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Archive for the ‘Gesellschaft’ Category

Da bin ich im letzten Jahr so schwungvoll gestartet mit dem festen Vorsatz diesen Blog wieder zum Leben zu erwecken und dann … bin ich schnell wieder verstummt.
Zum Teil lag es an den Ereignissen die uns alle berührt haben. Die Weltlage, die vielen schrecklichen Nachrichten. Ich hatte so viel in mir …. vor allem Verwirrung und Bestürzung über die Stimmungslage in unserem Land. Es hat mich sprachlos gemacht.
Ich konnte nicht darüber schreiben, weil ich mir kein Urteil anmaßen wollte, es schien mir alles so komplex, dass ich bald selbst nicht mehr wusste, was richtig ist. Das viele, viele tausend Menschen in Not sind, das schien mir das Wichtigste und dahinter müssten doch alle anderen Bedürfnisse zurück stehen, die ja meist doch nur egoistischer Natur sind.

Bisher ist keine menschliche Lösung gefunden für das Drama, dass sich in weiten Teilen der Welt abspielt. Menschen ertrinken weiter im Meer oder werden in Lagern gestapelt, hin- und hergeschoben, aufbewahrt. Unwürdig finde ich das und bin immer wieder erschrocken, wie viel Hassparolen man in unserem Land darüber hört.
Auch bei uns im Stadtteil gibt es mehrere Flüchtlingslager und Initiativen dafür und – dagegen. Mir persönlich hat kein Flüchtling bisher irgendetwas weggenommen oder mich gestört oder belästigt. Und ich frage mich manchmal, was wir tun würden in einer ähnlichen Lage. Wenn wir aus unserem Wohlstandsgefüge herausfallen würden und bei Wind und Wetter durch die Welt laufen müssten ohne Hab und Gut, ohne Sicherheit und Wärme. Würden wir das überhaupt schaffen? – Da habe ich meine Zweifel.

Diese Gedanken haben mich gelähmt und tun es zum Teil noch jetzt.
Drei Tage vor Weihnachten bin ich dann unglücklich gestürzt und habe mir den rechten Oberarm gebrochen – ganz üble Geschichte und schmerzhaft und nervtötend langwierig. Ganz ausgeheilt ist es immer noch nicht, aber ich kann doch inzwischen das meiste wieder machen.
Und da kommt so langsam die Lust zum Schreiben wieder, für die ich mir aber auch Zeit nehmen muss. Dies wird also ein neuer Anlauf – ich hoffe, es klappt. 🙂

 

 

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Seit mehr als 10 Jahren im Internet aktiv, ist der neue Kinofilm über das Facebook Netzwerk natürlich ein interessantes Thema für mich und so war ich gespannt auf diesen Film.

Spannende Geschichte, in der die bösen Anwälte das tun, was sie in solchen Geschichten tun müssen, andere Leute über den Tisch ziehen. Ebenso wie gerissene Geschäftemacher, die von dem Kuchen, der aus dem Nichts entstanden ist, möglichst viel abbekommen wollen.
Und mittendrin der Ideengeber dieser überdimensionalen Netzwerkseite, dem es eigentlich nur um die Sache ging. Eine Plattform im Internet zu schaffen, die es allen Menschen ermöglicht miteinander zu kommunzieren, Bilder auszutauschen oder einfach nur von dem einen oder anderen zu erfahren, wie es ihm geht, was er so treibt, ohne selbst groß in Aktion zu treten. Ob sich die Betreiber der Seite wirklich so einfach in gut und böse aufteilen lasse, will ich mal dahin gestellt sein lassen, vielmehr regt es doch die Gedanken darüber an, welche Möglichkeiten uns das Internet bietet und wie wir damit umgehen.

Ich bin mittlerweile selbst eine fleißige Facebook-Nutzerin und mir gefällt das sehr. Man erfährt Dinge von den Menschen aus dem eigenen Umfeld, die man sonst oftmals nicht wüsste. Dabei müssen das ja nicht immer gleich kompromittierende und zweifelhafte Inhalte sein, sondern nur Mitteilungen, die uns mit manchen ein bisschen besser bekannt machen und mit anderen schneller einen Austausch ermöglichen, als wir das im Alltag vielleicht sonst tun würden.

Natürlich ist jeder selbst dafür verantwortlich, was er von sich preis gibt und Dinge wie „mein blöder Chef….“, „ich hasse meinen Job…“, „voll langweilig auf Arbeit…“ etc., sollte man doch klugerweise unterlassen. Sowohl Behörden als auch Unternehmen sind ja nicht von gestern und recherchieren mitunter sehr sorgfältig über ihre Mitarbeiter oder Klienten im Internet. Also was solche Mitteilungen angeht, lieber etwas vorsichtiger sein.

Ebenso mit Fotos von Partys oder allzu privatem Raum. Jeder sollte sich zuvor erstmal vorstellen – will ich, dass mich jemand, dem ich jetzt beim Gang aus dem Haus begegne so sieht, wie auf diesem Foto – wenn man selbst überzeugt ist „ja, kein Problem“, – dann bitte, ansonsten lieber nicht ins Netz stellen.
Und auch die Privatsphäre-Einstellungen sollte man genau unter die Lupe nehmen, damit nicht allen Internetusern Tür und Tor geöffnet sind, alle privaten Inhalte einzusehen. Wer 100 Freunde und mehr hat, nutzt facebook entweder geschäftlich oder er sollte sich die Definition für Freundschaft noch mal genau durch den Kopf gehen lassen.
Mir ist das eher unangenehm, wenn der Kreis der Mitleser in diesem Bereich zu groß wird und so nehme ich nur wirklich gute Bekannte und Freunde in meine Liste mit auf, bei denen ich ein gutes Gefühl habe, wenn sie meine Gedanken mitlesen können.

Natürlich können all diese Datensammlerseiten auch gehackt werden, aber darf man dann überhaupt noch im Internet unterwegs sein, wenn man überall bedenken hat?

Ich erwähnte schon, dass ich das Internet aktiv nutze. Ich beschaffe mir Informationen, kaufe Konzertickets, Bücher und auch Geschenke via Netz, ich veröffentliche Texte und Bilder auf Webseiten und Blogs – und manch einer hält mich für bodenlos leichtsinnig.  Mein Schwager schickt mir nur im höchsten Notfall und ungern Mails, seit ich mein Mailkonto bei Google habe. Mag sein, dass er zum Teil mit seinen Vorbehalten Recht hat – ich gehe davon aus, dass ich nichts zu verbergen habe und – bisher muss ich sagen, habe ich noch keinerlei schlechte Erfahrungen gemacht.
Für die Abmahnung, die mir vor einem Jahr ins Haus flatterte, kann man mich nicht verantwortlich machen, da wir genau zu diesem Zeitpunkt, nachweislich verreist waren.

Ansonsten waren die Gefahren, die außerhalb des virtuellen Netzes , im wirklichen Leben lauerten, bisher viel größer und darum bin ich trotz aller Bedenken und einer gesunden Skepsis doch dafür, die vielen Möglichkeiten zu nutzen, die uns die Internetwelt bietet.
Verantwortungsbewusst und sorgfältig damit umzugehen, dass ist es vielleicht, was der eine oder andere noch üben muss und die Fallen in die man tappt, stellt man sich oft genug auch selbst.

So markiere ich niemals auf meinen Fotos namentlich die Leute, sofern überhaupt welche darauf zu erkennen sind und die Funktion mich irgendwo zu markieren habe ich gesperrt.

Skepsis finde ich angebracht, für Schwarzseherei sehe ich aber keinen Grund.

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Ich möchte doch noch einmal auf einen Leserkommentar eingehen und da das länger werden kann, habe ich mich zu einem weiteren Blogbeitrag zum Thema Schulreform in Hamburg entschieden.
Vielleicht wiederhole ich Argumente aus den Vormonaten, das  schadet aber nicht, es vertieft nur den Ansatz meines Engagements für ein längeres gemeinsames Lernen.

Zum ersten Mal merkte ich es, als meine eigenen Kinder in der vierten Klasse waren und die Entscheidung anstand, welche weiterführende Schule die richtige sei. Ich schwankte hin und her, hatte Angst etwas zu versäumen, wenn ich sie nicht auf dem Gymnasium anmelde, hatte andererseits aber auch schon so viel im Bekanntenkreis miterlebt, deren Kinder auf dem Gymnasium waren, dass ich Zweifel hatte, ob das die richtige Schulform sei. Ich/wir entschieden uns damals mit Bauschmerzen für die Gesamtschule. Ich hatte noch keine Ahnung von dieser Schulform, wusste nur, dass man dort alle drei Abschlüsse erreichen kann, je nach Fähigkeit. Das gab schließlich den Ausschlag.
Sofort nahm ich die Arbeit im Elternrat auf und machte erstmal „Hausaufgaben“ – las die Thesen von Hartmut von Hentig über kindgerechtes Lernen und pädagogische Konzepte, besuchte in den Folgejahren viele Veranstaltungen, auf denen ich unter anderem Andreas Schleicher der für Deutschland zuständige PISA Koordinator der ersten PISA Studie kennen lernte, ebenso wie Enja Riegel, Schulleiterin der Helene-Lange-Schule in Wiesbaden, einer Gesamtschule, die mit großem Abstand als beste deutsche Schule bei der PISA Studie abschnitt.
Es folgten viele Studien – Iglu, Lau, Tims und eins wurde daraus ganz deutlich. Es stellte sich nämlich heraus, dass im Gymnasium ein überraschender Anteil von Schülern saß, die nur Hauptschulniveau erreichten, ebenso wie Realschulleistungen. Im Gegensatz gab es in der Hauptschule aber auch Schüler, die mit ihren Leistungen auf Gymnasialniveau lagen, in der Realschule sogar noch mehr. Das führt diese ganze Sortierung nach Schulformen ad absurdum.

Schüler entwickeln sich innerhalb ihrer Schullaufbahn mehrmals und haben dabei durchaus auch Brüche. Wir brauchen ein Schulsystem, dass allen Schülern gerecht wird und die OECD hat uns mehrfach nachgewiesen, dass in keinem anderen Land der Bildungserfolg so sehr vom sozialen Status des Elternhauses abhängt wie in Deutschland.

Hautpschulen wurden mittlerweile in fast jedem Bundesland abgeschafft, weil sich herausgestellt hat, dass diese homogenen Gruppen sich gegenseitig behindern.

Aus der Gesamschule weiß ich, dass sie vor allem dann besonders erfolgreich arbeitet und viele Schüler zu einem guten Abschluss bringt, wenn die Schülerzusammensetzung in etwa eine Drittelung ergibt. Je ein 1/3 Haupt-, Real-, und Gymnasialschüler ergibt ein Lernklima, von dem alle profitieren. Da aber seit dem PISA Schock immer mehr Eltern ihre Kinder auf einem Gymnasium anmelden, teilweise mehr als 50%, kippte diese Schülermischung in der Gesamtschule, was auch das Konzept erschwert. Weil ich die kritischen Stimmen immer wieder zu hören bekam, dass gute Schüler benachteiligt wären, habe ich über die Jahre eine Reihe von sehr guten Schülern mit Gym-Empfehlung beobachtet, die in der Gesamtschule ihr Abitur machten und nie habe ich festgestellt, dass sie Nachteile hatten. Im Gegenteil, sie gelangten mit guten bis sehr guten Noten zum Abitur und hatten daneben noch Zeit für soziales oder politisches Engagement.

Dennoch schicken Eltern ihre Kinder verstärkt auf das Gymnasium, viele von ihnen bestehen dort nur, wenn die Eltern Geld für den nötigen Nachhilfeunterricht aufbringen können. Es werden inzwischen Unsummen für Nachhilfe ausgegeben.

Dies alles und die Tatsache, dass Eltern ihren Kindern eine Gym-Laufbahn wünschen, damit sie eine Perspektive für die Zukunft haben, haben mich zu der Überzeugung gebracht, dass wir im Grunde nur eine einzige Schule für alle brauchen, die aber über die Fähigkeit verfügt auf die individuellen Lerntypen entsprechend zu reagieren. Mir wäre am liebsten eine Schule über 9 oder 10 Jahre, nach der sich dann entscheidet, ob die Schüler im Anschluss eine Berufsausbildung beginnen oder die Oberstufe besuchen.

Dafür gibt es zur Zeit in Deutschland leider noch immer keine Mehrheiten. Dabei trennt außer in Deutschland und Österreich niemand mehr seine Schulkinder nach vier Grundschuljahren.

Nun gibt es aber diesen politischen Kompromiss und zwei Jahre längeres gemeinsames Lernen sind immerhin ein Schritt in die richtige Richtung, hin zu einer chancengerechteren Bildung.
Der Radio-Werbespot der Gegeninitiative ärgert mich gerade maßlos, in dem den Hörern vorgegaukelt wird, Eltern könnten über die Schullaufbahn ihres Kindes nicht mehr mitbestimmen. Das sind in meinen Augen unlautere Mittel. Fakt ist doch, dass Eltern jetzt nach 6 statt bisher 4 Jahren entscheiden, auf welche weiterführende Schule ihr Kind geht. Und nach diesem Zeitraum, in dem es eine konkrete Lernstandsbegleitung und entsprechende Gespräche gegeben hat, sollte man doch selbst merken, wo das eigene Kinde steht. Wenn es dann noch ein Jahr auf dem Gymnasium ist – trotz wackeliger Ergebnisse in der Primarschule und dann zu schlechte Noten hat, dann wird es für das Kind in der Regel eine Überforderung sein, weiterhin auf dem Gymnasium zu bleiben und eine Abschulung sollte außer Frage stehen… Ehrgeiz der Eltern hin und her.
Aber auch das könnten wir uns alle sparen mit einer Schule für Alle. Es sprechen immer mehr Gründe für diesen Weg.

Letztendlich ist es in erster Linie nur noch eine soziale Spaltung die mit der Aufteilung Gymnaisum/Stadtteilschule vollzogen wird und die sollte man so lange wie möglich hinaus zögern, weil wir so viel mehr Schüler zu einem guten Schulabschluss bringen, die wir bisher auf der Strecke verlieren und die den Staat und damit uns dann in den Jahren darauf ein vielfaches an Geld kosten werden.

Dass der Senat einen eigenen Entwurf eingebracht hat – darüber kann man streiten. Es macht die Sache auch für die Befürworter nicht einfacher.
Kein Büchergeld, kleinere Klassen etc., damit werben sowohl Befürworter als auch die Gegner, dabei hat das mit dem Volksentscheid an sich gar nichts zu tun.

Die Elterninitiative die es bei vier Jahren Grundschule belassen will arbeiten mit vielen Tricks, das halte ich für egoistisch und der Sache nicht dienlich. Es geht hier vielfach nicht um Inhalte und vor allem nicht um die Gesamtheit der Schülerinnen und Schüler und damit um unser aller Zukunft.

Dass eine Schulreform nicht gleich perfekt ist, dass es holpern wird und vieles sich erst entwickeln muss, dass gehört zu jeder Reform dazu. Schule muss sich entwickeln, man muss den Weg vorgeben, aber gehen müssen die Schulen ihn selbst. Ich bin sicher, das wird geschehen. Dafür werden schon die Oppositionsparteien und die wissenschaftliche Begleitstudie sorgen und alle Kritiker, die die Primarschule im Auge haben – nur hoffentlich ziehen sie nicht ganz so viele gelbe Karten, wie der Schiedsrichter heute beim Spiel Deutschland – Serbien, weil man damit nicht für Ordnung sorgt, sondern auch viel kaputt machen kann, was gerade dabei ist sich zu entwickeln.

Es ist ja nicht so, dass die Grundschule einfach nur um zwei Jahre verlängert wird, sondern es geht um eine neue Schulform, die konzepttionell und inhaltlich so ausgearbeitet ist, dass diese zwei Jahre auch gefüllt werden. Individuelle Förderung, Jahrgangsübergreifender Unterricht, Englisch ab Klasse 1, Fachunterricht in Abprache und Zusammenarbeit mit den Gymnasien.
Sollte diese Reform scheitern, wird sich über Jahre nichts mehr bewegen und auch Einfluss haben auf andere Bundesländer, die alle schon in den Startlöchern stehen und gebannt nach Hamburg schauen. Wir werden weiter hinterher hängen hinter der internationalen Entwicklung und auf Dauer immer mehr Schulverlierer produzieren, weil wir schon im dritten, spätestens Anfang des vierten Schuljahres damit beginnen, den Kindern zu signalisieren, ob sie ins System passen oder – nicht gebraucht werden.

Diese Erkenntnisse  resultieren aus meinen Erfahrungen mit Schulen in einem sozial schwachen Stadtteil. Die Primarschule ist ein Schritt zu einer zeitgemäßeren Schule.

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Chancen für alle

Der Volksentscheid zur Einführung der Primarschule in Hamburg rückt näher. Von Anfang Juni bis zum 18. Juli stimmen die Hamburger darüber ab, ob die Grundschule künftig um zwei Jahre – auf dann sechs Jahre – verlängert wird.

Unterstützung gibt es bereits von zahlreichen Bildungsforschern, Erziehungswissenschaftlern, Gewerkschaften und vielen Menschen, die teilweise jahrzehntelange Erfahrung im Schulwesen mit sich bringen. Uns allen ist klar: es muss sich etwas ändern und zwei Jahre längeres gemeinsames Lernen ist ein Schritt in die richtige Richtung.
Es geht dabei nicht um Einzelinteressen, sondern um gesellschaftspolitische Veränderungen, die langfristig dann auch wieder dem Einzelnen nützen.

In den nächsten Wochen werden sich zwei Elterninitiativen auf den Straßen gegenüber stehen und ob und wie sachlich es da zu gehen wird, bleibt fraglich.

Dennoch werde auch ich mich in den Dienst der Sache stellen und in meinem Stadtteil zusammen mit Kreiselternrat, Elternkammermitgliedern und Schulleitungen Infostände besetzen, um die Bürgerinnen und Bürger für den Volksentscheid zu Gunsten der Primarschule zu gewinnen. Wir sind alle parteilos und nicht mehr im Schuldienst, dienen also weder der Behörde oder einer Partei, sondern nur der Sache, von der wir überzeugt sind.

Ich bin dabei, weil ich nach 10 Jahren als Elternratsvorsitzende und zwei Kindern, die sich an einer Gesamtschule ihren Fähigkeiten entsprechend wunderbar entwickelt haben schon seit langem davon überzeugt bin, dass längeres gemeinsames Lernen der richtige Weg für eine bessere und chancengerechtere Bildung ist.

Die Primarschule ist ein Schritt in die richtige Richtung – ich bin für Fortschritt, nicht für Rückschritt oder Stillstand.

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Alles begann damit, dass ich vor ein paar Monaten auf das Buch von Richard Powers stieß „Das größere Glück“. Da ich sein Buch „Klang der Zeit“ noch in so guter Erinnerung hatte, war dieses neue Buch ein „muss“.
Im Anfang war es jedoch schwer für mich hinein zu finden in die Geschichte. Der Ich-Erzähler hat mich irritiert, der hin und wieder auftauchte und andeutete, dass er die Figuren im Buch erschaffen hat, dass hinderte mich daran, sie lebendig werden zu lassen. Ich war hin- und hergerissen zwischen Kunst- und Realfigur, was meinen Lesefluss etwas ins Stocken brachte.

Dennoch war die Geschichte spannend, auch wenn sie langsam in Gang kam. Eine junge Frau, die alle Menschen durch ihre Lebensfreude und Gelassenheit in ihren Bann zieht und deren Glückseeligkeit schließlich von Forschern ergründet werden soll. Die vielen wissenschaftlichen Erklärungen und Fachbegriffe haben mich ebenfalls etwas gelähmt, ich konnte ihnen oft nicht folgen.
Interessant jedoch immer die Entwicklung der handelnden Personen, die Gier dem Glück auf die Spur zu kommen und die Gedankenstränge, die Powers dabei bewegt. Die ewige Jagd nach dem Glück und das Bestreben des Menschen, auch diese Eigenschaft nicht dem Zufall zu überlassen, sondern möglichst so zu erforschen, dass man das Glück „planen“ kann, dass man eines Tages Menschen „er“-zeugen kann, die von natur aus glücklich sind. Und wie so oft, wenn es um rar gesäte „Rohstoffe“ geht, sind die Menschen unersättlich und kennen oft nur ihr eigenes Ziel. Sie jagen damit oft einem Phantom hinterher, weil sie nicht erkennen, dass man das Glück nur in sich finden kann. Sie wollen es wissenschaftlich besiegelt haben und zerstören im Laufe der Geschichte das glückliche Leben der Protagonistin, der sie „ihr Leben rauben“, ohne dabei selbst glücklich zu werden.

Diese Gedankenzweige und die Hinweise auf die Genforschung und dem Ziel, das Forscher damit verfolgen, hat mich gleichermaßen fasziniert, wie erschreckt. Wir rücken damit immer weiter von der naturgemäßen Schöpfung ab und auch wenn ich keine Heilige bin, sehe ich diese Entwicklung mit Skepsis und einem gewissen Unbehagen.

Einmal im Thema habe ich in das Buch von Eckart von Hirschhausen geschnuppert, in dem ich noch nicht weit gekommen bin, aber zumindest einige Ansätze gelesen habe über das Glück, das selten allein kommt. Hier wird anhand kleiner Ereignisse anschaulich erklärt, auf welche Dinge wir zuviel achten und welche wir dagegen achtlos übergehen. Und das Glück auch viel von den Umständen abhängt. Menschen die ein Geldstück auf der Straße fanden, waren danach kurzfristig viel optimistischer und froher gestimmt, als jene, die keins gefunden haben. Wenn sie aber jeden Tag eins finden, freut es sie irgendwann nicht mehr, dann wird es zur Selbstverständlichkeit.
Dann müsste uns ja so eine Art Genügsamkeit eigentlich glücklicher machen. Wer nur alle paar Wochen in sein Lieblingsrestaurant oder ins Kino geht, kann sich darauf Tage vorher freuen, wer es dagegen alle paar Tage macht, für den wird es zur Routine, er nimmt sein Glück immer weniger wahr.

Natürlich ist auch das pauschal. Es gibt Menschen, die haben weder die Gelegenheit ins Kino noch zum Essen zu gehen. Aber dennoch wird es auch für sie etwas geben, was sie glücklich macht…. sie müssen es sich nur bewusst machen.

Kurz darauf stieß ich auf einen Zeitungsartikel, der das erste Glücks-Symphosium in Hamburg ankündigte, in dem es darum gehen sollte, darüber nachzudenken, ob wir ein Schulfach „Glück“ brauchen. Ich meldete mich an und geriet immer mehr auf diese Glücks-Spuren-Suche.
Davon abgesehen, dass diese Veranstaltung etwas verwirrend war, da die Teilnehmer nur zu einem geringen Anteil aus pädagogischen Bestrebungen gekommen waren, sondern sich offenbar zum Teil mehr versprochen hatten, abgesehen davon also, habe ich nicht viel, aber doch einige Gedanken mitgenommen.
Dass die Schnellebigkeit unserer Zeit den jungen Menschen nicht mehr beibringt Geduld zu haben. Abzuwarten, bis sich ein Erfolg oder eine Reaktion einstellt. Alles muss sofort sein.  Die Zeit über etwas nachzudenken fehlt oft, mehr noch, sie wird sich nicht genommen. Jedes Bedürfnis muss sofort gestillt werden.

Selbstverständlichkeiten, die heute keine mehr sind. Gemeinsam zu kochen zum Beispiel. Schüler, die zusammen mit ihren Lehrern, planen, einkaufen, vorbereiten, zubereiten und anschließend gemeinsam essen und genießen, was sie selbst hergestellt haben. Das kann sehr viel glücklicher machen, als ein Gang zu McDonald. Und das erklärt mir auch, warum die freiwilligen Kochkurse in der Schule und das monatliche Kochangebot im Jugendcafe sich vor Andrang kaum retten können.

Entspannungsübungen, zur Ruhe kommen, Abstand von der digitalen Welt zu erlangen – auch das ein Umstand, den manche dringend nötig hätten, aber von selbst nicht darauf kommen.
Brauchen wir also ein Schulfach – Glück? Ich bin mir nicht sicher. Wenn wir es anders nicht schaffen, geduldiger, bewusster, langsamer mit unserer Umwelt umzugehen, wahr- zu- nehmen, dann vielleicht ja, aber eigentlich finde ich es traurig, dass wir das nicht im normalen Umgang miteinander schaffen.

Wieviel nun in unseren Genen liegt und uns vererbt wurde, sei mal dahingestellt, die Forscher werden da sicher keine Ruhe lassen. Aber ich glaube vor allem auch an die äußeren Umstände, die uns beeinflussen und ein bisschen Wahrheit liegt auch in dem Zitat, dass jeder selbst seines Glückes Schmied ist. Das mag manchmal unmöglich erscheinen, hängt aber zum Teil eben doch von eigenen Entscheidungen ab, die wir selbst treffen.

Und darüber hinaus gibt es die vielen alltäglichen Kleinigkeiten – das kleine Glück, dass zusammen genommen auch zu einem großen beständigen Glück führen kann, wenn wir es denn wahrnehmen.
Da finde ich die Idee von Eckart von Hirschhausen ganz reizvoll, ein Glückstagebuch zu führen, in dem man immer nur die Dinge aufschreibt, die einen glücklich gemacht haben.

Es stimmt ja, in den vielen Jahren, in denen ich Tagebuch schreibe, werden vor allem „Probleme“ abgearbeitet und in Worten festgehalten. Einmal ganz bewusst nur positive Dinge aufzuschreiben gefällt mir und ich werde das mal eine Weile probieren und ich freue mich auf das Ergebnis, dass dann später vor allem rückblickend erheiternd sein kann, wenn man über all die Dinge liest, die einen glücklich gemacht haben.

Mit diesem Artikel erhebe ich keineswegs einen Anspruch auf Vollständigkeit, er geht auch wissenschaftlich nicht in die Tiefe. Es sind nur meine ganz eigenen persönlichen Gedanken zu einem Thema, mit dem sich fast jeder mal beschäftigt und es kann durchaus spannend sein, der eigenen Glücksspur zu folgen.  Viel Glück 🙂

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Letzte Woche sind viele von uns – ich schließe mich da nicht aus –  wieder auf ein Paradebeispiel des Boulevardjournalismus hereingefallen. Die Meldung, dass Frau Käßmann, die höchste Repräsentantin der evangelischen Kirche, mit 1,54 Promille Alkohol im Blut beim Autofahren erwischt wurde, veranlasste Medien, ob Print oder Hörfunk zu allerlei Späßchen und ironischen Bemerkungen und auch ich machte mir so meine Gedanken. 1,54 Promille – keine Ahnung wieviel das ist, für mich klang es aber erheblich und man hat sofort das Bild eines angeheiterten, vielleicht sogar lallenden Menschen vor Augen. Was war da passiert, warum hatte Frau Käßmann die Kontrolle verloren und sich verleiten lassen? Auf diese Frage, sofern man sie sich überhaupt stellte, gab es allenfalls spöttische Antworten.

Dann der Rücktritt. Und der ihm folgende Respekt für die reuige Alkoholsünderin. Um die Frage sogleich umzukehren – War ihr Rücktritt überzogen, voreilig, unnötig? Was ein Amtsinhaber auch tut – es gibt was zu meckern, so oder so.

Dabei hätten die Fragen anders lauten müssen.

Die Begründung für ihren Rücktritt, der Folge eines schweren Fehlers war, wie Frau Käßmann zugab, beruhte auf der Überzeugung, dass sie neben dem Vergehen, für das sie die volle Verantwortung übernahm, ihre Autorität eingebüßt hätte.
Sie bezweifelte in Zukunft in ihren Ansichten ernst genommen zu werden und gerade bei kritischen Standpunkten, die sie gegenüber möglichen Kritikern vertreten würde, angreifbarer zu sein und von der Sachebene der jeweiligen Thematik abgedrängt zu werden in eine Ecke menschlicher Verfehlung, die man bei jeder Gelegenheit wieder an die Oberfläche zerren könnte.

Ich verstehe diese Befürchtung von Frau Käßmann und teile sie angesichts der uns bekannten Medienpolitik, die mit Häme und Spott nicht spart, aber selten bis nie den Finger auf sich selbst richtet.

Entscheidend ist doch aber die Geschichte dahinter. Wie kam es zu diesem Fehltritt, der Entscheidung das Auto zu besteigen, trotz Alkoholkonsums? Leichtfertigkeit gehört sicher nicht zu Frau Käßmanns Eigenschaften, was also führte zu der Fehleinschätzung. Was ist an dem Abend geschehen und wieviel Alkohol war im Spiel?
Der Spiegel ist der Sache auf den Grund gegangen und tastet sich in seiner aktuellen Titelgeschichte behutsam in das Leben von Frau Käßmann.

Ein terminfreier Abend, ein Treffen mit Freunden, Kinobesuch, Essen, dazu zwei Gläser Weißwein, zuvor ein Glas Prosecco – nichts außergewöhnliches.
Sicher ein Moment des Nachdenkens wert – „bin ich noch fahrtüchtig“, an diesen Punkt kommen wir alle mal, wo wir uns das fragen müssen und wer legt seine Hand dafür ins Feuer, dass er das immer richtig entscheidet?
Eine Fehlentscheidung wird damit nicht zu einer Bagatelle – immerhin hätte ja auch etwas passieren können, dennoch kann es uns ebenso treffen, immer – auch ohne Alkohol, dass wir uns in der Geschwindigkeit verschätzen, unübersichtliche Überholmanöver starten … es gibt viele Fehler, die Menschen machen, wer von uns ohne Schuld ist ….

Dennoch halte ich den Rücktritt für eine sehr konsequente und respektvolle Entscheidung, die Frau Käßmann ihre Würde erhält und gleichzeitig zum Nachdenken anregt. Jeglicher Spott (auch der Medien) ist verstummt und Diskussionen über Menschlichkeit, Verantwortung, Fehlverhalten und Konsequemz sind in Gang gekommen.  Mehr hätte sie in ihrem Kirchenamt gar nicht erreichen können,  die Menschen wieder auf den Boden der Tatsachen zurück zu holen und die Kirche im Dorf zu lassen.
Über ihr eigenes Fehlverhalten wird sie mit sich selbst genug ins Gericht gehen.

Solche Menschen brauchen wir viel mehr und es wäre zu wünschen, dass es einen Weg zurück gibt.

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Langsam spinnen sich die Fäden zu einem Netz und meine Kopfschmerzen und das leichte Magengrummeln rühren vielleicht von der drängenden Frage, wann sich das Netz zuzieht. Mehrere Anzeichen für sich habe ich zunächst mit einem Unwohlsein wahrgenommen, aber nicht als ernst zu nehmende Strömung erkannt. In den letzten Tagen scheint es mir aber, als würden sie von überall her kommen, sich zu einer Stärke formieren und ihre Macht demonstrieren.

Elite gegen Masse.

Es begann „fast“ harmlos.

Die Bundestagswahl 2009 hievte Guido Westerwelle und seine FDP ins Regierungslager. Das gefiel mir nicht, die Ziele der FDP sind mir weitgehend fremd, aber ich dachte „das überleben wir auch“.  Obwohl mir die Steuerdiskussion schon bald auf die Nerven ging.  Auch wenn die Gehaltsabrechnung schon im Januar einen überraschenden Effekt erzielte, über den ich mich freuen sollte, habe ich ein ungutes Gefühl dabei Geld zu verprassen, das uns woanders dringend fehlt – mit uns meine ich hier die Gesellschaft, unser Land.
Das klingt, als würde ich gerne Steuern zahlen und könnte mich an den Rand der Schizophrenie drängen. Ganz so ist es natürlich nicht, ich halte diese Maßnahme nur zu DIESEM Zeitpunkt für falsch.

Kurz darauf trieb der Streit um die in Hamburg geplante Schulreform seinem Höhepunkt entgegen. Die Volksinitiative „Wir wollen lernen“ sammelte mehr als 180 000 Unterschriften gegen ein längeres gemeinsames und chancengerechteres Lernen. Angetrieben von einer Elite, die ihre Kinder nach der Grundschulzeit möglichst schnell von den „Schmuddelkindern“ trennen will.  Ein Großteil der Menschen, die unterschrieben haben,  wird zwar nicht in erster Linie vom Elite-Gedanken getrieben, sondern mehr um die Sorge für das Wohl ihres Kindes, sie werden aber als „Druckmasse“ benötigt, als Deckmantel eines großen gemeinsamen Nenners, damit die Elite überhaupt zu Feld ziehen kann gegen diese Reform.
Mittlerweile wächst jedoch auch der Druck von der anderen Seite, die das Spiel durchschaut hat und sich glücklicherweise immer lautstarker zu Wort meldet. Ob laut genug – bleibt abzuwarten.
Wenn wir es nicht schaffen, in den Schulen so individuell zu fördern und zu fordern ohne Kinder dabei schon frühzeitig in Schubladen zu stecken und Perspektivlosigkeit zu verhindern, wird die Elite zwar zunächst unter sich bleiben, der Kampf wird dann aber später auf offener Straße ausgetragen werden, das soziale Klima wird explodieren und zahlen müssen dann ohnehin die, die es aufgrund ihrer Elitebildung können. Gewonnen wäre damit nichts.

Mitten in diese hitzige Diskussion im Norden, bricht die Hetzkampagne von Guido Westerwelle, der arbeitslose Hartz IV Empfänger als Schmarotzer darstellt und passend dazu,  zieht man den Anti-Vorzeige-Arbeitslosen Herrn Dübel ans Tageslicht, der alle Westerwelle Klischees bedient und Vorurteile schürt, was der Diskussion an sich aber nicht weiterhilft. Die Schmarotzer in den Banken und denen, die Millionen am Fiskus vorbei schleusen, bleiben dabei natürlich unerwähnt.

Ursachenbekämpfung fängt in der Bildung an.

Nachdenklich stimmt mich auch eine Forsa-Umfrage im Stern unter 1003 Befragten. Unter den FDP Anhängern der Umfrage stimmen nur 22% dafür, dass christliche Werte, wie der Schutz der Schöpfung wichtig ist.
Auf die Frage, ob man auf einen Teil des jetzigen Lebensstandards verzichten sollte, wenn dadurch etwas zur Sicherung, der Zukunft getan wird, antworten nur 10% der FDP Anhänger mit Ja und so überrascht es nicht, dass nur 7% der befragten FDP Anhänger dafür sind, dass 2021 alle Kernkraftwerke abgeschaltet werden.
Frei nach dem Motto – solange es uns gut geht, was interessieren uns da die anderen.

Damit nicht genug, fällt mir seit einigen Tagen auf, dass ich in der Fernsehwerbung beinahe alle 10 Minuten von dem Werbespot einer Elite-Partnervermittlung genervt werde, die sich um die Vermittlung von „Akademikern und Singles mit hohem Niveau“ bemüht.
Es kommt also auch in der Liebe nicht mehr auf den einzelnen Menschen an, sondern mehr darauf, dass seinesgleichen unter sich bleibt. So hat man schon gleich die besten erblichen Voraussetzungen für den späteren Nachwuchs.

Und da hinein passt bestens ein Zukunftsszenario aus dem Roman „das größere Glück“ von Richard Powers, dass mich allabendlich behutsam aber überzeugend darüber aufklärt, welche Rolle die Genforschung einst übernehmen wird. Die einzelnen Genmerkmale eines Menschen werden immer mehr zerlegt. Dass man spätere Krankheiten damit verhindern kann, wissen wir längst, im beschriebenen Roman geht es um eine Erbinformation der Protagonistin, die sie glücklicher sein lässt, als alle anderen Menschen und somit auch leichter mit Schicksalschlägen umgehen kann.
Wenn man diese Gene nutzen könnte, um das zukünftige Leben „stärker“ zu machen, gleichzeitig mögliche Krankheiten ausschließen, würde das die Überlebenschancen des Menschen sowohl erhöhen, als vor allem auch verlängern.

Natürlich nur, wenn man es auch bezahlen kann und da wären wir wieder …. bei der Elite. Wer mag, kann diesen Gedanken jetzt weiterspinnen. Es mag noch ein paar Jahrzehnte dauern, bis  all das, was sich jetzt andeutet, zu einem Ziel gelangt, aber die Aussichten, dass die Spinne sich immer fetter fressen wird, sind nicht schlecht.

Das einzige, was alle, die nicht zur Elite zählen, dagegen setzen können, ist die Masse. Ihnen fehlt jedoch oft die nötige Kompetenz, um sich ebenso gewinnbringend für ihre Belange zu vernetzen und einzusetzen, wie das die Elite auf allen Ebenen tut. Und da wären wir wieder bei der Bildung, die den Kreis schließt.

Die Ursache meines Unwohlseins ist damit gefunden. Ich reagiere allergisch auf das Elitedenken des 21. Jahrhunderts.

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