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Archive for Oktober 2009

Bei leicht verschleiertem Sonnenlicht und kühler Luft habe ich mich auf den Weg gemacht. Zunächst in den Hafen und dann mit dem Schiff elbabwärts nach Neumühlen.

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Der Wind zog an den Haaren und im Gesicht, das Wasser rauschte und klatschte zuweilen gar an den Steinen. Gedanken standen still, kehrten nach innen und wogten doch auf und nieder.
Die Atmosphäre dieses Nachmittags hat mich sogar meine Angst vor Hunden vergessen lassen. Sie war wie weggeblasen. Ich habe mehreren großen frei am Elbstrand herumlaufenden Hunden gelassen entgegen gesehen und sie sind alle in einem großen Bogen um mich herum gelaufen, als wäre ein Schutzwall um mich gezogen.  🙂

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Der Himmel färbte sich langsam und zeitweise schien es mir, als würde an diesem Nachmittag, kurz vor der Dämmerung, ein lebhaft, zerstreuter Wolkenschleier, nebulös über der untergehenden Abendsonne hochziehen.

unterwegs 3

Augenblicke unvergessen und die Gewißheit, dass an diesem Strom immer ein Hauch von großer, weiter Welt vorbeiziehen wird.

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… und gegen dieses bescheuerte Volksbegehren „Wir wollen lernen“!!!
Manch einer wartet vielleicht schon darauf, dass ich mich zu dem gestern in Hamburg gestarteten Volksbegehren zu Wort melde.

Natürlich bewegt es mich und macht mich wütend und darum … auch ein bisschen sprachlos. Weil diese Geldmacht und diese Elite-Lobbyisten, die hinter dem Volksbegehren stecken so ohnmächtig machen gegen Sachargumente.
Hier werden Menschen auf der Straße zu Unterschriften bewegt mit Slogans wie „Wollen Sie etwa, dass das Elternwahlrecht abgeschafft wird?“ oder „Wir wollen auch Reformen, aber nicht so“. Damit wird den Menschen vorgegaukelt, dass es hier um das Wohl aller Schüler geht und die Interessen aller Eltern vertreten werden sollen und das man sehr wohl aufgeschlossen notwendigen Reformen gegenüber steht, aber nicht so.

Und diese Botschaft ist falsch!!!

Es geht hier nicht um die Bildung aller Kinder, sondern darum, dass die Elite unter sich bleibt, das alte Zöpfe nicht abgeschnitten werden, weil der Kuchen nämlich kleiner wird, wenn mehr Schüler eine bessere Bildung bekommen.

Und dieses Volksbegehren läuft so ganz anders als die bisherigen, die ich verfolgt oder selbst daran teilgenommen habe. Hier steckt eine Unmenge Geld hinter den Organisatoren. Die Unterschriften werden mit Hilfe geschickter Marketingstrategien, Anzeigen und Werbespots im Radio gewonnen und nicht mit Überzeugung.

Tatsache ist schon jetzt, dass unzählige Eltern bisher von ihrem Elternwahlrecht Gebrauch machen und ihr Kind nach der vierten Klasse in einem Gymnasium anmelden, oft genug nur deshalb, „weil es in der Familie so Tradition ist“. Die Begabungen des Kindes stehen dabei nicht immer im Vordergrund, sondern mehr die Angst „man könnte etwas versäumen“.

Die Kinder haben nicht selten einen Leidensweg vor sich, bis sie irgendwann, spätestens nach der 6. Klasse doch die Schule wechseln müssen. Manche erholen sich davon nur mühsam und erreichen am Ende nicht den Schulabschluss, der ihren Fähigkeiten entsprochen hätte.

Wenn ab 2010 die Grundschule von der Primarschule abgelöst wird und die Kinder erst nach der 6. Klasse auf eine weiterführende Schule wechseln und die Eltern dann nicht mehr mitreden können, sondern ihr Kind je nach Empfehlung auf ein Gymnasium oder eine Stadtteilschule anmelden müssen, dann ist das nichts anderes als jetzt, nach sechs Jahren kann auch jetzt nicht gewählt werden.

Besser wäre es jedoch, man würde diese ganze Auswahl streichen und auf ein Schulsystem setzen, bei dem alle Kinder von Klasse 0 – 10 gemeinsam lernen und erst danach den Weg zum Abitur oder in den Beruf wählen.

In den Jahren des Heranwachsens ist soviel Entwicklungspotenzial enthalten, dass niemand sicher voraussagen kann, wohin die Reise geht.
Aber wir haben es mit einem politischen Kompromiss zu tun. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, ein Schritt heraus aus der Steinzeit, wenn da nicht die Standesdünkel der „feinen Gesellschaft“ wären, die sich kräftig auf die Füße getreten fühlt.

Nach 13 Jahren Elternratvorstandsarbeit, Hunderten von Gesprächen, Mitarbeit in unterschiedlichsten Gremien, an Schulprogrammen und pädagogischen Konzepten, habe ich ein klares Bild davon, wie Schule sein könnte, sein sollte.

Sicher, auch ich habe Zweifel an der jetzigen Umsetzung der Reform. Ebenso wichtig wie die Struktur, sind die Inhalte. Der Unterricht muss sich verändern, wir brauchen andere Lernmethoden, die auf die einzelnen Schüler besser eingehen, sie mit einbeziehen. Das kostet Geld, nicht zuletzt für Lehrerstellen, aber auch für geeignete Räumlichkeiten. Dieser Notwendigkeit muss man sich stellen. Bei der Elbphilharmonie geht das ja auch.

Eigentlich müsste jetzt alle Kraft und Zeit darauf verwendet werden, dass Elternräte in der ganzen Stadt nicht aufhören darauf hinzuweisen, dass es auf die Konzepte ankommt, die dieser Reform Leben einhauchen müssen. Elternräte können Druck ausüben, wenn sie gut informiert sind und konstruktive Kritik üben oder eigene Vorschläge einbringen.  Stattdessen wird so viel Zeit verschwendet sich in der Stadt zu streiten, ohne die Gesamtheit der Schüler zu berücksichtigen.

Dabei gibt es viele Beispiele für gute Schule, sowohl in Hamburg als auch anderswo, man muss sich nur umschauen und informieren und diese guten Beispiele in der eigenen Schule diskutieren, damit Bewegung in die Sache kommt.

Wir brauchen Veränderung! Und es gibt zu viele uninformierte Eltern, die mit Schlagworten um sich werfen, noch bevor sie die Inhalte und ihre Ziele auch nur im entferntesten begriffen haben. Das vor allem macht mich wütend.

Mehr dazu habe ich schon im letzten Jahr an dieser Stelle geschrieben.

Ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich mir nichts mehr wünsche, als dass dieses Volksbegehren scheitert, zum Wohle einer fortschrittlichen Bildung. Leider habe ich meine Befürchtungen, wenn ich den Aufwand und die Macht sehe, mit der diese Aktion geführt wird, die befürchten lässt, dass viele Unterschriften nicht aus Überzeugung abgegeben werden, sondern durch Überredung.

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Spannende Frage an diesem Sonntag. Meine Handyuhr hat sich automatisch selbst umgestellt, der Radiowecker dagegen nicht, die PC Uhr ja und so ging es munter weiter. Wenn dann auch noch die erwachsenen Kinder und der Mann ohne Absprache an den einzelnen Uhren herum drehen, ist das Zeitchaos perfekt.
Jedenfalls gab es wieder mal so manch verwirrtes Gesicht und die eine oder andere Uhr hat den Sprung zurück in die Zeit auch noch gar nicht geschafft. So wirft man einen Blick auf die Küchenuhr, erschrickt – so spät schon und dann – Aufatmen, die ist ja noch nicht umgestellt. Hoffentlich kriegen wir dann alle rechtzeitig mit, wenn sie jemand umstellt. 😉

Ich staune immer wieder, wie viel so eine Stunde ausmacht. Ich habe soviel aufgeräumt, gebügelt und „vor“-gearbeitet und hatte trotzdem immer noch massig Zeit, dass mein Schaffensdrang kaum zu bremsen war. Das hat direkt Spaß gemacht, aber warum man sich von einer geschenkten oder im Frühjahr geklauten Stunde so beeinflussen lässt und sie so bewusst den ganzen Tag über zu spüren bekommt ist schon ein bisschen verrückt.

Ansonsten gehöre ich zu den Anhängern der Sommerzeit. Ich bin ohnehin eine Frühaufsteherin, das macht mir also nichts und ich mag es, wenn es abends möglichst lange hell ist. Umso schwerer fällt mir jetzt die Umstellung auf die Winterzeit und die nicht mehr zu verdrängende „dunkle Jahreszeit“, die ich am liebsten überspringen würde. Wenn man schon am Nachmittag mit Licht fahren muss, hält mich das mehr im Haus und ich suche bis Anfang des Jahres nach meiner Unternehmungslust… ich werde dagegen ankämpfen, aber ein erfreulicher Gedanke ist das nicht.

Ein Lichtblick ist da die nahende Adventszeit. In gut vier Wochen werden wieder überall Lichter die Dunkelheit erhellen und der Budenzauber der unzähligen Weihnachtsmärkte lockt dann doch aus dem Haus.
So ist dann nur noch der Januar und Februar zu überstehen, bis es langsam wieder bergauf geht.

Zunächst aber heißt es vier graue Novemberwochen zu überstehen, bevor Gerüche, Lichter und Augenschmaus uns die Dunkelheit versüßen.

Vorfreude ist ja auch was Schönes….

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Als Nordlicht schließe ich nicht so schnell Freundschaften. Demzufolge ist die Zahl meiner Freunde begrenzt. Die meisten existieren seit meiner Jugend, weil Treue für mich ein Bestandteil von Freundschaft ist und so warte ich auch gern etwas länger, bis ich sicher bin, dass aus einem „Bekannten“ ein Freund wird. Dann jedoch hält das Band in der Regel und mir liegt sehr viel daran.
Obwohl es also einen festen Bund aus Menschen und eine Familie um mich herum gibt, ergeben sich aber auch heute noch Gelegenheiten neue Freundschaften zu gründen. Vorsichtig, langsam, aber möglich.

Das Internet spielt hier auch eine Rolle.
Zwar meide ich Chatforen und Communities, weil mir dort alles zu schnell geht, Umarmungen und Freundschaftsbekundungen viel zu schnell vergeben werden und oft auf Fundamente verzichtet wird, bevor man anderen sein Vertrauen schenkt.
Das mag altmodisch klingen, aber eine Freundschaft braucht ein Fundament auf dem man aufbauen kann. Ich kann nicht einem Dutzend Menschen gleichzeitig meine Aufmerksamkeit schenken und mich um sie kümmern und umgekehrt kann ich mich in der Not auch immer nur auf einige wenige verlassen,  die meine Not ernst nehmen und bereit sind, sich damit auseinander zu setzen. Freundschaft ist nicht immer leicht und unbekümmert, sie bedeutet, dass ich andere an meinem Leben teilhaben lasse und umgekehrt teilnehme.

Manchmal begegne ich dann aber doch Menschen, die mir zunächst sympathisch sind, auf die ich neugierig bin, mit denen mich vielleicht etwas verbindet und die ich gerne näher kennen lernen würde.
So ist in den letzten Monate der eine oder andere durchaus vielversprechende Mail-/Briefwechsel entstanden, der mich gefreut hat. In manchem Fall war ich zwar vorsichtig, aber doch gleichzeitig erstaunlich vertrauensvoll gemessen an der kurzen Zeit. Aber wie sonst soll man Menschen kennen lernen, im Internet, wo man weder Blickkontakte noch Gesten austauschen kann, sondern allein auf Worte beschränkt bleibt?

Einmal geweckte Sympathie hat mir den Mut verliehen mich zu öffnen und auf andere zuzugehen. Sicher immer noch mit einer gewissen Distanz und Vorsicht und auch manchen Fragezeichen, die sich ergeben, wenn man sein Gegenüber noch nicht wirklich gut kennt, aber doch mit der Bereitschaft den Menschen kennen zu lernen.
So haben sich manche sehr persönliche Zeilen zu mir und wieder zurück auf den Weg gemacht und mich mit Freude erfüllt.
Und dann ganz unvermittelt sind diese Kontakte wieder abgebrochen, einfach verschwunden aus meinem Leben, ohne Begründung, ohne ein Anzeichen für eine Unstimmigkeit oder Mißverständnis, ohne Erklärung wurde aus einem „ich freue mich riesig über Deinen Brief und einem …  viele liebe Grüße…“  ein Abbruch ins Nichts.

Kann man sich in Menschen so irren? Oder ist das ein Zeichen der Zeit, dass nichts mehr Bedeutung hat, bin ich nur auf die allgemein üblichen Internetfloskeln hereingefallen, die ohnehin nicht von Dauer sind?

In einem Fall habe ich mir ernsthaft Sorgen gemacht. Zunächst gewartet, mich gewundert, an mir gezweifelt,  noch ein- oder zweimal nachgefragt und dann ein ungutes Gefühl gehabt, ob etwas passiert ist, etwas Ernstes? Es hat mich beunruhigt…
Wir hatten eine Verbindung und ich hatte das Gefühl, dass wir uns wirklich etwas zu sagen haben, ich war neugierig und interessiert und hatte sogar ganz leise für mich gehofft, dass ich vielleicht einen Gang von mehreren, die ich in den nächsten Monaten vor mir habe, gemeinsam machen könnte.
Erstaunlich, dass einem ein Mensch, den man erst im Begriff ist kennen zu lernen, schon fehlen kann in bestimmten Situationen.

Nun muss ich aber wohl doch erkennen, dass es auch hier nur eine flüchtige Begegnung war, wie so oft ohne größere Bedeutung. Ich hätte es gerne verstanden!

Ich hoffe, ich finde trotzdem eines Tages die Gelegenheit und den Mut nur für mich alleine, eine Reise nach L zu machen, ohne mich dort zurecht zu finden, habe ich den Wunsch einer Spur zu folgen, auch wenn ich davon ausgehen muss, dass das nicht mit einem Besuch zu verbinden ist. Manche Dinge tut man für sich selbst.

Was neue mögliche Freundschaften angeht, werde ich mich künftig wieder mehr auf mein norddeutsches Temperament verlassen. Zurückhaltend und unverbindlich beobachten, bevor ich etwas von mir preis gebe. Flüchtige Begegnungen sind nichts für mich.

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Seit 1. Oktober gastiert die prunkvolle Ausstellung in Hamburg und es war eine willkommene Abwechslung mich heute mal mit ganz anderen Bildern als in den letzten Tagen zu beschäftigen. tut4
Zunächst gab es eine Einführung über die Geschichte der Pharaonen insbesondere der 18. Dynastie sowie über den Entdecker der Grabstätte Tutanchamuns.

Mit dem AudioGuide kann anschl. jeder Besucher in seinem Tempo die Ausstellung durchlaufen und sich in Ruhe die Geschichte zu den einzelnen Schätzen und ihre Bedeutung erklären lassen.
Zu meinem Erstaunen durfte man sogar in allen Räumen fotografieren. Zwar sind es ja keine Originale, sondern Nachbildungen, dennoch war ich freudig überrascht und habe natürlich gerne die Gelegenheit genutzt. tut7tut6tut8

Beeindruckend war vor allem mit welcher Präzision die Menschen vor mehr als 3000 Jahren solche Schätze herstellen konnten. Für uns heute, die wir ohne Maschinen und modernste Technik nicht mehr zurecht kommen, kaum vorstellbar, wie exakt und aufwändig damals handwerkliche Wunderwerke geschaffen wurden.
Mir ging dazu durch den Kopf, dass den Menschen heute zuviel Theorie in den Kopf gestopft wird, während die Menschen früher mit den Händen lernten und mit allen Sinnen daran mitwirkten, sich weiter zu entwickeln.

Spannend auch die Geschichte zu verfolgen, woran sie glaubten, was sie sich vorstellten von dem, was man nicht sehen kann.
Der Totenkult scheint sehr befremdlich. Zu glauben, dass man nur in ein anderes Reich wechselt und dort auch „körperlich“ fast so weiterlebt wie auf Erden ist doch auch für Menschen die auch heute noch an ein Leben nach dem Tod glauben, wenig vorstellbar. tut1tut2tut9tut12tut13
So wurden die Toten mit allem ausgestattet, was man in der „anderen Welt“ brauchen würde. Vom Bett über den Thron bis hin zu Bediensteten, die sich um das Wohlergehen kümmern sollten.

Schön anzusehen und märchenhaft zu hören.  Zu bestaunen ist die Ausstellung noch bis 31.1.2010.

Dagegen sind unsere Gedanken heute an den Tod, Friedhöfe und die Hinterbliebenen doch sehr nüchtern.

Und doch ging mir durch den Kopf und war mir sehr bewusst, wie bedeutsam es doch ist, dass wir geliebte Menschen nicht einfach begraben, sondern sie im Herzen weiterleben lassen. Das weiß ich heute besser denn je.

Und ich habe im angrenzenden Shop wieder etwas gefunden, was für mich zum heutigen Tag passt und das ich für einen bestimmten Zweck verwenden werde.

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Und heute abend gibt es eine Flasche Merlot.

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Nicht aufgeben

So schnell lasse ich mich nicht unterkriegen, zumal ich kein fahrlässiges Zuschuldenkommen feststellen kann. Das ist die Quintessenz des Wochenendes.

Ich habe Muckimamas Rat befolgt – vielen Dank – und mich im Forum bei netzwelt.de mal ein wenig mehr umgesehen. Informationen gesammelt, Hinweise bekommen und bin so zu einer Entscheidung gekommen.

Das letzte Wort ist also in dieser leidigen Angelegenheit noch nicht gesprochen.

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Unschuldig schuldig

Boah, ich bin so geladen, aber bevor ich jetzt dem nächstbesten vors Schienbein trete oder mir mit sonstigen unklugen Dingen noch mehr Ärger einhandel, versuche ich mal es auf diesem Wege zu „ordnen“.

Tief durchatmen.

Schon der Morgen begann mit einem Schrecken. Ich hatte für 11.30 Uhr eine Vorladung als Schöffin beim Jugendgericht. Bereits um 9.30 Uhr rief jedoch das Gericht an, wo ich denn bliebe. Es stellte sich heraus, dass der Termin vorverlegt wurde und ich das entsprechende Schreiben nur als Kopie der ersten Ladung angesehen habe, ohne die veränderte Uhrzeit zu beachten und auch ein erneuter Anruf bei Gericht um den Termin zu bestätigen, brachte keine Klarheit über das offensichtlich vorhandene Mißverständnis.
Im Schweinsgalopp also aus dem Haus und entsprechend geladen kam ich im Gerichtssaal an.
Dem zweiten Schöffen ging es ebenso, er kam noch 5 Minuten nach mir, was mich zumindest etwas beruhigte.

Viel schwerer traf mich aber ein Brief  der gestern ins Haus flatterte. Von einer Anwaltskanzlei aus München bekam ich eine Abmahnung für eine angebliche Urheberrechtsverletzung, die ich  im April 2009 begangen haben soll.
Zum angegebenen Zeitpunkt soll ich ein Musikalbum in einer Tauschbörse online gestellt haben.
1. Zu besagter Zeit befand ich mich in einem Hotelzimmer in Wien, ohne Laptop und Internetanschluss.
2. Ich habe bis gestern nichts von der Existenz sog. Tauschbörsen gewusst, mit solchen Dingen kenne ich mich nicht aus, weil ich mit dem Herunterladen von Daten eher ängstlich bin und lieber zu wenig als zu viel mache.
3. Ich kenne auch das besagte Musikalbum sowie die Gruppe gar nicht.

Das allein schützt aber vor Strafe nicht, wie ich jetzt annehmen muss. Fakt ist, dass mein Internetprovider meinen Anschluss der IP-Adresse zugeordnet hat, von dem aus die Musik hochgeladen wurde und ich weiß nicht, wie ich das Gegenteil beweisen kann.
W-Lan Anschluss ist bei uns wohlweislich deaktiviert, wir kommen nur per Kabel ins Netz.

Dann wären da noch „die Kinder“ 🙂 , die 20 – und 21 jährig die ersten warmen Tage dazu genutzt haben, mit Freunden im Garten zu grillen. Sie versichern mir glaubhaft, dass sie an diesem Abend – an dem wir uns aufgrund der Wienreise noch so gut erinnern können, überhaupt nicht online waren und das auch sie weder bei der angegebenen Tauschbörse Nutzer sind oder waren, noch die Gruppe und das Album kennen.

Nun soll  ich 856 Euro zahlen, für die ich mich nicht verantwortlich fühle. Im Zweifel für den Angeklagten scheint ein überholtes Modell zu sein.
Gleichzeitig soll ich eine Unterlassungserklärung unterschreiben, die mir unheimlich ist. Was unterschreibe ich da? Und wie soll ich zukünftig etwas verhindern, was ich gar nicht begangen habe.  So ein Vorwurf kann doch jederzeit wieder vorkommen, wie kann ich mich dagegen schützen oder gar wehren? Mit der Unterlassungserklärung bin ich doch quasi noch mehr „Freiwild“ als jetzt schon und in meiner Fantasie male ich mir schon erschreckende Szenarien aus und ich mittendrin in einer Schraube ohne Ende?

Trotz noch weiter steigender Kosten habe ich Kontakt mit einer auf Urheber- und Medienrecht spezialisierten Anwaltskanzlei aufgenommen und nach langer Überlegung und vielen Diskussionen im Familienkreis werde ich mir Montag einen Termin für ein Beratungsgespräch holen – 180 Euro und evtl. folgender Honorarkosten von 230 €/h.
Günstiger werde ich also wohl in keinem Fall dabei wegkommen, nur mit dem Gefühl nicht blindlinks für etwas zu zahlen, dass ich weder bestellt noch begangen habe.

Die Endsumme ist noch offen und macht mich schwindelig.

Posteingang der Abmahnung – 15.10. ein Donnerstag. Abgabefrist der Unterlassungserklärung ist Dienstag 20.10. Dazwischen liegt das Wochenende. Man lässt mir also kaum Gelegenheit für Rechtsberatungen.

Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen.  Ist das gerecht? Ich zweifel gerade an unserem Rechtsstaat.

Aus diesem Grund habe ich die diesem Blog anhängende Musikseite mit einigen you-tube Links sofort off gesetzt und werde sukzessive auch alle weiteren You-Videos ausblenden. Mag sein, dass das unnötig ist – ich bin bisher davon ausgegangen, dass eine Verlinkung zulässig ist. Aber momentan weiß ich gar nichts mehr und jedes weitere Risiko ausschalten. Ich komme mir dabei zwar blöd vor, aber besser blöd als arm. Hmpfh.

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