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Archive for Juni 2012

Der Weg zurück zur Normalität. Fast leben wir schon wieder so, wie vor der Diagnose. Die bösen Geister sind verscheucht und manchmal kommt es mir vor, als wäre alles nur ein böser Traum gewesen.
Aber das täuscht. Ganz so leicht darf man es nicht nehmen. Was da die letzten Wochen über uns hinweg gefegt ist, hat Spuren hinterlassen. Nicht nur als sichtbare Narben.

Dennoch kann man zum jetzigen Zeitpunkt sagen: Es ist gut ausgegangen. Mit jedem Arztgespräch kam mehr Licht ins Dunkel und die Aussichten und Prognosen wurden von Mal zu Mal besser. So erfuhren wir letzte Woche, dass die einmalige Radiojodtherapie so erfolgreich war, dass die Ärzte eine weitere Behandlung für nicht erforderlich halten. Nun folgt die hormonelle Einstellung des TSH Wertes und eine halbjährliche Kontrolle.

Es dauert ein bisschen, bis man sein Glück fassen kann. Erstmal ist da auch etwas Ungläubigkeit.
Ist es das jetzt wirklich gewesen? Ist auch wirklich alles untersucht? Kein weiterer Befund?

Es scheint fast zu einfach um wahr zu sein und wir sind noch etwas auf der Hut und ein bisschen unsicher, dass die Arztbesuche nun wieder so selten werden. – Hoffentlich geht das gut. Ist die leise Befürchtung, die bei allem Optimismus noch bleibt.

Aber es gibt auch andere Blickrichtungen. Der Arbeitsalltag läuft fast schon wieder normal. Und das wir unseren Urlaub an der Nordsee nun abgesagt haben,  war vielleicht doch übereilt, aber aus unserer Sicht von Anfang Mai war es notwendig, da auch die Ärzte zunächst einen ganz anderen Behandlungsplan im Auge hatten, den sie dann laufend nach unten korrigiert haben. Immerhin besser als andersherum.

Und verpasste Gelegenheiten kann man ja auch in Chancen vewandeln.

Um doch noch ein paar Tage von der Flut der Ereignisse vergangener Wochen abzuschalten, haben wir nun kurzfristig 5 Tage Usedom gebucht. In einem schönen Hotel, direkt am Meer, Zimmer mit Balkon und der Aussicht auf Meeresrauschen, Entspannen und neue Energie tanken. Und damit nicht genug, haben wir auch Pläne für den Herbst konkret in Angriff genommen und nicht wie sonst so oft – nur darüber nachgedacht.
Es ist ein erhebendes Gefühl, dass ich heute 2 Wochen im September auf Mallorca gebucht habe. Ich kann es schwer beschreiben, dieses aufgeregte Gefühl, wenn man auf – buchen – klickt.

Zuvor haben wir viel geguckt, verglichen, gerechnet und dann habe ich heute Schritt für Schritt gebucht und kam mir dabei ein wenig tollkühn vor.

Nachdem wir seit Jahrzehnten jedes Jahr an die Nordsee fahren, sind zwei Wochen Mallorca für uns schon ein Abenteuer, wenn auch im gleichen Hotel, in dem wir vor 25 Jahren schon einmal waren. Ganz konnte ich dann doch nicht aus meiner Haut und habe auf schon Bekanntes zurück gegriffen – auch wenn die Erinnerung nur noch schemenhaft ist.

Wir freuen uns riesig auf unsere nächsten Reisen. Das Leben hat uns – und vor allem meinen Mann – wieder und wir sind bereit, erneut Schwung in unsere Lebenswelle zu bringen.

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Das erste Etappenziel ist geschafft. Die Operation und ihre Nachwirkungen sind glimpflicher verlaufen, als wir uns das vorgestellt haben.

Bis zum Beginn der Radiojodtherapie werden zunächst keine Hormontabletten für die nun fehlende Schilddrüse verschrieben.  Entsprechend habe ich Begleiterscheinungen und Nebenwirkungen befürchtet, doch die halten sich in Grenzen. Mein Mann ist zwar etwas müde und schlapp, das merkt man ihm aber kaum an. Er geht sogar seit einer Woche wieder zur Arbeit, ca. 6 Stunden täglich und es scheint ihm zu bekommen.
Heute nun war der nächste Krankenhaustermin in St. Georg. Zuvor hat die Hausarztpraxis noch den TSH wird überprüft, der nur bestätigt, was wir ja wissen, dass dem Körper das Hormon fehlt. Der Wert soll ja ansteigen, damit der Körper auf das anschl. Radiojod gut reagiert. Dennoch hat die Hausärztin sich erstmal erschrocken. Normalwert wäre 4 und der Wert meines Mannes liegt bei 106! Das müsste doch Auswirkungen habe, denke ich für mich, bin aber natürlich froh, dass er ganz offensichtlich recht zufrieden mit allem ist und keine behindernden Nebenwirkungen spürt.

Der Arzt in St. Georg war dann auch sehr zufrieden mit dem Ergebnis und zuversichtlich, dass der Rest mit der Radiojodtherapie endgültig beseitigt wird, wobei der Wert wohl darauf hinweist, dass ohnehin nicht mehr viele bösartige Zellen im Körper vorhanden sein können.

Entsprechend dauert der Aufenthalt während der Radiojodtherapie wohl auch nur drei Tage. In drei Monaten dann noch einmal und wenn alles gut läuft, ist die Gefahr dann endgültig gebannt.

Erstaunlich, aber auch erleichternd. Wir haben da wohl noch Glück im Unglück gehabt, wie uns heute auch der Arzt bestätigte. Dieser Tumor hat mit Abstand die beste Prognose und wenn wir in einigen Monaten sicher sein können, dass die Therapie Erfolg hatte, dann können wir auch davon ausgehen, dass dieser Krebserkrankung keinerlei Einfluss auf die spätere Lebenserwartung haben wird.

Das macht Mut und den würde ich gerne an andere Betroffene weitergeben. Als Ratsuchender findet man so viele Schreckensbotschaften im Internet, dass man allein davon schon krank werden kann. Besser ist es, nicht auf eigene Faust Diagnosen zu erstellen, sondern den Ärzten zu vertrauen.

Natürlich kann es sein, dass wir hier auch Glück haben, in Hamburg so viele große Krankenhäuser zu haben. Das finde ich zumindest beruhigend. Für jedes Fachgebiet findet man mehr Häsuer, die darauf spezialisiert sind und es gibt andere, die würde ich auf keinen Fall in die engere Wahl nehmen.

Alles in allem scheint es  gut zu verlaufen und auch die Betreuung vor Ort in den Facharztpraxen ist freundlich und kompetent.

Wer also auf diesen Artikel stößt, weil er vor eben einer solchen Diagnose steht, nicht nervös werden, mit den Ärzten im Gespräch bleiben, Vertrauen haben und Geduld. Alles braucht seine Zeit. Aber ein papilläres Schilddrüsenkarzinom ist gut  behandelbar. Nur muss man die Wochen bis zur Diagnose überbrücken und sollte sich dabei nicht von Informationen im Internet verrückt machen lassen.

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