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Archive for the ‘Politik’ Category

Ich möchte doch noch einmal auf einen Leserkommentar eingehen und da das länger werden kann, habe ich mich zu einem weiteren Blogbeitrag zum Thema Schulreform in Hamburg entschieden.
Vielleicht wiederhole ich Argumente aus den Vormonaten, das  schadet aber nicht, es vertieft nur den Ansatz meines Engagements für ein längeres gemeinsames Lernen.

Zum ersten Mal merkte ich es, als meine eigenen Kinder in der vierten Klasse waren und die Entscheidung anstand, welche weiterführende Schule die richtige sei. Ich schwankte hin und her, hatte Angst etwas zu versäumen, wenn ich sie nicht auf dem Gymnasium anmelde, hatte andererseits aber auch schon so viel im Bekanntenkreis miterlebt, deren Kinder auf dem Gymnasium waren, dass ich Zweifel hatte, ob das die richtige Schulform sei. Ich/wir entschieden uns damals mit Bauschmerzen für die Gesamtschule. Ich hatte noch keine Ahnung von dieser Schulform, wusste nur, dass man dort alle drei Abschlüsse erreichen kann, je nach Fähigkeit. Das gab schließlich den Ausschlag.
Sofort nahm ich die Arbeit im Elternrat auf und machte erstmal „Hausaufgaben“ – las die Thesen von Hartmut von Hentig über kindgerechtes Lernen und pädagogische Konzepte, besuchte in den Folgejahren viele Veranstaltungen, auf denen ich unter anderem Andreas Schleicher der für Deutschland zuständige PISA Koordinator der ersten PISA Studie kennen lernte, ebenso wie Enja Riegel, Schulleiterin der Helene-Lange-Schule in Wiesbaden, einer Gesamtschule, die mit großem Abstand als beste deutsche Schule bei der PISA Studie abschnitt.
Es folgten viele Studien – Iglu, Lau, Tims und eins wurde daraus ganz deutlich. Es stellte sich nämlich heraus, dass im Gymnasium ein überraschender Anteil von Schülern saß, die nur Hauptschulniveau erreichten, ebenso wie Realschulleistungen. Im Gegensatz gab es in der Hauptschule aber auch Schüler, die mit ihren Leistungen auf Gymnasialniveau lagen, in der Realschule sogar noch mehr. Das führt diese ganze Sortierung nach Schulformen ad absurdum.

Schüler entwickeln sich innerhalb ihrer Schullaufbahn mehrmals und haben dabei durchaus auch Brüche. Wir brauchen ein Schulsystem, dass allen Schülern gerecht wird und die OECD hat uns mehrfach nachgewiesen, dass in keinem anderen Land der Bildungserfolg so sehr vom sozialen Status des Elternhauses abhängt wie in Deutschland.

Hautpschulen wurden mittlerweile in fast jedem Bundesland abgeschafft, weil sich herausgestellt hat, dass diese homogenen Gruppen sich gegenseitig behindern.

Aus der Gesamschule weiß ich, dass sie vor allem dann besonders erfolgreich arbeitet und viele Schüler zu einem guten Abschluss bringt, wenn die Schülerzusammensetzung in etwa eine Drittelung ergibt. Je ein 1/3 Haupt-, Real-, und Gymnasialschüler ergibt ein Lernklima, von dem alle profitieren. Da aber seit dem PISA Schock immer mehr Eltern ihre Kinder auf einem Gymnasium anmelden, teilweise mehr als 50%, kippte diese Schülermischung in der Gesamtschule, was auch das Konzept erschwert. Weil ich die kritischen Stimmen immer wieder zu hören bekam, dass gute Schüler benachteiligt wären, habe ich über die Jahre eine Reihe von sehr guten Schülern mit Gym-Empfehlung beobachtet, die in der Gesamtschule ihr Abitur machten und nie habe ich festgestellt, dass sie Nachteile hatten. Im Gegenteil, sie gelangten mit guten bis sehr guten Noten zum Abitur und hatten daneben noch Zeit für soziales oder politisches Engagement.

Dennoch schicken Eltern ihre Kinder verstärkt auf das Gymnasium, viele von ihnen bestehen dort nur, wenn die Eltern Geld für den nötigen Nachhilfeunterricht aufbringen können. Es werden inzwischen Unsummen für Nachhilfe ausgegeben.

Dies alles und die Tatsache, dass Eltern ihren Kindern eine Gym-Laufbahn wünschen, damit sie eine Perspektive für die Zukunft haben, haben mich zu der Überzeugung gebracht, dass wir im Grunde nur eine einzige Schule für alle brauchen, die aber über die Fähigkeit verfügt auf die individuellen Lerntypen entsprechend zu reagieren. Mir wäre am liebsten eine Schule über 9 oder 10 Jahre, nach der sich dann entscheidet, ob die Schüler im Anschluss eine Berufsausbildung beginnen oder die Oberstufe besuchen.

Dafür gibt es zur Zeit in Deutschland leider noch immer keine Mehrheiten. Dabei trennt außer in Deutschland und Österreich niemand mehr seine Schulkinder nach vier Grundschuljahren.

Nun gibt es aber diesen politischen Kompromiss und zwei Jahre längeres gemeinsames Lernen sind immerhin ein Schritt in die richtige Richtung, hin zu einer chancengerechteren Bildung.
Der Radio-Werbespot der Gegeninitiative ärgert mich gerade maßlos, in dem den Hörern vorgegaukelt wird, Eltern könnten über die Schullaufbahn ihres Kindes nicht mehr mitbestimmen. Das sind in meinen Augen unlautere Mittel. Fakt ist doch, dass Eltern jetzt nach 6 statt bisher 4 Jahren entscheiden, auf welche weiterführende Schule ihr Kind geht. Und nach diesem Zeitraum, in dem es eine konkrete Lernstandsbegleitung und entsprechende Gespräche gegeben hat, sollte man doch selbst merken, wo das eigene Kinde steht. Wenn es dann noch ein Jahr auf dem Gymnasium ist – trotz wackeliger Ergebnisse in der Primarschule und dann zu schlechte Noten hat, dann wird es für das Kind in der Regel eine Überforderung sein, weiterhin auf dem Gymnasium zu bleiben und eine Abschulung sollte außer Frage stehen… Ehrgeiz der Eltern hin und her.
Aber auch das könnten wir uns alle sparen mit einer Schule für Alle. Es sprechen immer mehr Gründe für diesen Weg.

Letztendlich ist es in erster Linie nur noch eine soziale Spaltung die mit der Aufteilung Gymnaisum/Stadtteilschule vollzogen wird und die sollte man so lange wie möglich hinaus zögern, weil wir so viel mehr Schüler zu einem guten Schulabschluss bringen, die wir bisher auf der Strecke verlieren und die den Staat und damit uns dann in den Jahren darauf ein vielfaches an Geld kosten werden.

Dass der Senat einen eigenen Entwurf eingebracht hat – darüber kann man streiten. Es macht die Sache auch für die Befürworter nicht einfacher.
Kein Büchergeld, kleinere Klassen etc., damit werben sowohl Befürworter als auch die Gegner, dabei hat das mit dem Volksentscheid an sich gar nichts zu tun.

Die Elterninitiative die es bei vier Jahren Grundschule belassen will arbeiten mit vielen Tricks, das halte ich für egoistisch und der Sache nicht dienlich. Es geht hier vielfach nicht um Inhalte und vor allem nicht um die Gesamtheit der Schülerinnen und Schüler und damit um unser aller Zukunft.

Dass eine Schulreform nicht gleich perfekt ist, dass es holpern wird und vieles sich erst entwickeln muss, dass gehört zu jeder Reform dazu. Schule muss sich entwickeln, man muss den Weg vorgeben, aber gehen müssen die Schulen ihn selbst. Ich bin sicher, das wird geschehen. Dafür werden schon die Oppositionsparteien und die wissenschaftliche Begleitstudie sorgen und alle Kritiker, die die Primarschule im Auge haben – nur hoffentlich ziehen sie nicht ganz so viele gelbe Karten, wie der Schiedsrichter heute beim Spiel Deutschland – Serbien, weil man damit nicht für Ordnung sorgt, sondern auch viel kaputt machen kann, was gerade dabei ist sich zu entwickeln.

Es ist ja nicht so, dass die Grundschule einfach nur um zwei Jahre verlängert wird, sondern es geht um eine neue Schulform, die konzepttionell und inhaltlich so ausgearbeitet ist, dass diese zwei Jahre auch gefüllt werden. Individuelle Förderung, Jahrgangsübergreifender Unterricht, Englisch ab Klasse 1, Fachunterricht in Abprache und Zusammenarbeit mit den Gymnasien.
Sollte diese Reform scheitern, wird sich über Jahre nichts mehr bewegen und auch Einfluss haben auf andere Bundesländer, die alle schon in den Startlöchern stehen und gebannt nach Hamburg schauen. Wir werden weiter hinterher hängen hinter der internationalen Entwicklung und auf Dauer immer mehr Schulverlierer produzieren, weil wir schon im dritten, spätestens Anfang des vierten Schuljahres damit beginnen, den Kindern zu signalisieren, ob sie ins System passen oder – nicht gebraucht werden.

Diese Erkenntnisse  resultieren aus meinen Erfahrungen mit Schulen in einem sozial schwachen Stadtteil. Die Primarschule ist ein Schritt zu einer zeitgemäßeren Schule.

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Langsam spinnen sich die Fäden zu einem Netz und meine Kopfschmerzen und das leichte Magengrummeln rühren vielleicht von der drängenden Frage, wann sich das Netz zuzieht. Mehrere Anzeichen für sich habe ich zunächst mit einem Unwohlsein wahrgenommen, aber nicht als ernst zu nehmende Strömung erkannt. In den letzten Tagen scheint es mir aber, als würden sie von überall her kommen, sich zu einer Stärke formieren und ihre Macht demonstrieren.

Elite gegen Masse.

Es begann „fast“ harmlos.

Die Bundestagswahl 2009 hievte Guido Westerwelle und seine FDP ins Regierungslager. Das gefiel mir nicht, die Ziele der FDP sind mir weitgehend fremd, aber ich dachte „das überleben wir auch“.  Obwohl mir die Steuerdiskussion schon bald auf die Nerven ging.  Auch wenn die Gehaltsabrechnung schon im Januar einen überraschenden Effekt erzielte, über den ich mich freuen sollte, habe ich ein ungutes Gefühl dabei Geld zu verprassen, das uns woanders dringend fehlt – mit uns meine ich hier die Gesellschaft, unser Land.
Das klingt, als würde ich gerne Steuern zahlen und könnte mich an den Rand der Schizophrenie drängen. Ganz so ist es natürlich nicht, ich halte diese Maßnahme nur zu DIESEM Zeitpunkt für falsch.

Kurz darauf trieb der Streit um die in Hamburg geplante Schulreform seinem Höhepunkt entgegen. Die Volksinitiative „Wir wollen lernen“ sammelte mehr als 180 000 Unterschriften gegen ein längeres gemeinsames und chancengerechteres Lernen. Angetrieben von einer Elite, die ihre Kinder nach der Grundschulzeit möglichst schnell von den „Schmuddelkindern“ trennen will.  Ein Großteil der Menschen, die unterschrieben haben,  wird zwar nicht in erster Linie vom Elite-Gedanken getrieben, sondern mehr um die Sorge für das Wohl ihres Kindes, sie werden aber als „Druckmasse“ benötigt, als Deckmantel eines großen gemeinsamen Nenners, damit die Elite überhaupt zu Feld ziehen kann gegen diese Reform.
Mittlerweile wächst jedoch auch der Druck von der anderen Seite, die das Spiel durchschaut hat und sich glücklicherweise immer lautstarker zu Wort meldet. Ob laut genug – bleibt abzuwarten.
Wenn wir es nicht schaffen, in den Schulen so individuell zu fördern und zu fordern ohne Kinder dabei schon frühzeitig in Schubladen zu stecken und Perspektivlosigkeit zu verhindern, wird die Elite zwar zunächst unter sich bleiben, der Kampf wird dann aber später auf offener Straße ausgetragen werden, das soziale Klima wird explodieren und zahlen müssen dann ohnehin die, die es aufgrund ihrer Elitebildung können. Gewonnen wäre damit nichts.

Mitten in diese hitzige Diskussion im Norden, bricht die Hetzkampagne von Guido Westerwelle, der arbeitslose Hartz IV Empfänger als Schmarotzer darstellt und passend dazu,  zieht man den Anti-Vorzeige-Arbeitslosen Herrn Dübel ans Tageslicht, der alle Westerwelle Klischees bedient und Vorurteile schürt, was der Diskussion an sich aber nicht weiterhilft. Die Schmarotzer in den Banken und denen, die Millionen am Fiskus vorbei schleusen, bleiben dabei natürlich unerwähnt.

Ursachenbekämpfung fängt in der Bildung an.

Nachdenklich stimmt mich auch eine Forsa-Umfrage im Stern unter 1003 Befragten. Unter den FDP Anhängern der Umfrage stimmen nur 22% dafür, dass christliche Werte, wie der Schutz der Schöpfung wichtig ist.
Auf die Frage, ob man auf einen Teil des jetzigen Lebensstandards verzichten sollte, wenn dadurch etwas zur Sicherung, der Zukunft getan wird, antworten nur 10% der FDP Anhänger mit Ja und so überrascht es nicht, dass nur 7% der befragten FDP Anhänger dafür sind, dass 2021 alle Kernkraftwerke abgeschaltet werden.
Frei nach dem Motto – solange es uns gut geht, was interessieren uns da die anderen.

Damit nicht genug, fällt mir seit einigen Tagen auf, dass ich in der Fernsehwerbung beinahe alle 10 Minuten von dem Werbespot einer Elite-Partnervermittlung genervt werde, die sich um die Vermittlung von „Akademikern und Singles mit hohem Niveau“ bemüht.
Es kommt also auch in der Liebe nicht mehr auf den einzelnen Menschen an, sondern mehr darauf, dass seinesgleichen unter sich bleibt. So hat man schon gleich die besten erblichen Voraussetzungen für den späteren Nachwuchs.

Und da hinein passt bestens ein Zukunftsszenario aus dem Roman „das größere Glück“ von Richard Powers, dass mich allabendlich behutsam aber überzeugend darüber aufklärt, welche Rolle die Genforschung einst übernehmen wird. Die einzelnen Genmerkmale eines Menschen werden immer mehr zerlegt. Dass man spätere Krankheiten damit verhindern kann, wissen wir längst, im beschriebenen Roman geht es um eine Erbinformation der Protagonistin, die sie glücklicher sein lässt, als alle anderen Menschen und somit auch leichter mit Schicksalschlägen umgehen kann.
Wenn man diese Gene nutzen könnte, um das zukünftige Leben „stärker“ zu machen, gleichzeitig mögliche Krankheiten ausschließen, würde das die Überlebenschancen des Menschen sowohl erhöhen, als vor allem auch verlängern.

Natürlich nur, wenn man es auch bezahlen kann und da wären wir wieder …. bei der Elite. Wer mag, kann diesen Gedanken jetzt weiterspinnen. Es mag noch ein paar Jahrzehnte dauern, bis  all das, was sich jetzt andeutet, zu einem Ziel gelangt, aber die Aussichten, dass die Spinne sich immer fetter fressen wird, sind nicht schlecht.

Das einzige, was alle, die nicht zur Elite zählen, dagegen setzen können, ist die Masse. Ihnen fehlt jedoch oft die nötige Kompetenz, um sich ebenso gewinnbringend für ihre Belange zu vernetzen und einzusetzen, wie das die Elite auf allen Ebenen tut. Und da wären wir wieder bei der Bildung, die den Kreis schließt.

Die Ursache meines Unwohlseins ist damit gefunden. Ich reagiere allergisch auf das Elitedenken des 21. Jahrhunderts.

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Nach und nach werden die Stimmen in der Stadt und auch außerhalb lauter, die sich für die geplante Schulreform in Hamburg einsetzen. Beinahe täglich erscheinen Stellungnahmen aus den unterschiedlichsten Richtungen,  für die Einführung der Primarschule. Auch die Mitglieder der Elternkammer sowie etliche Kreiselternräte haben bei einem Treffen, in der letzten Woche, Frau Goetsch den Rücken gestärkt, sie möge bloß keine faulen Kompromisse eingehen, die Elternvertreter plädieren für einen planmäßigen Start der Primarschule ab dem nächsten Schuljahr.

Die Vorschläge der WWL Initiative werden dagegen immer abstruser, würden sie umgesetzt ist das Chaos vorprogrammiert.

Zum jetzigen Zeitpunkt stehen also die Zeichen eher für eine Entscheidung durch einen Volksentscheid, der den Schulen allerdings eine große Planungsunsicherheit beschert.

Klar ist auch, dass wir die Monate und Wochen davor wahlkampfähnliche Verhältnisse auf den Straßen bekommen werden. Elternräte, Parteien, Verbände, Vereine, wir alle werden auf den Straßen für die Primarschule werben und das Feld nicht jenen überlassen, die die Zeichen der Zeit noch immer nicht verstehen wollen. Sehen wir mal, was am Ende dabei heraus kommt.

Dennoch halte ich dieses ganze Gerede für pure Zeitverschwendung, weil es den Blick vom Wesentlichen ablenkt. Wir müssen dringend und intensiv über die Inhalte reden und daran arbeiten.
Hier kann vielleicht der neu gegründete Verein „Chancen-fuer-alle“ konstruktive Impulse liefern und den Sachblick mehr auf die Inhalte und Rahmenbedingungen der Primarschule lenken.

War mir in diesem Zusammenhang noch Sorge bereitet, ist die große Stille um die Entwicklung der neuen Stadtteilschule. Immerhin wird es ab kommendem Schuljahr auch keine Gesamtschulen mehr geben und dass das so relativ unbeachtet vonstatten geht, irritiert mich und lässt Fragen aufkommen. Ebenfalls nach Konzepten und der Ausstattung der künftigen Stadtteilschule – auch das sollte Thema sein.

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Auch wenn der eine oder andere vielleicht schon wieder denkt, dass zuviel darüber geredet wird, ist der Mauerfall  vor 20 Jahren für mich schon eine bewegende Erinnerung.
Manchmal ist es gut, wenn man sich die Zeit noch einmal vor Augen führt. Ein Stück deutsche Geschichte, die ich ganz bewusst selbst miterlebt habe, wenn auch von westdeutscher Seite und nur aus dem Fernsehen oder den Zeitungen.

Herbst 1989 unser zweites Kind war gerade geboren und wir kamen nicht viel herum, hatten genug mit unserer kleinen Familie um die Ohren.
Am Fernseher verfolgten wir gebannt die Montagsdemonstrationen und ich kann mich noch gut erinnern, wie mich das beeindruckt hat, dieser Mut, dieser Zusammenhalt der Menschen und die Unruhe im Land, die – bei uns in Norddetuschland sicher nur unterschwellig, aber doch auch ein Kribbeln verursachte.

Was geschah da auf der anderen Seite der Mauer und wie würden die Politiker reagieren und was würde aus den Menschen werden, die sich so für ihre Freiheit einsetzten?
Ich bewundere diese Entschlossenheit noch heute. So viele Menschen die sich immer wieder aufs Neue unerschrocken in den Weg stellten.

Wie gefährlich das alles auch war, wie nah wir möglicherweise einem neuen Krieg waren, wenn die Ost- oder Westländer falsch reagiert hätten, das habe ich erst viel später erkannt.

Und als wir dann an einem Sonntag tatsächlich die ersten Trabis durch Hamburg fahren sahen, ich weiß es noch genau, das war ungefähr in Nähe des Hauptbahnhofes und man schaute so verwundert auf diesen ungewohnten Anblick und konnte die Entwicklung noch immer nicht ganz fassen.
Ich war sehr gerührt damals und sehr glücklich über diesen Mauerfall auch wenn wir keine persönlichen Kontakte in die damalige DDR hatten.

Die ersten Aufbaujahre haben diesen Zauber dann leider bei vielen gedämpft, weil auch viele Opfer zu bringen waren – klar und das Verständnis füreinander fiel nicht einfach vom Himmel und die eine oder andere politische Entscheidung stellte sich „zwischen“ die Menschen. Das Streben nach dem Sichern des eigenen Besitzstandes rückte plötzlich ins Blickfeld.

Gerne erinnere ich mich an später auftauchende Filme „Goodbye Lenin“ oder „Sonnenallee“, manchmal kann ein Unterhaltungsfilm mehr erreichen, als viele nüchterne Reportagen.

Heute bin ich froh über diesen Mauerfall.
Ich habe einen Kurztrip nach Rostock genossen und war von der Ostsee begeistert. Das Wochenende auf Rügen war ein Erlebnis. Dresden habe ich auch einmal durchstreift, ebenso wie Ostberlin und irgendwann wird mich mein Weg auch noch nach Leipzig führen, da bin ich sicher.

Freuen wir uns doch einfach über diese Wiedervereinigung, auch wenn sie mit Schwierigkeiten verbunden war und vielleicht auch noch bis heute ist, aber alles andere hätte keine Zukunft gehabt.
Man darf Menschen nicht einsperren und man darf ein Land nicht teilen.

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… und gegen dieses bescheuerte Volksbegehren „Wir wollen lernen“!!!
Manch einer wartet vielleicht schon darauf, dass ich mich zu dem gestern in Hamburg gestarteten Volksbegehren zu Wort melde.

Natürlich bewegt es mich und macht mich wütend und darum … auch ein bisschen sprachlos. Weil diese Geldmacht und diese Elite-Lobbyisten, die hinter dem Volksbegehren stecken so ohnmächtig machen gegen Sachargumente.
Hier werden Menschen auf der Straße zu Unterschriften bewegt mit Slogans wie „Wollen Sie etwa, dass das Elternwahlrecht abgeschafft wird?“ oder „Wir wollen auch Reformen, aber nicht so“. Damit wird den Menschen vorgegaukelt, dass es hier um das Wohl aller Schüler geht und die Interessen aller Eltern vertreten werden sollen und das man sehr wohl aufgeschlossen notwendigen Reformen gegenüber steht, aber nicht so.

Und diese Botschaft ist falsch!!!

Es geht hier nicht um die Bildung aller Kinder, sondern darum, dass die Elite unter sich bleibt, das alte Zöpfe nicht abgeschnitten werden, weil der Kuchen nämlich kleiner wird, wenn mehr Schüler eine bessere Bildung bekommen.

Und dieses Volksbegehren läuft so ganz anders als die bisherigen, die ich verfolgt oder selbst daran teilgenommen habe. Hier steckt eine Unmenge Geld hinter den Organisatoren. Die Unterschriften werden mit Hilfe geschickter Marketingstrategien, Anzeigen und Werbespots im Radio gewonnen und nicht mit Überzeugung.

Tatsache ist schon jetzt, dass unzählige Eltern bisher von ihrem Elternwahlrecht Gebrauch machen und ihr Kind nach der vierten Klasse in einem Gymnasium anmelden, oft genug nur deshalb, „weil es in der Familie so Tradition ist“. Die Begabungen des Kindes stehen dabei nicht immer im Vordergrund, sondern mehr die Angst „man könnte etwas versäumen“.

Die Kinder haben nicht selten einen Leidensweg vor sich, bis sie irgendwann, spätestens nach der 6. Klasse doch die Schule wechseln müssen. Manche erholen sich davon nur mühsam und erreichen am Ende nicht den Schulabschluss, der ihren Fähigkeiten entsprochen hätte.

Wenn ab 2010 die Grundschule von der Primarschule abgelöst wird und die Kinder erst nach der 6. Klasse auf eine weiterführende Schule wechseln und die Eltern dann nicht mehr mitreden können, sondern ihr Kind je nach Empfehlung auf ein Gymnasium oder eine Stadtteilschule anmelden müssen, dann ist das nichts anderes als jetzt, nach sechs Jahren kann auch jetzt nicht gewählt werden.

Besser wäre es jedoch, man würde diese ganze Auswahl streichen und auf ein Schulsystem setzen, bei dem alle Kinder von Klasse 0 – 10 gemeinsam lernen und erst danach den Weg zum Abitur oder in den Beruf wählen.

In den Jahren des Heranwachsens ist soviel Entwicklungspotenzial enthalten, dass niemand sicher voraussagen kann, wohin die Reise geht.
Aber wir haben es mit einem politischen Kompromiss zu tun. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, ein Schritt heraus aus der Steinzeit, wenn da nicht die Standesdünkel der „feinen Gesellschaft“ wären, die sich kräftig auf die Füße getreten fühlt.

Nach 13 Jahren Elternratvorstandsarbeit, Hunderten von Gesprächen, Mitarbeit in unterschiedlichsten Gremien, an Schulprogrammen und pädagogischen Konzepten, habe ich ein klares Bild davon, wie Schule sein könnte, sein sollte.

Sicher, auch ich habe Zweifel an der jetzigen Umsetzung der Reform. Ebenso wichtig wie die Struktur, sind die Inhalte. Der Unterricht muss sich verändern, wir brauchen andere Lernmethoden, die auf die einzelnen Schüler besser eingehen, sie mit einbeziehen. Das kostet Geld, nicht zuletzt für Lehrerstellen, aber auch für geeignete Räumlichkeiten. Dieser Notwendigkeit muss man sich stellen. Bei der Elbphilharmonie geht das ja auch.

Eigentlich müsste jetzt alle Kraft und Zeit darauf verwendet werden, dass Elternräte in der ganzen Stadt nicht aufhören darauf hinzuweisen, dass es auf die Konzepte ankommt, die dieser Reform Leben einhauchen müssen. Elternräte können Druck ausüben, wenn sie gut informiert sind und konstruktive Kritik üben oder eigene Vorschläge einbringen.  Stattdessen wird so viel Zeit verschwendet sich in der Stadt zu streiten, ohne die Gesamtheit der Schüler zu berücksichtigen.

Dabei gibt es viele Beispiele für gute Schule, sowohl in Hamburg als auch anderswo, man muss sich nur umschauen und informieren und diese guten Beispiele in der eigenen Schule diskutieren, damit Bewegung in die Sache kommt.

Wir brauchen Veränderung! Und es gibt zu viele uninformierte Eltern, die mit Schlagworten um sich werfen, noch bevor sie die Inhalte und ihre Ziele auch nur im entferntesten begriffen haben. Das vor allem macht mich wütend.

Mehr dazu habe ich schon im letzten Jahr an dieser Stelle geschrieben.

Ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich mir nichts mehr wünsche, als dass dieses Volksbegehren scheitert, zum Wohle einer fortschrittlichen Bildung. Leider habe ich meine Befürchtungen, wenn ich den Aufwand und die Macht sehe, mit der diese Aktion geführt wird, die befürchten lässt, dass viele Unterschriften nicht aus Überzeugung abgegeben werden, sondern durch Überredung.

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Schwarz-Gelb ist sicherlich das, was ich mir am wenigsten gewünscht habe.

Kein Stopp für Atomkraftwerke, zu wenig soziale Gerechtigkeit, zu wenig Chancengerechtigkeit in der Bildungspolitik, weiterhin die Stärkung einer  Zweiklassen Gesellschaft, die man besonders deutlich in der Gesundheitspolitik zu spüren bekommt.
Und dazu möglicherweise ein Guido Westerwelle als Außenminister. Diese Zukunftsaussichten stimmen mich alles andere als froh.

Aber so haben die Deutschen gewählt.

Und 30% haben gar nicht gewählt, weil sie nicht begriffen haben, dass wir nur in einer Demokratie etwas bewegen können.
Dafür habe ich kein Verständnis. Es macht mich wütend und ratlos.

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Für den Studenten ist es die erste Bundestagswahl, bei der er mitwählen darf. Da er ausbildungsbedingt seit letztem Jahr in Niedersachsen gemeldet ist, die Wochenenden aber immer in Hamburg verbringt und zeitweilig auch über Wochen anderswo eingeteilt ist, bleibt ihm nur die Möglichkeit der Briefwahl.

So meldete er sich also in der letzten Augustwoche im Rathaus von Bad Harzburg und trug sein Anliegen vor – die Wahlberechtigungskarte hatte er bis dato nämlich noch nicht im Kasten, er musste sich also persönlich bemühen.
Das war schwieriger als gedacht. Die Briefwahlunterlagen würden erst Anfang September verschickt, so teilte man ihm mit und wie nun in seinem Fall zu verfahren sei, hätte die Wahlbeauftragte zu entscheiden, die aber gerade nicht im Haus sei.
Drei Tage später, an seinem letzten Tag vor der Abreise, erschien er erneut im Rathaus und wurde dort immer noch nicht gern gesehen. Die Wahlbeauftragte wäre die ganze Woche nicht im Haus gewesen, so teilte man ihm mit und so könne man nichts für ihn tun.
Auf seine Frage, was er jetzt tun könne, um sein Wahlrecht zur Bundestagswahl wahrnehmen zu können, speiste man ihn lapidar mit der Antwort ab „Dafür sind wir nicht zuständig“.

Wikipedia weiß es besser:

Die Briefwahlunterlagen werden durch Ausfüllen und Abgeben/Abschicken der Wahlbenachrichtigungskarte angefordert. Die Ausstellung der Briefwahlunterlagen ist gebunden an die Ausstellung eines Wahlscheins. Die ausgestellten Wahlscheine werden im Wählerverzeichnis vermerkt. Dadurch wird verhindert, dass Wahlberechtigte sowohl per Briefwahl als auch im Wahllokal wählen gehen, was dem Grundsatz der gleichen Wahl widersprechen würde.

Bei persönlichem Erscheinen des Wählers in der Briefwahlstelle kann in einer dazu vorhandenen Wahlkabine unmittelbar der Stimmzettel ausgefüllt werden. Der rote Briefwahlumschlag kann dann in eine versiegelte Wahlurne gegeben werden, die dann zusammen mit den auf dem Postweg eingetroffenen Briefstimmen ausgewertet werden.

Aha! DAS klingt doch ganz anders, oder? Das haben wir leider erst nachträglich herausgefunden.

Mit der Aussage des Servicebüros steht man dann da, als junger Mensch und fragt sich, ob es überhaupt gewollt ist, dass man wählen geht oder ob es eher unbedeutend ist, wenn ein einzelner Wähler sein Kreuz nicht machen kann.

Aus einem Einzelnen werden schnell Viele und mir ging es natürlich ums Prinzip. Die Erfahrungen die er jetzt als mündiger Wähler macht, werden ihn sein Leben lang prägen und ihn möglicherweise zu dem Resultat bringen, dass man das alles nicht so ernst sehen muss.
Wir haben also diskutiert und ich habe ihm geraten, seine Geschichte in einem Brief dem Bürgermeister seines Ortes zu schildern und um Hilfe zu bitten, damit er doch noch wählen könne.

Gesagt, getan. Der Brief ging raus und zwischenzeitlich kamen dann die Briefwahlunterlagen an die Hamburger Anschrift, man hätte seinen Brief nun als Antrag gewertet. So richtig zugeben will das Versäumnis aber wohl niemand, wie wir einem Antwortbrief eines Mitarbeiters entnehmen können.
Da der Student sich die Namen der Sachbearbeiter nicht hat geben lassen und somit keine Angaben machen konnte, von wem er die fälschlichen Antworten erhielt, könne man den Fall nun nicht mehr rekonstruieren.
Schon wieder ein Umstand über den ich mich aufregen könnte, dass es nun niemand gewesen sein will, nur weil man es nicht namentlich beweisen kann.

Der Briefwahumschlag ist jedenfalls nun auf dem Weg, aber nicht jeder junge Mensch hat soviel Ausdauer, sich dahinter zu klemmen und deshalb finde ich das Verhalten im Rathaus nach wie vor unverständlich, gerade im Hinblick auf die allseits beklagte Politikverdrossenheit und die von Politikern schon jetzt gefürchtete zu geringe Wahlbeteiligung.

Wer noch unschlüssig ist, kann es ja auch noch mal mit dem  Wahl-o-Mat versuchen, um einen Überblick zu bekommen, welche Partei ihm wirklich am nächsten ist.
Das die am Ende doch nicht das machen, was wir uns wünschen – damit muss man rechnen, dafür sind die Verhältnisse zu kompliziert und je schwieriger die Konstellation einer Koalition verläuft, desto mehr Abstriche und Kompromisse müssen gemacht werden.

Oft bleibt einem doch nur die Wahl für das vermeintliche „kleinere Übel“ – und DOCH ist es allemal besser als nicht zu wählen und hinterher ein blaues Wunder zu erleben, wenn das Ergebnis bekannt wird. Das hatten wir alles schon mal.

Ich hoffe somit, dass alle die Möglichkeit haben ihr Wahlrecht wahr zu nehmen und nicht vor Schwierigkeiten stehen, wie sie der Student erlebt hat. Wenn doch – NICHT gefallen lassen! Okay? ;-)

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