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Archive for März 2010

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Frühlingslust

Nach diesem langen Winter macht die Entdeckung des Frühlings besondere Lust.

Täglich schaue ich in den Garten, wie weit die Knospen schon aus dem Boden schauen und hätte ich mehr Zeit, hätte ich wohl auch schon die ersten Pflanzaktionen gestartet, aber trotz einer gewissen Sehnsucht nach bunter Blütenpracht, bin ich was die Gärtnerei angeht doch eher ein „Spätzünder“.

Es gibt auch so vieles wieder neu zu entdecken. Ganz alltägliches. Gestern habe ich zum ersten Mal in diesem Jahr die Wäsche wieder auf der Terrasse getrocknet. Das Aufhängen hat richtig Spaß gemacht und die trockene Wäsche richtig so wunderbar, wenn sie in der Sonne getrocknet ist.
Heute waren wir dann nach laaanger Winterpause endlich wieder in der Heide zum Walken. Die Kondition ist schlecht, aber ich werde jetzt daran arbeiten. Ich bin geradezu erschrocken, wie steif ich in den letzten Monaten geworden bin, nur weil ich zu wenig an der frischen Luft war, viel Auto gefahren bin und immer nur kurze Wege absolviert habe.  Nun gibt es viel zu tun, um die Muskeln aus dem Winterschlaf zu schütteln und neu zu aktivieren.
Von nun an werden wir also hoffentlich wieder 2 x wöchentlich eine Stunde laufen und dann mal sehen, ob ich wieder in Schwung komme.

Die dritte Frühlingsfreude steht seit gestern im Schuppen. Ich habe ein neues Fahrrad!!!
Mein altes hab ich mir ja im vergangenen Oktober klauen lassen, weil ich Naivchen dachte, wenn das Rad in meinem Garten steht, weiß jeder, dass es mir gehört und ich brauche es nicht mehr anschließen 😮  .  Eines Abends hat sich dann aber doch einer ums Haus geschlichen. Ich war auch deshalb erstaunt, weil man das Rad von der Straße gar nicht sehen konnte. Da klärte mich der Ingenieur aber eines besseren auf. „Du kannst es nicht sehen, weil Du nicht über die Hecke schauen kannst. Die meisten anderen Leute können das aber“.  Hm, da hab ich also wohl deutlich zu kurz gedacht. 😉

Jedenfalls habe ich die Winterpause dazu genutzt fleißig zu sparen und jetzt habe ich ein nigelnagelneues silbernes 7-Gang Fahrrad und bin heute zum ersten Mal damit gekurvt. Abgesehen davon, dass ich keine Kondition habe, hat es total Spaß gemacht und ich freue mich auf viele Fahrradtouren (die ja nicht gleich 30 km weit sein müssen 😉 ).

Und Donnerstag oder Freitag werde ich Pflanzen besorgen.

So gibt es jeden Tag etwas Neues zu entdecken. Das Eiscafe lockt auch schon wieder…

Ist das nicht toll, dass die Jahreszeiten immer wieder kommen und doch jedes Jahr aufs neue abwechslungsreich und spannend sind? Ich freue mich auf so viele kleine Dinge und plane als nächstes ein kleines Osterfeuer im Feuerkorb bei uns im Garten … da es ja die traditionellen hier im Stadtteil nicht mehr gibt….

Ich wünsche allen Lesern frühlingshafte Entdeckungstouren.

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Alles begann damit, dass ich vor ein paar Monaten auf das Buch von Richard Powers stieß „Das größere Glück“. Da ich sein Buch „Klang der Zeit“ noch in so guter Erinnerung hatte, war dieses neue Buch ein „muss“.
Im Anfang war es jedoch schwer für mich hinein zu finden in die Geschichte. Der Ich-Erzähler hat mich irritiert, der hin und wieder auftauchte und andeutete, dass er die Figuren im Buch erschaffen hat, dass hinderte mich daran, sie lebendig werden zu lassen. Ich war hin- und hergerissen zwischen Kunst- und Realfigur, was meinen Lesefluss etwas ins Stocken brachte.

Dennoch war die Geschichte spannend, auch wenn sie langsam in Gang kam. Eine junge Frau, die alle Menschen durch ihre Lebensfreude und Gelassenheit in ihren Bann zieht und deren Glückseeligkeit schließlich von Forschern ergründet werden soll. Die vielen wissenschaftlichen Erklärungen und Fachbegriffe haben mich ebenfalls etwas gelähmt, ich konnte ihnen oft nicht folgen.
Interessant jedoch immer die Entwicklung der handelnden Personen, die Gier dem Glück auf die Spur zu kommen und die Gedankenstränge, die Powers dabei bewegt. Die ewige Jagd nach dem Glück und das Bestreben des Menschen, auch diese Eigenschaft nicht dem Zufall zu überlassen, sondern möglichst so zu erforschen, dass man das Glück „planen“ kann, dass man eines Tages Menschen „er“-zeugen kann, die von natur aus glücklich sind. Und wie so oft, wenn es um rar gesäte „Rohstoffe“ geht, sind die Menschen unersättlich und kennen oft nur ihr eigenes Ziel. Sie jagen damit oft einem Phantom hinterher, weil sie nicht erkennen, dass man das Glück nur in sich finden kann. Sie wollen es wissenschaftlich besiegelt haben und zerstören im Laufe der Geschichte das glückliche Leben der Protagonistin, der sie „ihr Leben rauben“, ohne dabei selbst glücklich zu werden.

Diese Gedankenzweige und die Hinweise auf die Genforschung und dem Ziel, das Forscher damit verfolgen, hat mich gleichermaßen fasziniert, wie erschreckt. Wir rücken damit immer weiter von der naturgemäßen Schöpfung ab und auch wenn ich keine Heilige bin, sehe ich diese Entwicklung mit Skepsis und einem gewissen Unbehagen.

Einmal im Thema habe ich in das Buch von Eckart von Hirschhausen geschnuppert, in dem ich noch nicht weit gekommen bin, aber zumindest einige Ansätze gelesen habe über das Glück, das selten allein kommt. Hier wird anhand kleiner Ereignisse anschaulich erklärt, auf welche Dinge wir zuviel achten und welche wir dagegen achtlos übergehen. Und das Glück auch viel von den Umständen abhängt. Menschen die ein Geldstück auf der Straße fanden, waren danach kurzfristig viel optimistischer und froher gestimmt, als jene, die keins gefunden haben. Wenn sie aber jeden Tag eins finden, freut es sie irgendwann nicht mehr, dann wird es zur Selbstverständlichkeit.
Dann müsste uns ja so eine Art Genügsamkeit eigentlich glücklicher machen. Wer nur alle paar Wochen in sein Lieblingsrestaurant oder ins Kino geht, kann sich darauf Tage vorher freuen, wer es dagegen alle paar Tage macht, für den wird es zur Routine, er nimmt sein Glück immer weniger wahr.

Natürlich ist auch das pauschal. Es gibt Menschen, die haben weder die Gelegenheit ins Kino noch zum Essen zu gehen. Aber dennoch wird es auch für sie etwas geben, was sie glücklich macht…. sie müssen es sich nur bewusst machen.

Kurz darauf stieß ich auf einen Zeitungsartikel, der das erste Glücks-Symphosium in Hamburg ankündigte, in dem es darum gehen sollte, darüber nachzudenken, ob wir ein Schulfach „Glück“ brauchen. Ich meldete mich an und geriet immer mehr auf diese Glücks-Spuren-Suche.
Davon abgesehen, dass diese Veranstaltung etwas verwirrend war, da die Teilnehmer nur zu einem geringen Anteil aus pädagogischen Bestrebungen gekommen waren, sondern sich offenbar zum Teil mehr versprochen hatten, abgesehen davon also, habe ich nicht viel, aber doch einige Gedanken mitgenommen.
Dass die Schnellebigkeit unserer Zeit den jungen Menschen nicht mehr beibringt Geduld zu haben. Abzuwarten, bis sich ein Erfolg oder eine Reaktion einstellt. Alles muss sofort sein.  Die Zeit über etwas nachzudenken fehlt oft, mehr noch, sie wird sich nicht genommen. Jedes Bedürfnis muss sofort gestillt werden.

Selbstverständlichkeiten, die heute keine mehr sind. Gemeinsam zu kochen zum Beispiel. Schüler, die zusammen mit ihren Lehrern, planen, einkaufen, vorbereiten, zubereiten und anschließend gemeinsam essen und genießen, was sie selbst hergestellt haben. Das kann sehr viel glücklicher machen, als ein Gang zu McDonald. Und das erklärt mir auch, warum die freiwilligen Kochkurse in der Schule und das monatliche Kochangebot im Jugendcafe sich vor Andrang kaum retten können.

Entspannungsübungen, zur Ruhe kommen, Abstand von der digitalen Welt zu erlangen – auch das ein Umstand, den manche dringend nötig hätten, aber von selbst nicht darauf kommen.
Brauchen wir also ein Schulfach – Glück? Ich bin mir nicht sicher. Wenn wir es anders nicht schaffen, geduldiger, bewusster, langsamer mit unserer Umwelt umzugehen, wahr- zu- nehmen, dann vielleicht ja, aber eigentlich finde ich es traurig, dass wir das nicht im normalen Umgang miteinander schaffen.

Wieviel nun in unseren Genen liegt und uns vererbt wurde, sei mal dahingestellt, die Forscher werden da sicher keine Ruhe lassen. Aber ich glaube vor allem auch an die äußeren Umstände, die uns beeinflussen und ein bisschen Wahrheit liegt auch in dem Zitat, dass jeder selbst seines Glückes Schmied ist. Das mag manchmal unmöglich erscheinen, hängt aber zum Teil eben doch von eigenen Entscheidungen ab, die wir selbst treffen.

Und darüber hinaus gibt es die vielen alltäglichen Kleinigkeiten – das kleine Glück, dass zusammen genommen auch zu einem großen beständigen Glück führen kann, wenn wir es denn wahrnehmen.
Da finde ich die Idee von Eckart von Hirschhausen ganz reizvoll, ein Glückstagebuch zu führen, in dem man immer nur die Dinge aufschreibt, die einen glücklich gemacht haben.

Es stimmt ja, in den vielen Jahren, in denen ich Tagebuch schreibe, werden vor allem „Probleme“ abgearbeitet und in Worten festgehalten. Einmal ganz bewusst nur positive Dinge aufzuschreiben gefällt mir und ich werde das mal eine Weile probieren und ich freue mich auf das Ergebnis, dass dann später vor allem rückblickend erheiternd sein kann, wenn man über all die Dinge liest, die einen glücklich gemacht haben.

Mit diesem Artikel erhebe ich keineswegs einen Anspruch auf Vollständigkeit, er geht auch wissenschaftlich nicht in die Tiefe. Es sind nur meine ganz eigenen persönlichen Gedanken zu einem Thema, mit dem sich fast jeder mal beschäftigt und es kann durchaus spannend sein, der eigenen Glücksspur zu folgen.  Viel Glück 🙂

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Letzte Woche sind viele von uns – ich schließe mich da nicht aus –  wieder auf ein Paradebeispiel des Boulevardjournalismus hereingefallen. Die Meldung, dass Frau Käßmann, die höchste Repräsentantin der evangelischen Kirche, mit 1,54 Promille Alkohol im Blut beim Autofahren erwischt wurde, veranlasste Medien, ob Print oder Hörfunk zu allerlei Späßchen und ironischen Bemerkungen und auch ich machte mir so meine Gedanken. 1,54 Promille – keine Ahnung wieviel das ist, für mich klang es aber erheblich und man hat sofort das Bild eines angeheiterten, vielleicht sogar lallenden Menschen vor Augen. Was war da passiert, warum hatte Frau Käßmann die Kontrolle verloren und sich verleiten lassen? Auf diese Frage, sofern man sie sich überhaupt stellte, gab es allenfalls spöttische Antworten.

Dann der Rücktritt. Und der ihm folgende Respekt für die reuige Alkoholsünderin. Um die Frage sogleich umzukehren – War ihr Rücktritt überzogen, voreilig, unnötig? Was ein Amtsinhaber auch tut – es gibt was zu meckern, so oder so.

Dabei hätten die Fragen anders lauten müssen.

Die Begründung für ihren Rücktritt, der Folge eines schweren Fehlers war, wie Frau Käßmann zugab, beruhte auf der Überzeugung, dass sie neben dem Vergehen, für das sie die volle Verantwortung übernahm, ihre Autorität eingebüßt hätte.
Sie bezweifelte in Zukunft in ihren Ansichten ernst genommen zu werden und gerade bei kritischen Standpunkten, die sie gegenüber möglichen Kritikern vertreten würde, angreifbarer zu sein und von der Sachebene der jeweiligen Thematik abgedrängt zu werden in eine Ecke menschlicher Verfehlung, die man bei jeder Gelegenheit wieder an die Oberfläche zerren könnte.

Ich verstehe diese Befürchtung von Frau Käßmann und teile sie angesichts der uns bekannten Medienpolitik, die mit Häme und Spott nicht spart, aber selten bis nie den Finger auf sich selbst richtet.

Entscheidend ist doch aber die Geschichte dahinter. Wie kam es zu diesem Fehltritt, der Entscheidung das Auto zu besteigen, trotz Alkoholkonsums? Leichtfertigkeit gehört sicher nicht zu Frau Käßmanns Eigenschaften, was also führte zu der Fehleinschätzung. Was ist an dem Abend geschehen und wieviel Alkohol war im Spiel?
Der Spiegel ist der Sache auf den Grund gegangen und tastet sich in seiner aktuellen Titelgeschichte behutsam in das Leben von Frau Käßmann.

Ein terminfreier Abend, ein Treffen mit Freunden, Kinobesuch, Essen, dazu zwei Gläser Weißwein, zuvor ein Glas Prosecco – nichts außergewöhnliches.
Sicher ein Moment des Nachdenkens wert – „bin ich noch fahrtüchtig“, an diesen Punkt kommen wir alle mal, wo wir uns das fragen müssen und wer legt seine Hand dafür ins Feuer, dass er das immer richtig entscheidet?
Eine Fehlentscheidung wird damit nicht zu einer Bagatelle – immerhin hätte ja auch etwas passieren können, dennoch kann es uns ebenso treffen, immer – auch ohne Alkohol, dass wir uns in der Geschwindigkeit verschätzen, unübersichtliche Überholmanöver starten … es gibt viele Fehler, die Menschen machen, wer von uns ohne Schuld ist ….

Dennoch halte ich den Rücktritt für eine sehr konsequente und respektvolle Entscheidung, die Frau Käßmann ihre Würde erhält und gleichzeitig zum Nachdenken anregt. Jeglicher Spott (auch der Medien) ist verstummt und Diskussionen über Menschlichkeit, Verantwortung, Fehlverhalten und Konsequemz sind in Gang gekommen.  Mehr hätte sie in ihrem Kirchenamt gar nicht erreichen können,  die Menschen wieder auf den Boden der Tatsachen zurück zu holen und die Kirche im Dorf zu lassen.
Über ihr eigenes Fehlverhalten wird sie mit sich selbst genug ins Gericht gehen.

Solche Menschen brauchen wir viel mehr und es wäre zu wünschen, dass es einen Weg zurück gibt.

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