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Archive for the ‘Abschied’ Category

Heute ist es ein Jahr her, dass Alf uns verließ. Ein langes und gleichzeitig auch kurzes Jahr. Ich habe ihn oft in meiner Nähe gespürt, wurde durch viele kleine Begebenheiten immer wieder an ihn erinnert und habe doch auch einen neuen – meinen – Weg gefunden.

Ich vermisse ihn nach wie vor, würde gerne vieles mit ihm teilen, seine Meinung hören, mich bei ihm ausruhen, aber es ist auch etwas Neues entstanden. Ein Gefühl der Dankbarkeit, dass es ihn gab und dass er mir soooo viel hinterlassen hat. Briefe, Geschichten, Dinge, die ich von ihm gelernt habe, Musikstücke die unverrückbar mit ihm verbunden sind.
Im Internet erinnern sich heute viele Freunde an ihn, jeder trägt diesen Tag in sich und die Zeit, die ihm vorausging – der Faden ist nicht gerissen. Mich bringt das mehr aus der Fassung als ich für möglich gehalten hatte. Eigentlich wollte ich diesen Tag heute in Cuxhaven verbringen – aber gesundheitliche Eskapaden halten mich nun doch zu Haus.

Unvergessen.

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Wieder geht ein Jahr zu Ende und wie immer, bin ich ein wenig wehmütig.

Ich blicke zurück auf die Dinge, die geschehen sind und auf die ich keinen Einfluss hatte und ich blicke voraus und weiß noch nicht, was in 2010 auf mich und uns zukommt.

In gewisser Weise ist das gut, dass wir nicht in die Zukunft schauen können und es nehmen müssen wie es kommt.

Was man nicht ändern kann, muss man ertragen – und wenn es unangenehme Dinge sind, ist es besser, wenn man sie nur häppchenweise verdaut und trotzdem nicht den Mut verliert und die Hoffnung behält, dass sich die Dinge auch noch wieder ändern.

Ich möchte gar nicht wissen, was 2010 für uns im Gepäck hat, sondern lasse mich lieber überraschen – von den schönen und auch den weniger schönen Dingen.

Es ist bekömmlicher seinen Weg Stück für Stück zu gehen, nur so lassen sich Steine aus dem Weg räumen und neue Wege erschließen, wenn sie notwendig sind.

2009 war ein eigentümliches Jahr. Zum Teil konnten wir voraussehen, was kommt.

Das jemand aus unserer Mitte uns verlässt. Wir wussten nicht genau wie und wann es passieren wird, aber dass es nicht mehr abzuwenden ist, davon mussten wir ausgehen.

Ich habe – zum Glück – noch nicht viele Menschen in meinem Leben verloren, obwohl ich die Hälfte des Lebens schon hinter mir habe.

Bis zu diesem Jahr wusste ich nicht wirklich, was Trauer ist und ich brauchte in der Vergangenheit manchmal Geduld, um meine fehlende Vorstellungskraft zu überwinden, wenn es um die Trauer anderer Menschen ging.
Ich war in dieser Hinsicht bisher immer erstaunlich sachlich und distanziert.

In diesem Jahr habe ich manches Mal verwundert zurück geschaut, warum ich dieses Trauergefühl bisher so noch nicht wahrgenommen habe, als mein Vater vor vier Jahren starb. Natürlich war er mir nah und ich habe ihn vermisst und vermisse ihn in gewissen Situationen noch immer.
Und doch bin ich sachlich geblieben, was mich heute noch mehr erschreckt als vor vier Jahren, als ich noch nicht wusste, was Trauer ist.
Ich war vielleicht zu sehr mit der Trauer meiner Mutter beschäftigt, dass ich darüber meine eigene Trauer „vergessen“ habe. Neben meiner verzweifelten Mutter war überhaupt kein Platz für irgendwas und ich brauchte all meine Kraft, um ihr eine Stütze zu sein. So habe ich es erlebt und versucht dieser Herausforderung gerecht zu werden.

In diesem Jahr war es anders. Ich habe einen Menschen verloren, den außer mir, niemand aus meinem eigenen „realen“ Leben kannte. Zwar wussten alle, von der Existenz und kannten seinen Namen, aber nur ich hatte einen Bezug zu ihm.

Ich hatte Zeit und konnte mich „fallen“ lassen in diesen Verlust und alle Gefühle und Gedanken, die damit verbunden waren. Und ich habe festgestellt, dass es gut ist, die innere Traurigkeit nicht zu verdrängen. Ich brauchte diese Zeit um Los zu lassen!

Ich wusste bisher nicht, dass Trauer so tief gehen kann und doch lässt es mich nicht verzweifeln.
Ich lebe mein Leben… weiter und vieles ist gut an diesem Leben und ohne pathetisch zu sein, bin ich  …. glücklich. Ein kleines Glück. Nicht himmelhoch, nicht umwerfend, aber ich ziehe meine Bahnen und sehe und erlebe viel Schönes unterwegs.

Und doch ist der verlorene Freund gegenwärtig, – fast jeden Tag. Mal nur ganz im Hintergrund und mal ganz bewusst und schmerzhaft fehlend.

Ich bin unentschlossen. War er mein bester Freund oder mein wichtigster.
Er hat so vieles in mir bewegt und befreit, dass er in jedem Fall mein wichtigster Freund war. Durch ihn habe ich mich „freigeschwommen“.
Er war nicht immer mein bester Freund, weil er oft nicht da war, wenn ich ihn brauchte, aber immer, wenn er mich brauchte.
Aber egal, ob er „da“ war oder unerreichbar, war er mir gedanklich über viele Jahre immer so nah – das er vielleicht doch mein bester Freund war.

Ich konnte ihm so vieles anvertrauen, was ich vor anderen verborgen habe.

Aber je länger wir uns kannten, desto mehr war diese Freundschaft auch durch Sorge überschattet. Ich hatte so oft Angst um ihn, kannte seine Nöte und seine Hilflosigkeit in gewisser Weise und ahnte/wusste von seiner Krankheit, noch bevor er es wusste. Ich wusste nicht wie und wann sie kommen wird, aber das es passieren wird, habe ich lange vorher kommen sehen.
Ich habe versucht aufzufangen, aber es gelang nur mäßig. Und deshalb – nur deshalb, habe ich jetzt manchmal das Gefühl – frei – zu sein. Mich nicht mehr sorgen zu müssen und mich mehr auf mein Leben konzentrieren zu können. (Zu dem er ja aber dazu gehört(e)).

Den Freund ersetzen kann mir niemand!

Das geht allen so im Leben, dass sie von Zeit zu Zeit Abschied nehmen müssen.

Es gibt Tage, da tun die Erinnerungen gut und andere, da tun sie weh. Und doch bin ich froh, dass es sie gibt. Das da nicht Nichts ist!

Und doch bin ich wehmütig, wenn ich an das kommende Jahr denke. Das erste Jahr, das beginnt – ohne meinen Seelenfreund.

Immerhin hatte ich die Gelegenheit einen solchen Menschen zu kennen!

Und ich begegne neuen Menschen auf meinem Weg.

Da ist Pe, seine Schwester, mit der ich sowohl Erinnerungen als auch Trauer teilen konnte, was ich als sehr wohltuend empfunden habe.

Und ich erschließe mir auch eigene Horizonte immer wieder neu … es ist eine schöne Erfahrung, dass das in jedem Alter möglich ist. Solange wir der Welt offen begegnen, wird sie sich uns öffnen und ich glaube, da gibt es eine Menge, was sie für uns bereit hält – für jeden anders.

In diesem Sinne, lebt jeder mit seiner Vergangenheit, aber nicht ohne Zukunft. Daran glaube ich und sehe optimistisch in das Jahr 2010. Noch will ich nicht wissen, wie es wird – nur hoffen, dass es gut wird.

Ich wünsche allen ein gutes Neues Jahr und kommt gut rein!

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Als Nordlicht schließe ich nicht so schnell Freundschaften. Demzufolge ist die Zahl meiner Freunde begrenzt. Die meisten existieren seit meiner Jugend, weil Treue für mich ein Bestandteil von Freundschaft ist und so warte ich auch gern etwas länger, bis ich sicher bin, dass aus einem „Bekannten“ ein Freund wird. Dann jedoch hält das Band in der Regel und mir liegt sehr viel daran.
Obwohl es also einen festen Bund aus Menschen und eine Familie um mich herum gibt, ergeben sich aber auch heute noch Gelegenheiten neue Freundschaften zu gründen. Vorsichtig, langsam, aber möglich.

Das Internet spielt hier auch eine Rolle.
Zwar meide ich Chatforen und Communities, weil mir dort alles zu schnell geht, Umarmungen und Freundschaftsbekundungen viel zu schnell vergeben werden und oft auf Fundamente verzichtet wird, bevor man anderen sein Vertrauen schenkt.
Das mag altmodisch klingen, aber eine Freundschaft braucht ein Fundament auf dem man aufbauen kann. Ich kann nicht einem Dutzend Menschen gleichzeitig meine Aufmerksamkeit schenken und mich um sie kümmern und umgekehrt kann ich mich in der Not auch immer nur auf einige wenige verlassen,  die meine Not ernst nehmen und bereit sind, sich damit auseinander zu setzen. Freundschaft ist nicht immer leicht und unbekümmert, sie bedeutet, dass ich andere an meinem Leben teilhaben lasse und umgekehrt teilnehme.

Manchmal begegne ich dann aber doch Menschen, die mir zunächst sympathisch sind, auf die ich neugierig bin, mit denen mich vielleicht etwas verbindet und die ich gerne näher kennen lernen würde.
So ist in den letzten Monate der eine oder andere durchaus vielversprechende Mail-/Briefwechsel entstanden, der mich gefreut hat. In manchem Fall war ich zwar vorsichtig, aber doch gleichzeitig erstaunlich vertrauensvoll gemessen an der kurzen Zeit. Aber wie sonst soll man Menschen kennen lernen, im Internet, wo man weder Blickkontakte noch Gesten austauschen kann, sondern allein auf Worte beschränkt bleibt?

Einmal geweckte Sympathie hat mir den Mut verliehen mich zu öffnen und auf andere zuzugehen. Sicher immer noch mit einer gewissen Distanz und Vorsicht und auch manchen Fragezeichen, die sich ergeben, wenn man sein Gegenüber noch nicht wirklich gut kennt, aber doch mit der Bereitschaft den Menschen kennen zu lernen.
So haben sich manche sehr persönliche Zeilen zu mir und wieder zurück auf den Weg gemacht und mich mit Freude erfüllt.
Und dann ganz unvermittelt sind diese Kontakte wieder abgebrochen, einfach verschwunden aus meinem Leben, ohne Begründung, ohne ein Anzeichen für eine Unstimmigkeit oder Mißverständnis, ohne Erklärung wurde aus einem „ich freue mich riesig über Deinen Brief und einem …  viele liebe Grüße…“  ein Abbruch ins Nichts.

Kann man sich in Menschen so irren? Oder ist das ein Zeichen der Zeit, dass nichts mehr Bedeutung hat, bin ich nur auf die allgemein üblichen Internetfloskeln hereingefallen, die ohnehin nicht von Dauer sind?

In einem Fall habe ich mir ernsthaft Sorgen gemacht. Zunächst gewartet, mich gewundert, an mir gezweifelt,  noch ein- oder zweimal nachgefragt und dann ein ungutes Gefühl gehabt, ob etwas passiert ist, etwas Ernstes? Es hat mich beunruhigt…
Wir hatten eine Verbindung und ich hatte das Gefühl, dass wir uns wirklich etwas zu sagen haben, ich war neugierig und interessiert und hatte sogar ganz leise für mich gehofft, dass ich vielleicht einen Gang von mehreren, die ich in den nächsten Monaten vor mir habe, gemeinsam machen könnte.
Erstaunlich, dass einem ein Mensch, den man erst im Begriff ist kennen zu lernen, schon fehlen kann in bestimmten Situationen.

Nun muss ich aber wohl doch erkennen, dass es auch hier nur eine flüchtige Begegnung war, wie so oft ohne größere Bedeutung. Ich hätte es gerne verstanden!

Ich hoffe, ich finde trotzdem eines Tages die Gelegenheit und den Mut nur für mich alleine, eine Reise nach L zu machen, ohne mich dort zurecht zu finden, habe ich den Wunsch einer Spur zu folgen, auch wenn ich davon ausgehen muss, dass das nicht mit einem Besuch zu verbinden ist. Manche Dinge tut man für sich selbst.

Was neue mögliche Freundschaften angeht, werde ich mich künftig wieder mehr auf mein norddeutsches Temperament verlassen. Zurückhaltend und unverbindlich beobachten, bevor ich etwas von mir preis gebe. Flüchtige Begegnungen sind nichts für mich.

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Seit 1. Oktober gastiert die prunkvolle Ausstellung in Hamburg und es war eine willkommene Abwechslung mich heute mal mit ganz anderen Bildern als in den letzten Tagen zu beschäftigen. tut4
Zunächst gab es eine Einführung über die Geschichte der Pharaonen insbesondere der 18. Dynastie sowie über den Entdecker der Grabstätte Tutanchamuns.

Mit dem AudioGuide kann anschl. jeder Besucher in seinem Tempo die Ausstellung durchlaufen und sich in Ruhe die Geschichte zu den einzelnen Schätzen und ihre Bedeutung erklären lassen.
Zu meinem Erstaunen durfte man sogar in allen Räumen fotografieren. Zwar sind es ja keine Originale, sondern Nachbildungen, dennoch war ich freudig überrascht und habe natürlich gerne die Gelegenheit genutzt. tut7tut6tut8

Beeindruckend war vor allem mit welcher Präzision die Menschen vor mehr als 3000 Jahren solche Schätze herstellen konnten. Für uns heute, die wir ohne Maschinen und modernste Technik nicht mehr zurecht kommen, kaum vorstellbar, wie exakt und aufwändig damals handwerkliche Wunderwerke geschaffen wurden.
Mir ging dazu durch den Kopf, dass den Menschen heute zuviel Theorie in den Kopf gestopft wird, während die Menschen früher mit den Händen lernten und mit allen Sinnen daran mitwirkten, sich weiter zu entwickeln.

Spannend auch die Geschichte zu verfolgen, woran sie glaubten, was sie sich vorstellten von dem, was man nicht sehen kann.
Der Totenkult scheint sehr befremdlich. Zu glauben, dass man nur in ein anderes Reich wechselt und dort auch „körperlich“ fast so weiterlebt wie auf Erden ist doch auch für Menschen die auch heute noch an ein Leben nach dem Tod glauben, wenig vorstellbar. tut1tut2tut9tut12tut13
So wurden die Toten mit allem ausgestattet, was man in der „anderen Welt“ brauchen würde. Vom Bett über den Thron bis hin zu Bediensteten, die sich um das Wohlergehen kümmern sollten.

Schön anzusehen und märchenhaft zu hören.  Zu bestaunen ist die Ausstellung noch bis 31.1.2010.

Dagegen sind unsere Gedanken heute an den Tod, Friedhöfe und die Hinterbliebenen doch sehr nüchtern.

Und doch ging mir durch den Kopf und war mir sehr bewusst, wie bedeutsam es doch ist, dass wir geliebte Menschen nicht einfach begraben, sondern sie im Herzen weiterleben lassen. Das weiß ich heute besser denn je.

Und ich habe im angrenzenden Shop wieder etwas gefunden, was für mich zum heutigen Tag passt und das ich für einen bestimmten Zweck verwenden werde.

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Und heute abend gibt es eine Flasche Merlot.

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Zugegeben, diese Überschrift ist zu hoch gegriffen ist. Zu dramatisch. Und trotzdem sind es diese Gedanken, die mir heute ganz unerwartet durch den Kopf gehen.

Heute nacht habe ich geträumt. Sehr real, wenn auch nur im Traum möglich und in mir ein gutes Gefühl hinterlassend. Ich träume selten, zumindest kann ich mich nicht erinnern zu träumen. Als ich aufstand und auf den Kalender schaute,  erklärte das möglicherweise meinen Traum.

Wir haben wundervolles Wetter heute, die Sonne schien schon seit dem Morgen und die Luft ist spätsommerlich sanft. Wir waren zum 50. Geburtstag bei einer Freundin eingeladen und ich freute mich für sie, dass alles so schön klappte und im Garten gefeiert werden konnte.
Das Buffet war gerade eröffnet, da hörten wir Gläserklirren, es polterte und schepperte und in Sekunden wurde einem klar, da ist mehr im Gang als nur das Mißgeschick eines Gastes.

Und dann sah ich – im Garten stehend – undeutlich zwischen den Beinen der Gäste, dass der erwachsene Sohn der Freundin offenbar zu Boden gegangen war. Die Unruhe und der Anflug von Panik der Anwesenden übertrug sich durch den Garten und ich konnte nun auch sehen, dass der junge Mann sich krampfartig am Boden bewegte und mit beruhigenden Worten hingelegt und gehalten wurde.
Ganz offensichtlich hatte er einen epileptischen Anfall erlitten, seinen ersten und damit für alle völlig unvorbereitet.

Der Krankenwagen wurde gerufen, die Eltern fuhren mit und die Geburtstagsgesellschaft blieb betroffen sitzen.

Zwei Stunden später kamen die Gastgeber zurück und gaben erste Enwarnung. Es gehe ihm wieder gut, er könne sich auch wieder an alles erinnern, außer den Zusammenbruch selbst, müsse aber für weitere Untersuchungen und zur Beobachtung noch im Krankenhaus bleiben.

So gut es ging versuchten wir zu entspannen und doch noch dem Geburtstagskind den Tag zu erhellen.

Dennoch gehen mir die Gedanken an das Erlebte noch nicht aus dem Kopf, auch wenn der Betroffene selbst zunächst außer Gefahr scheint. Noch kennen wir ja die Ursache nicht.
Ich fühlte mich zum einen erinnert an die Zeit vor einem Jahr und hatte meine ganz eigenen Gedanken und Erfahrungen dazu und zum anderen wurde mir wieder so deutlich bewusst, wie das Leben sich innerhalb von Sekunden verändern kann und den Menschen an seine Grenzen führen.

Wir können nicht tun und lassen, was wir wollen, wenn das Schicksal es anders mit uns meint.

Es kann jeden von uns treffen, mal schlimm, mal weniger und mal nicht wieder gut zu machen. Und das einzige was wir dem entgegen setzen können, ist die Freude und Lust am Moment.  So gut es geht den Moment zu genießen und bewusst aufzunehmen.

Die Sonne auf der Haut,
das Lächeln der Freunde,
die Lust am Lachen,
die Gelegenheit zu Lieben.

Das ist es was zählt und was nicht untergehen darf in den vielen unbedachten Momenten, die wir vorüber ziehen lassen.

Ich wünsche dem jungen Mann baldige Genesung und meiner Freundin, dass sie den Schrecken wieder los wird und allen, dass die Untersuchungen nichts Bleibendes herausfinden.

Erneut ein Tag mit Gedankenmuster, dass je mehr Zeit vergeht, nur noch tiefer wird.


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Drei Monate. Wieder mal ein Tag für eine Gedankenreise. Unter meinem Schreibtisch liegt noch immer ein Briefumschlag, den ich nicht mehr abschicken konnte.
In den letzten Monaten habe ich mich dazu durchgerungen, meinen Briefen regelmäßig ein oder zwei Päckchen Zigaretten beizulegen.

Jahrelang habe ich mich geweigert, die Nikotinsucht zu unterstützen. Wenn ich bei Telefonaten das Feuerzeug habe schnippen hören und anschließend das Einsaugen des Tabaks im Ohr hatte, war mir das immer ein unangenehmes Gefühl, ich hatte – stärker als bei anderen – das Gefühl, es ist nicht gut. Aber entscheiden muss das jeder für sich selbst, ich hatte nicht das Recht hinein zu reden. Ich habe mir nur Sorgen gemacht. Still für mich.

Was vielleicht mit daran liegt, dass schon so viele aus meinem näheren Umkreis am Lungenkrebs gestorben sind. Schwiegervater vor 12 Jahren, nachdem er über 50 Jahre starker Raucher war, ein Onkel – vor 11 Jahren, ein Cousin vor 9 Monaten. Kollegen, Freunde.
Hinzu kommt, dass ich weiß, was Atemnot ist, ich muss Zeit meines Lebens bronchienerweiternde Medikamente nehmen.

Mit Anfang 20 habe ich selbst mal eine Weile geraucht oder sagen wir besser – gepafft, ohne Lungenzug. Warum weiß ich selbst nicht, vielleicht war es ein cooles Gefühl?
In der Schwangerschaft habe ich es gelassen und nie wieder angefangen.

Bei Menschen die mir nahe stehen, macht es mir Probleme sie rauchen zu sehen.  Ich habe Glück, sowohl im Freundes- als auch im engsten Familienkreis gibt es fast keine Raucher.
Und doch wäre es zu respektieren,  denn jeder ist für sich selbst verantwortlich.

Heute habe ich den Umschlag also geöffnet. Drei Monate ist Alf nun nicht mehr im Leben (wohl aber in den Gedanken und unzähligen Erinnerungen).  Wie die Zeit vergeht. Und weitergeht. Auch das hat wohl seinen Sinn.
Ich bin noch immer auf dem Weg mich neu zu ordnen und entdecke dabei immer wieder neue Züge an mir, die ich unter die Lupe nehme und versuche sie beizubehalten oder mich davon zu trennen, zu verändern.
Kleinigkeiten in meinem Verhalten, die vielleicht erstmal nur mir selbst auffallen.

103_4061Ich nehme die Schachtel aus dem Umschlag. 29 Zigaretten scheint mir eine gigantische Zahl. Was mache ich nur damit? Selbst rauchen? Mit Sicherheit will ich damit gar nicht erst anfangen. Wegschmeißen? Vielleicht. Irgendwann. Noch ist die Zeit nicht reif dafür. Verschenken? Nein! Nach all meinen Erfahrungen möchte ich niemandem seine Sucht fördern.
Ich schaue ins Barfach und muss längere Zeit bis in die hinterste Ecke suchen, bis ich einen alten Aschenbecher aus dem Hausstand meiner Großeltern hervor hole. Ich komme nur alle paar Jahre in die Verlegenheit, so ein Utensil auf den Tisch zu stellen.

Ich nehme mir eine Zigarette und zünde sie an. Ziehe den Rauch in den Mund und blase ihn durch die Nase wieder aus.
Ein fremdes Gefühl. Es brennt auf der Zunge und fühlt sich scharf unter dem Gaumen an. Was ist es, dass die Menschen am Rauchen fasziniert, Dich nicht losgelassen hat und zum Schicksal wurde?103_4062

Ist es nur die Sucht, dass man einmal anfängt und nicht wieder aufhören kann?
Möglicherweise gibt es in Gesprächen Sicherheit, vertieft es die eigene Ausstrahlung, wenn man die Zigarette richtig hält oder ist es nur das Gefühl, dass es so sein könnte?
Oder ist es im Anfang nur cool und wird später unbemerkt zu einem selbstverständlichen Teil des Lebens, über den man gar nicht mehr nachdenkt?

Ich nehme ein paar Züge, blase den Rauch aus, der mir sogleich 103_4064scharf in den Augen brennt. Es riecht einerseits angenehm, andererseites stinkt es.
Ich glaube, dass man sich in bestimmten Situationen mit der Zigarette und dem umgebenden Nebel beruhigen kann. Dass man unangenehmes verdrängt.
Vielleicht sieht es auch gut aus? Erfolgreich? Selbstbewusst? Distanziert?

Ich weiß es noch nicht. Ob ich noch eine rauchen werde? Das warte ich ab. Heute nicht mehr. Ich denke daran, was die Nikotinsucht Dir gebracht hat und weiß doch, dass was-wäre-wenn Fragen völlig sinnlos und überflüssig sind.

Seit drei Monaten entwickelt sich die Zukunft ohne Dich. Manchmal erscheint mir das noch immer u103_4075nglaublich und unvorstellbar und doch – das Leben geht weiter. Bewegend und lustig, traurig und glücklich, spannend und aufregend, schnell und langsam, nimmt es mich (uns) weiter mit auf unserer Reise, das ist gut so.

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Alf, Du bleibst unvergessen.

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Heute abend bin ich zum ersten Mal in den Keller gelaufen, um nach einem Brief zu suchen….

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Am Nachmittag der Trauerfeier bat mich Deine Schwester in Deinem Nachlass nachzusehen, welche Briefe da noch von mir vorhanden sind. Es waren zwei dicke Mappen, voll mit Briefen, Karten, kleinen Notizschnippseln. Noch weiß ich nicht aus welchem Zeitraum,  ich habe nur alles flüchtig durchblättert, um die Post auszusortieren, die vielleicht nicht von mir war. Das waren aber nur drei oder vier.
Alle anderen Briefe, die Du in diesen Mappen verwahrt und in Kartons verstaut hattest, waren von mir. Wir haben sie in eine große Tüte gepackt und ich habe sie mit nach Hause genommen und dort unbesehen in den Keller gestellt.

Heute abend – ganz unvorbereitet – kam es mir in den Sinn, der Brief, den ich in der Nacht geschrieben habe, als ich Dich zum ersten Mal besucht habe und den ich Dir zurück ließ, als ich ging.
Ob er auch in der Tüte ist? dachte ich heute abend und es ließ mir keine Ruhe, ich klappte die Mappe auf, blätterte und fand ihn. Du hast wirklich a l l e s aufbewahrt …
Es sind meine Briefe, die ich selbst geschrieben habe. Aber auch sie sind sehr aussagekräftig und ich werde sie nach und nach sicher immer wieder in die Hand nehmen. 103_4041
Es ist das Einzige, was mir an „greifbaren“ geblieben ist. Da ist noch so viel. Musik, Bücher, Filme, die wir getauscht haben und von denen sich jede Spur verloren hat, was ist daraus geworden? Ich muss vergessen, darüber nachzudenken.

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