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Archive for the ‘Rügen’ Category

Oft gehört, noch nie gesehen, die Betonwüste Prora zwischen Binz und Sassnitz, trauriges Überbleibsel aus der Nazizeit. Auch das gehörte zu unserem Wochenende auf Rügen dazu, uns das seinerzeit von Hitler geplante super-duper Feriendomizil, ein  für 20 000 Menschen geschaffene Massenabfertigungs-Ferienwunderland, anzusehen. Quadratisch, praktisch gut.101_57002
Eintönig, bedrückend-bedrohlich. Aber das war ja in der damaligen Zeit nichts Ungewöhnliches.

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Wollt ihr da rein? haben unsere Freunde uns gefragt und wir haben das „etwa?“ im Unterton überhört und haben „Ja“ gesagt.

Da der Betonklotz später von der Nationalen Volksarmee der DDR als Kaserne genutzt wurde, gab es jede Menge Militärausrüstungen und Dokumente zu betrachten, an denen ich mehr oder weniger flüchtig und teilweise desinteressiert vorbeimarschiert bin. Fahnen, Orden, Uniformen und so Zeug.

Einmal mehr war ich froh, ein Mädchen zu sein 😉 , vor allem der Blick in die kargen Mannschaftsstuben ließ mich zurück zucken.
Sicher, die 50er Jahre, aus der die Einrichtung stammte, war eine ganz andere Zeit und wir können uns das heute kaum noch vorstellen, wie man damals lebte, – allgemein bescheidener, eingeschränkter, spartanischer – dennoch, gemütlich sind die Mannschaftsräume in Kasernen heute auch noch nicht und sollen sie ja auch nicht.

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Ein bedrückendes Monument der Vergangenheit, an der viele Menschen mitgewirkt haben ohne darüber nachzudenken, was eigentlich dahinter steckt. Ein „Einheitsdenken“, dem das Volk unterzogen werden sollte, was ja später auch wunderbar in das Schema der DDR passte.
Was würden wir tun, wenn wir selbst in so eine Maschinerie geraten würden? Vermutlich kann man sich, wenn man in der Zeit und einer bestimmten Situation steckt, dem Sog und der ausgeübten Macht von oben gar nicht entziehen.

Viele Dinge kann man auch nur aus der Entfernung oder mit einem Blick von oben auf das Ganze erkennen, aber nicht wenn man mitten zwischen allem steckt.
Bleibt die Mahnung Entwicklungen nicht gleichgültig vorüber ziehen zu lassen und das eigene Demokratieverständnis immer wieder aufzufrischen und politisch auch im kleinsten persönlichen Umfeld aufmerksam zu bleiben und wenn nötig aktiv zu werden.  Ob sich solche Einrichtungen und dahinter liegende Ideen auf diese Weise verhindern lassen? Weiß wohl niemand, aber es kann nicht schaden es zu versuchen.

Ein Ausflug in die Vergangenheit, der jedenfalls nachdenklich stimmt.

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Wir brauchen immer eine Weile, bis wir mal aus den Hufen kommen, unsere Freunde, die schon aus vorherigen Kurzreisen „Rügener Erfahrungen“ gesammelt hatten, haben uns da einiges voraus und einen gut strukturierten Plan dabei,  um das Wochenende möglichst gut zu nutzen.
Am Freitagmorgen ging es bei Regen los, was uns auch daran hinderte in Stralsund eine größtere Fototour zu unternehmen. Wir machten nur einen kleinen Rundgang, Lichtverhältnisse und Nässe waren nicht dazu angetan erste Eindrücke im Bild festzuhalten.101_5656

Am späten Nachmittag folgte ein erster Gang an den nebelverhangenen Strand. Auch am Sonntag haben wir einige Aussichten nur „theoretisch“ genossen.
„Theoretisch habt ihr hier jetzt einen wunderschönen Blick zur anderen Seite…., praktisch war allerdings eher damit zu rechnen, dass Nessie jeden Augenblick irgendwo aus dem Wasser auftauchte.
Da der Samstag aber ungewohnt mild, trocken und frühlingshaft sonnig war, störten mich die „Nebelblicke“ dazwischen nicht, sie rundeten das Bild ab und regten meine Fantasie an. Ich mag diese Stimmungen durchaus, obwohl ich mich natürlich auch über das Frühlingswetter gefreut habe. So gab es in dieser Zeit doch jede Menge Abwechslung und Eindrücke soweit das Auge reichte.

Am Samstag klapperten wir dann die einzelnen Seebäder ab. Waabe, Seelitz, Binz; Sassnitz haben wir nur gestreift, uns auf dem Weg dorthin von Prora erschüttern lassen, dann ging es weiter zum Kap Arkona inkl. 3 km Fußweg hin und wieder zurück und von dort nach Bergen lecker essen.
Im Hotel noch eine Flasche Wein auf dem Zimmer und dann ab ins Bett.

Waabe war Strand und Wasser pur, da hätte ich ewig stehen oder auch am Wasser laufen können. Die Luft war frühlingshaft mild, das Wasser plätscherte beruhigend und der typische Seegeruch stieg uns in die N101_5682ase. Da wir aber noch einen weiten Weg vor uns hatten, blieb nicht viel Zeit zum Trödeln 😉 .
Ich fühlte mich allerdings auch nicht gehetzt, wir haben uns treiben lassen, – wenn auch nicht ganz planlos.

Es folgte Seelitz und die Seebrücke (neu im Header) kennt wahrscheinlich jeder. Auch wenn sie eine „künstliche“ Einrichtung und Touristenattraktion ist, so war ich von dem Anblick doch fasziniert, weil sie sich so gut ins Meerbild fügt. Auch dort verweilten wir eine Zeit, schauten uns in alle Richtungen um, träumten jeder für sich ein wenig auf der Brücke herum, mit Blick aufs Wasser oder durch den Sucher der Kamera.101_5697

Binz hat den typischen Seebadcharakter, den man auch in Travemünde, Cuxhaven oder auf Sylt findet. Großzügige Bauten, helle Farben, teure Geschäfte und breite Straßen, die zum Bummeln einladen.

Die Architektur auf Rügen fiel uns aber an vielen Stellen auf und wie schon in anderen Orten im Osten Deutschland sahen wir auch hier wieder erstaunliches.

haeuser-ruegenOft versucht man den alternden Häusern mit Farbe zu Leibe zu rücken und Risse in der Fassade mit einem neuen Anstrich zu übermalen. Im Prinzip nicht schlecht, es wirkt auf jeden Fall gleich viel freundlicher, wenngleich mir die Farbzusammenstellungen teilweise doch sehr gewagt erscheinen. Daneben gibt es dann großzüge neue Bauten, aber auch altertümliche, die an vergangene Jahrhunderte erinnern und überall dazwischen, in jedem Ort sichtbar und vorhanden noch immer viele Häuser, die nur noch von der Hoffnung zusammen gehalten werden.

haeuser-hoffnungSolche Häuser gibt es sicher auch in Hamburg und auch anderenorts, aber in dieser Häufung fallen sie mir noch immer nur in den neuen Bundesländern auf, was immer wieder Anlaß zu Diskussionen gibt.

Das soll mal für den Anfang genügen. „Se(h)e- und Meerblicke sowie kulturelle Highlights folgen dann so nach und nach. 🙂

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