr einen „Schuß vor den Bug“ zu geben, damit sie mal aus dem Knick kommt und sich wieder auf sozialdemokratische Ziele und mehr Gerechtigkeit besinnt.
Leider geschah das Gegenteil, sie koaliert nicht nur mit der CDU, sondern rückt ihr auch gesinnungsmäßig immer näher.
Es gibt allenfalls noch soziale Lippenbekenntnisse, aber die Wirklichkeit sieht anders aus.

Das spüren die Menschen und laufen scharenweise zu den LINKEN.

Ich kann mir gut vorstellen, dass sich dieser Trend bei den Bundestagswahlen fortsetzt, vor allem wenn die Wahlbeteiligung niedrig ist.
Die LINKE ist gut in der Opposition, weil die SPD es leider seit langem nicht mehr gebacken bekommt, Politik an die Menschen zu bringen und für die Menschen zu machen.

Trotzdem würde ich mir wünschen, dass es andere Alternativen gibt. Sorgen mache ich mir langsam auch um die Grünen, die mir bei den ganzen Verschiebungen ein bißchen unterzugehen scheinen, auch wenn sie jetzt drin sind in den Landtagen, so würde ich ihnen eher die Ergebnisse der Grünen wünschen.

Ob sich in den nächsten Wochen noch was tut? Die Chancen sind wohl eher gering und die Koalitionsverhandlungen in den Landtagen werden sicherlich bühnenreif zelebriert werden, jeder will noch schnell ein taktisches Pfund in die Waage werfen. Wie weit wird sich der Wähler an der Nase herum führen lassen? Und ist die Dienstwagenaffäre der Ulla Schmidt wirklich ausschlaggebender für eine Entscheidung als schwerwiegende Inhalte wie Bildung, soziale Gerechtigkeit und Wirtschaft?

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Das Heimkino ist doch manchmal am schönsten. Nach einem arbeitsreichen Tag konnten wir uns heute abend nicht mehr aufraffen noch ins Kino oder anderswo hin zu fahren. Da kramte der Ingenieur dann einen alten DVD Film aus, den wir schon kannten.

Wie im Himmel.

Hat mir schon beim ersten Mal sehr gefallen. Schwer zu beschreiben. Der Film dreht sich um das Leben, in jeder einzelnen Nuance. Mal traurig, mal ernst, mal lebensfroh und weckt jeden, der daran teilnimmt ZUM Leben.
Er ist so menschlich und die Musik umhüllt alles was wir fühlen.

Und er zeigt genau das, woran ich glaube. An eine Gemeinde aus Menschen. Die Kirche hat damit nur wenig zu tun, weil sie Grenzen setzt und Menschlichkeit kennt keine Grenzen.

Der Song dazu öffnet Herzen und sagt so viel.  Was ich damit sagen will: Ein echter Filmtipp!!

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Adrenalinschub

Dass der Schuljahresbeginn für mich so aufregend wird, hatte ich nicht erwartet.

Gestern morgen, bei einem ersten Gespräch mit der Schulleitung, erfuhr ich quasi in einem Nebensatz, dass im Schulbüro eine  Stelle zur Aushilfe frei ist und die Bewerbungen bereits in vollem Gange.
Ich hege schon seit Jahren den Wunsch, wenn ich noch einmal in den Beruf zurückkehren sollte, es dann im Schulbüro zu versuchen.

Nach meinen Erfahrungen und meinen Neigungen ist das einfach naheliegend.

Nun blieb mir jedoch kaum Zeit zum Nachdenken. So überstürzt war ich nicht darauf eingestellt, aber Chancen muss man ergreifen, wenn sie sich einem stellen und nicht auf den Tag X warten.

Ich habe also gestern hektisch im Keller meine alten Unterlagen zusammen gesucht.  Zeugnisse und Belege über meine bisherigen Tätigkeiten und Ausbildung.  Dann seit 20 Jahren zum ersten Mal wieder einen Lebenslauf geschrieben und eine gefühlte Ewigkeit über dem Bewerbungstext gebrütet. Da es keine richtige Ausschreibung gibt, war mir nicht klar, wie ich mich bewerben soll.

Ich bin nun einfach ehrlich gewesen und habe mich direkt auf das gestern schon geführte Gespräch bezogen.

Heute morgen nun bin ich mit klopfendem Herzen zum Schulleiter. Ich bin mir keineswegs sicher, ob meine Entscheidung die richtige ist. Es würde sich so vieles ändern. Andererseits vielleicht ist gerade JETZT der richtige Zeitpunkt gekommen, neue Wege einzuschlagen, meinem Leben erneut eine Wende zu geben.
Wenn ich die letzten Jahre zurückdenke war es eigentlich immer so. Wenn etwas einschneidendes in meinem Leben passiert ist, das mich erschüttert oder durcheinander gebracht hat, dann tat sich irgendwo eine neue Tür auf, ohne dass ich nach ihr gesucht habe und meistens bin ich durchgegangen – aus Neugier, um zu sehen, was sich dahinter verbirgt.

So haben sich immer wieder neue Wege eröffnet, wenn ich woanders nicht mehr weiter kam. Diese Erfahrung beruhigt mich jetzt eigentlich. Vielleicht soll alles so sein.
Aber auch wenn nichts daraus wird, ist das kein Beinbruch, wie es kommt, so bin ich zufrieden. Immerhin habe ich die Gewißheit, dass ich mein Bestes gegeben habe, alles Weitere liegt nicht in meiner Macht.

Wichtig ist im Moment nur, für mich selbst ein gutes Gefühl zu haben. In den Spiegel zu schauen und zu denken – Ja, Du hast es versucht.

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Mit einem gewissen Stolz blicke ich heute auf mein Tagwerk zurück, obwohl es mir auch fast schon ein wenig unheimlich ist.
Ich räume ja schon seit Wochen auf. Hier mal eine Ecke, dort mal ein Regal und wenn es am Ende wirklich erfolgreich sein soll, wird mich diese Räumerei noch einige Monate beschäftigen. Das weiß ich schon lange, aber bisher konnte ich mich noch nicht aufraffen.
Jetzt, wenige Tage bevor der Schulbetrieb wieder losgeht und ich nach sechs Wochen Ruhe und terminlosen Wochen wirklich entspannt bin, springt mir täglich ein neues Ziel ins Auge, das ich in Angriff nehme.

Gestern waren es die vier großen Wohnzimmerfenster, die ich vom Schmutz befreit habe, nicht ohne vorher eine Stunde lang den Eimer zu suchen, der sich im Zimmer des Studenten verkrümelt hatte. Aber ich habe nicht aufgegeben. Beim Verrücken des Sofas habe ich – natürlich – Sammelsurium entdeckt. Vieles davon für den Müll, aber auch, zwei Redaktionsmagazine aus vergangenen Tagen, die mich wieder auf Erinnerungsreise geschickt haben. Natürlich sind sie dem Reißwolf nicht zum Opfer gefallen, sondern in den Schreibtisch gewandert.
Die großen Gardinen sind inzwischen auch gewaschen und hängen wieder.

Heute blickte mich dann das Bücherregal im Wohnzimmer (eigentlich wollte ich „Stube“ schreiben, aber manch eine mag den Begriff nicht 😉 ), jedenfalls schaute es vorwurfsvoll auf mich herunter und ich bin förmlich darüber hergefallen.
Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich Bücher weggeschmissen und das für meine Verhältnisse ziemlich konsequent. Sämtliche Hera Lind Bücher inkl. des Superweibs, das auch Teil meiner Geschichte ist,  wanderten in die Papiertonne, auch vor Uta Danella und sogar Caroline Link habe ich nicht Halt gemacht. Alle Bücher, an denen mein Herz schon lange nicht mehr hängt, habe ich rigoros aussortiert. Und mittendrin flatterten mir dann mehrere Briefmails aus dem Jahr 2001 entgegen, die mir damals auch Wichtiges verkündeten. Es ist merkwürdig, aber ich muss schon beinahe lächeln, dass mir an so vielen Orten die Erinnerung entgegen fliegt, ohne dass ich damit rechne oder danach suche. Was ich wohl in der nächsten Zeit noch alles finden und wieder entdecken werdebuecherregal … die damit verbundene Melancholie empfange ich fast schon wie einen guten alten Freund.  Ich mag dieses Gefühl und es tröstet mich, dass so viel geblieben ist, obwohl auch so vieles verloren ging.

Nun steht jedenfalls alles hübsch ordentlich auf den drei Regalen, sortiert nach Schriftstellern oder Themen (Die Bücherstapel im Schlafzimmer  nicht mit gerechnet).
Bildungspolitik neben Ulla Hahn, Goethe neben Schiller, die Gedichtbandsammlung, die ich mir erst vor ein paar Jahren zugelegt habe, ein Bord mit Geschenk- und Spruchbüchern, sowie Märchen und Weihnachtsgeschichten und die einzelnen Autoren kommen nun viel besser zur Geltung.
Ich könnte mir stundenlang die neue Ordnung anschauen, die für die meisten vielleicht selbstverständlich ist, für mich jedoch eine große Anstrengung bedeutet. 🙂

Es gibt noch soviel zu tun, aber bald wird dieses Vorhaben wieder durch den normalen Tagesablauf erschwert.

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Sommersonntag

Wenn die Sonne schon morgens durchs Fenster lacht, ist einem doch gleich viel leichter ums Herz. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich in letzter Zeit so zufrieden fühle. Das ich nicht versuche etwas zu erreichen, was doch unerreichbar ist. Ich kann die Dinge nehmen wie sie kommen und das liegt wohl auch an diesem Sommerwetter, dass so eine Ruhe ausstrahlt.
Sonntags morgens im Garten frühstücken und dazu die Kirchenglocken bimmeln hören, es ist ein bisschen dörflich, mitten in dieser großen, umtriebigen Stadt. 103_4139

Die Luft ist warm und nicht zu heiß, das Licht, die Farben, der Wind, alles verlockt dazu, sich bei jeder Gelegenheit in den Gartenstuhl zu legen, ein bisschen zu schlummern, ein wenig in den Himmel zu schauen, die Wolken beim vorbei ziehen kurz zu grüßen, ein Buch zu lesen und mit sich und der Welt im Einklang zu sein.

Ich mag diesen Sommer, der mit wenigen Ausnahmen, nicht so übertrieben heiß ist, jedenfalls nicht bei uns im Norden.

Und ich freue mich auch auf diesen Sommersonntag, der noch vor uns liegt. Wir fahren zu Freunden zum Grillen, ursprünglich um eine Schmacher Party zu feiern.
Vor drei Wochen kam eine SMS, darin fragte unser Freund, ob wir am 23.8. Zeit hätten für ein Schmacher Public Viewing Come Back Grillen.
Ich verstand nicht so ganz und gab die Information denn auch ungenügend an den Ingenieur weiter: R. fragt, ob wir am 23.8. Zeit haben zum Grillen zu kommen. Wohl irgendwie, weil wir dann alle aus dem Urlaub wieder da sind. Ein Come back Grillen … oder so, ich habs nicht ganz verstanden. Und las die SMS dann ziemlich schnell und flüchtig vor.

Einen Tag später, ganz in Ruhe, fragte der Ingenieur noch mal nach. „Was stand da genau in der SMS?“ Darauf ich: „Keine Ahnung, ich hab nur die Hälfte verstanden.“
„Kann es sein, dass R. eine Schumacher Revival Party machen will?“
„Ähm. Hm. Tja. Mal schauen.“ Ich kramte mein Handy wieder aus der Tasche und wir lasen gemeinsam und haben dabei Tränen gelacht. Natürlich. Es fehlte nur das U dazwischen und schon las sich das alles ganz anders.

Da kann man mal sehen, auch bei SMS kommt es auf jeden Buchstaben an.
Nun wirds also nichts mit der Schumacher Revival Come back Feier, wahrscheinlich ist er doch eher beleidigt über die Schludrigkeit seiner Fans.
Wir treffen uns aber trotzdem zum Come back Grillen, weil wir alle aus dem Urlaub wieder daheim sind. Sag ich doch. Ich hab mir das gleich so gedacht.

Macht es ebenso. Genießt den Sonntag und jeden Sommertag, der uns noch blüht. 🙂

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Drei Monate. Wieder mal ein Tag für eine Gedankenreise. Unter meinem Schreibtisch liegt noch immer ein Briefumschlag, den ich nicht mehr abschicken konnte.
In den letzten Monaten habe ich mich dazu durchgerungen, meinen Briefen regelmäßig ein oder zwei Päckchen Zigaretten beizulegen.

Jahrelang habe ich mich geweigert, die Nikotinsucht zu unterstützen. Wenn ich bei Telefonaten das Feuerzeug habe schnippen hören und anschließend das Einsaugen des Tabaks im Ohr hatte, war mir das immer ein unangenehmes Gefühl, ich hatte – stärker als bei anderen – das Gefühl, es ist nicht gut. Aber entscheiden muss das jeder für sich selbst, ich hatte nicht das Recht hinein zu reden. Ich habe mir nur Sorgen gemacht. Still für mich.

Was vielleicht mit daran liegt, dass schon so viele aus meinem näheren Umkreis am Lungenkrebs gestorben sind. Schwiegervater vor 12 Jahren, nachdem er über 50 Jahre starker Raucher war, ein Onkel – vor 11 Jahren, ein Cousin vor 9 Monaten. Kollegen, Freunde.
Hinzu kommt, dass ich weiß, was Atemnot ist, ich muss Zeit meines Lebens bronchienerweiternde Medikamente nehmen.

Mit Anfang 20 habe ich selbst mal eine Weile geraucht oder sagen wir besser – gepafft, ohne Lungenzug. Warum weiß ich selbst nicht, vielleicht war es ein cooles Gefühl?
In der Schwangerschaft habe ich es gelassen und nie wieder angefangen.

Bei Menschen die mir nahe stehen, macht es mir Probleme sie rauchen zu sehen.  Ich habe Glück, sowohl im Freundes- als auch im engsten Familienkreis gibt es fast keine Raucher.
Und doch wäre es zu respektieren,  denn jeder ist für sich selbst verantwortlich.

Heute habe ich den Umschlag also geöffnet. Drei Monate ist Alf nun nicht mehr im Leben (wohl aber in den Gedanken und unzähligen Erinnerungen).  Wie die Zeit vergeht. Und weitergeht. Auch das hat wohl seinen Sinn.
Ich bin noch immer auf dem Weg mich neu zu ordnen und entdecke dabei immer wieder neue Züge an mir, die ich unter die Lupe nehme und versuche sie beizubehalten oder mich davon zu trennen, zu verändern.
Kleinigkeiten in meinem Verhalten, die vielleicht erstmal nur mir selbst auffallen.

103_4061Ich nehme die Schachtel aus dem Umschlag. 29 Zigaretten scheint mir eine gigantische Zahl. Was mache ich nur damit? Selbst rauchen? Mit Sicherheit will ich damit gar nicht erst anfangen. Wegschmeißen? Vielleicht. Irgendwann. Noch ist die Zeit nicht reif dafür. Verschenken? Nein! Nach all meinen Erfahrungen möchte ich niemandem seine Sucht fördern.
Ich schaue ins Barfach und muss längere Zeit bis in die hinterste Ecke suchen, bis ich einen alten Aschenbecher aus dem Hausstand meiner Großeltern hervor hole. Ich komme nur alle paar Jahre in die Verlegenheit, so ein Utensil auf den Tisch zu stellen.

Ich nehme mir eine Zigarette und zünde sie an. Ziehe den Rauch in den Mund und blase ihn durch die Nase wieder aus.
Ein fremdes Gefühl. Es brennt auf der Zunge und fühlt sich scharf unter dem Gaumen an. Was ist es, dass die Menschen am Rauchen fasziniert, Dich nicht losgelassen hat und zum Schicksal wurde?103_4062

Ist es nur die Sucht, dass man einmal anfängt und nicht wieder aufhören kann?
Möglicherweise gibt es in Gesprächen Sicherheit, vertieft es die eigene Ausstrahlung, wenn man die Zigarette richtig hält oder ist es nur das Gefühl, dass es so sein könnte?
Oder ist es im Anfang nur cool und wird später unbemerkt zu einem selbstverständlichen Teil des Lebens, über den man gar nicht mehr nachdenkt?

Ich nehme ein paar Züge, blase den Rauch aus, der mir sogleich 103_4064scharf in den Augen brennt. Es riecht einerseits angenehm, andererseites stinkt es.
Ich glaube, dass man sich in bestimmten Situationen mit der Zigarette und dem umgebenden Nebel beruhigen kann. Dass man unangenehmes verdrängt.
Vielleicht sieht es auch gut aus? Erfolgreich? Selbstbewusst? Distanziert?

Ich weiß es noch nicht. Ob ich noch eine rauchen werde? Das warte ich ab. Heute nicht mehr. Ich denke daran, was die Nikotinsucht Dir gebracht hat und weiß doch, dass was-wäre-wenn Fragen völlig sinnlos und überflüssig sind.

Seit drei Monaten entwickelt sich die Zukunft ohne Dich. Manchmal erscheint mir das noch immer u103_4075nglaublich und unvorstellbar und doch – das Leben geht weiter. Bewegend und lustig, traurig und glücklich, spannend und aufregend, schnell und langsam, nimmt es mich (uns) weiter mit auf unserer Reise, das ist gut so.

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Alf, Du bleibst unvergessen.

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Am Freitagnachmittag bin ich ganz spontan in die Stadt gefahren, um ins Kino zu gehen. Auf dem Weg dorthin hetzten viele Menschen an mir vorbei, einige von ihnen kannte ich und ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich all meine Arbeit liegen ließ, um mich zu vergnügen und man den Menschen auf der Straße ansah, dass sie nie auf die Idee kommen würden, weil sie den Kopf so voll haben, dass da nicht mal Platz ist für den Wunsch ins Kino zu gehen.
Aber ich setzte meinen Weg dennoch fort, weil ich dachte, wie schön das Leben ist, wenn wir ihm „Zeit“ dafür geben und das wir das nicht verpassen dürfen. Nicht am Leben vorbei rennen und es nicht wahr nehmen.

So bin ich also in diesem alten Kino in der Mönckebergstraße gelandet, in dem man in einem riesigen Saal ganz tief in die Polster fällt und sich beim Blick auf den goldfarbenen schweren Vorhang, in längst vergangene  Zeiten zurück versetzt fühlt.
Nachdem die Werbung gelaufen war, wurde die Leinwand mit Getöse nach vorne ausgefahren und dann wieder ausgeklappt und die ca. 50 Besucher mussten ein bisschen kichern, weil man sich einen Moment lang fragte, ob die Leinwand wohl rechtzeitig stoppt oder plötzlich mitten in den Saal läuft. Für die heutigen Verhältnisse war die Vorrichtung so ungewohnt.
Aber gerade das verleiht dem Passage Kino in dem immer besonders schöne Filme laufen, den besonderen Charme. Es liegt zentral mitten in der Stadt und kann schnell erreicht werden und wie man liest, soll es in den nächsten Monaten geschlossen werden. Leider. Aber das ist eine andere Geschichte.

An diesem Freitag ließ ich mich also mit 50 anderen Menschen in die Zeit der Mode zurückfallen und in die Welt der Coco Chanel entführen.

Auch wenn ich kein besonders modischer Mensch bin und mich in einem Chanel Kostüm wohl immer fremd fühlen würde, so umweht mich doch  seit 20 Jahren immer ein Hauch Coco, der Duft des gleichnamigen Parfums, mit dem ich mich „komplett“ fühle.

Der Film erinnert an ein altmodisches Märchen. Ein kleines, armes Mädchen arbeitet sich mit Hilfe „reicher Freunde“ nach oben. Talent alleine hat noch nie ausgereicht, um Erfolg zu haben, man braucht immer auch Beziehungen und selbst dann gehört noch eine große Portion Glück dazu.
Dennoch ist es kein schnulziges Märchen. Audrey Tautou überzeugt mit einer beeindruckenden Tiefe. Sie spielt so intensiv, dass sie den Zuschauer schnell in ihren Bann zieht. Sie wirkt zerbrechlich und ist doch gleichzeitig so burschikos, mutig und widerspenstig.
Die Kameraführung und Lichteinwirkung unterstreichen Gesten wirkungsvoll. Ihre schmale Silhouette vor dem großen rauschenden Meer. Klein und zierlich und doch so stark und selbstbewusst.

Coco Chanel – der Beginn einer Leidenschaft, ist so melancholisch wie zielstrebig. Ich habe geweint und als Audrey Tautou als Coco in der Schlussszene auf der Treppe sitzt und sich auf ihrem ernsten, stillen Gesicht beim aufbrandenden Applaus ihrer ersten Modenschau, ganz langsam ein leichtes, aber sicheres Lächeln abzeichnet, hatte ich vom Kopf bis zu den Füßen Gänsehaut.

Beim Verlassen des Films fühlte ich mich leicht und beschwingt und hatte wohl ein glückliches Lächeln auf dem Gesicht, weil er trotz Melancholie so leichtfüßig gelungen ist.
Wer sich für Geschichten interessiert und starke Charaktere mag – unbedingt ansehen und wer Audrey Tautou mag, sowieso. Vergesst Amelie, sie überzeugt auch als Coco.

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