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Archive for the ‘Schule’ Category

Solange ich denken kann, lag mir das Schreiben mehr als das Reden. Gedanken in Worte zu fassen und aufs Papier zu bringen, Gefühle auf diese Weise zu verarbeiten und wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Geschichten zu erzählen, die ich erlebe, beobachte oder auch mal ausdenke, damit konnte ich einst Stunden, Tage verbringen.

Vor Jahren wurde die Lust aufs Schreiben, die ich schon in der Schulzeit verspürt habe, in Briefen neu geweckt. Es gab einige Menschen in meinem Umfeld, die sehr begeistert von meinen Geschichten und Briefen waren. Für mich waren das glückliche Zeiten, meine Texte erwachten zum Leben, meine Gedanken, die ich sonst für mich behalten hätte, wurden sichtbar und wahrgenommen.
Den Höhepunkt erreichte mein Schreibglück vor knapp 15 Jahren, als ich mir mit dem Weltenbummler wahre Briefschlachten lieferte. Anregend, unterhaltsam und motivierend.

Dann begann ich immer öfter auch andere Texte zu schreiben. Für Vereine, die Schule und was sich sonst so ergab.

Seit 7 Jahren leite ich eine Schulredaktion und versuche alle interessanten Themen in der Schule nach draußen zu transportieren. Unterricht und Projekte auch für Eltern greifbar zu machen, habe ich als spannende Aufgabe gesehen und viel Kraft und Zeit in diese Arbeit investiert.

In den letzten Jahren ist die Lust auf private Texte immer mehr in den Hintergrund geraten – ich möchte schon mal wieder so schreiben, wie am Anfang, aus dem Herzen heraus, merke aber das ich immer öfter dabei bin Routinetexte zu schreiben – weil es so erwartet wird.
Ich bin schon seit einer ganzen Weile unzufrieden und fühlte mich gestresst und gehetzt. Es ist immer mehr nur noch ein Job, den ich ausübe und die Lust, Texte zu verfassen, die man gerne liest, geht mir grad ein wenig verloren.

Momentan bin ich auf einem neuen Tiefpunkt angekommen. Meine Texte werden auf Herz und Nieren geprüft, allein auf ihren „Verkaufswert“ hin und nicht auf ihre Lebendigkeit, den Klang und einem gewissen Herzblut. Die Lust am Schreiben geht mir verloren, je mehr von mir erwartet wird, dass ich Texte „produziere“.

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Ich möchte doch noch einmal auf einen Leserkommentar eingehen und da das länger werden kann, habe ich mich zu einem weiteren Blogbeitrag zum Thema Schulreform in Hamburg entschieden.
Vielleicht wiederhole ich Argumente aus den Vormonaten, das  schadet aber nicht, es vertieft nur den Ansatz meines Engagements für ein längeres gemeinsames Lernen.

Zum ersten Mal merkte ich es, als meine eigenen Kinder in der vierten Klasse waren und die Entscheidung anstand, welche weiterführende Schule die richtige sei. Ich schwankte hin und her, hatte Angst etwas zu versäumen, wenn ich sie nicht auf dem Gymnasium anmelde, hatte andererseits aber auch schon so viel im Bekanntenkreis miterlebt, deren Kinder auf dem Gymnasium waren, dass ich Zweifel hatte, ob das die richtige Schulform sei. Ich/wir entschieden uns damals mit Bauschmerzen für die Gesamtschule. Ich hatte noch keine Ahnung von dieser Schulform, wusste nur, dass man dort alle drei Abschlüsse erreichen kann, je nach Fähigkeit. Das gab schließlich den Ausschlag.
Sofort nahm ich die Arbeit im Elternrat auf und machte erstmal „Hausaufgaben“ – las die Thesen von Hartmut von Hentig über kindgerechtes Lernen und pädagogische Konzepte, besuchte in den Folgejahren viele Veranstaltungen, auf denen ich unter anderem Andreas Schleicher der für Deutschland zuständige PISA Koordinator der ersten PISA Studie kennen lernte, ebenso wie Enja Riegel, Schulleiterin der Helene-Lange-Schule in Wiesbaden, einer Gesamtschule, die mit großem Abstand als beste deutsche Schule bei der PISA Studie abschnitt.
Es folgten viele Studien – Iglu, Lau, Tims und eins wurde daraus ganz deutlich. Es stellte sich nämlich heraus, dass im Gymnasium ein überraschender Anteil von Schülern saß, die nur Hauptschulniveau erreichten, ebenso wie Realschulleistungen. Im Gegensatz gab es in der Hauptschule aber auch Schüler, die mit ihren Leistungen auf Gymnasialniveau lagen, in der Realschule sogar noch mehr. Das führt diese ganze Sortierung nach Schulformen ad absurdum.

Schüler entwickeln sich innerhalb ihrer Schullaufbahn mehrmals und haben dabei durchaus auch Brüche. Wir brauchen ein Schulsystem, dass allen Schülern gerecht wird und die OECD hat uns mehrfach nachgewiesen, dass in keinem anderen Land der Bildungserfolg so sehr vom sozialen Status des Elternhauses abhängt wie in Deutschland.

Hautpschulen wurden mittlerweile in fast jedem Bundesland abgeschafft, weil sich herausgestellt hat, dass diese homogenen Gruppen sich gegenseitig behindern.

Aus der Gesamschule weiß ich, dass sie vor allem dann besonders erfolgreich arbeitet und viele Schüler zu einem guten Abschluss bringt, wenn die Schülerzusammensetzung in etwa eine Drittelung ergibt. Je ein 1/3 Haupt-, Real-, und Gymnasialschüler ergibt ein Lernklima, von dem alle profitieren. Da aber seit dem PISA Schock immer mehr Eltern ihre Kinder auf einem Gymnasium anmelden, teilweise mehr als 50%, kippte diese Schülermischung in der Gesamtschule, was auch das Konzept erschwert. Weil ich die kritischen Stimmen immer wieder zu hören bekam, dass gute Schüler benachteiligt wären, habe ich über die Jahre eine Reihe von sehr guten Schülern mit Gym-Empfehlung beobachtet, die in der Gesamtschule ihr Abitur machten und nie habe ich festgestellt, dass sie Nachteile hatten. Im Gegenteil, sie gelangten mit guten bis sehr guten Noten zum Abitur und hatten daneben noch Zeit für soziales oder politisches Engagement.

Dennoch schicken Eltern ihre Kinder verstärkt auf das Gymnasium, viele von ihnen bestehen dort nur, wenn die Eltern Geld für den nötigen Nachhilfeunterricht aufbringen können. Es werden inzwischen Unsummen für Nachhilfe ausgegeben.

Dies alles und die Tatsache, dass Eltern ihren Kindern eine Gym-Laufbahn wünschen, damit sie eine Perspektive für die Zukunft haben, haben mich zu der Überzeugung gebracht, dass wir im Grunde nur eine einzige Schule für alle brauchen, die aber über die Fähigkeit verfügt auf die individuellen Lerntypen entsprechend zu reagieren. Mir wäre am liebsten eine Schule über 9 oder 10 Jahre, nach der sich dann entscheidet, ob die Schüler im Anschluss eine Berufsausbildung beginnen oder die Oberstufe besuchen.

Dafür gibt es zur Zeit in Deutschland leider noch immer keine Mehrheiten. Dabei trennt außer in Deutschland und Österreich niemand mehr seine Schulkinder nach vier Grundschuljahren.

Nun gibt es aber diesen politischen Kompromiss und zwei Jahre längeres gemeinsames Lernen sind immerhin ein Schritt in die richtige Richtung, hin zu einer chancengerechteren Bildung.
Der Radio-Werbespot der Gegeninitiative ärgert mich gerade maßlos, in dem den Hörern vorgegaukelt wird, Eltern könnten über die Schullaufbahn ihres Kindes nicht mehr mitbestimmen. Das sind in meinen Augen unlautere Mittel. Fakt ist doch, dass Eltern jetzt nach 6 statt bisher 4 Jahren entscheiden, auf welche weiterführende Schule ihr Kind geht. Und nach diesem Zeitraum, in dem es eine konkrete Lernstandsbegleitung und entsprechende Gespräche gegeben hat, sollte man doch selbst merken, wo das eigene Kinde steht. Wenn es dann noch ein Jahr auf dem Gymnasium ist – trotz wackeliger Ergebnisse in der Primarschule und dann zu schlechte Noten hat, dann wird es für das Kind in der Regel eine Überforderung sein, weiterhin auf dem Gymnasium zu bleiben und eine Abschulung sollte außer Frage stehen… Ehrgeiz der Eltern hin und her.
Aber auch das könnten wir uns alle sparen mit einer Schule für Alle. Es sprechen immer mehr Gründe für diesen Weg.

Letztendlich ist es in erster Linie nur noch eine soziale Spaltung die mit der Aufteilung Gymnaisum/Stadtteilschule vollzogen wird und die sollte man so lange wie möglich hinaus zögern, weil wir so viel mehr Schüler zu einem guten Schulabschluss bringen, die wir bisher auf der Strecke verlieren und die den Staat und damit uns dann in den Jahren darauf ein vielfaches an Geld kosten werden.

Dass der Senat einen eigenen Entwurf eingebracht hat – darüber kann man streiten. Es macht die Sache auch für die Befürworter nicht einfacher.
Kein Büchergeld, kleinere Klassen etc., damit werben sowohl Befürworter als auch die Gegner, dabei hat das mit dem Volksentscheid an sich gar nichts zu tun.

Die Elterninitiative die es bei vier Jahren Grundschule belassen will arbeiten mit vielen Tricks, das halte ich für egoistisch und der Sache nicht dienlich. Es geht hier vielfach nicht um Inhalte und vor allem nicht um die Gesamtheit der Schülerinnen und Schüler und damit um unser aller Zukunft.

Dass eine Schulreform nicht gleich perfekt ist, dass es holpern wird und vieles sich erst entwickeln muss, dass gehört zu jeder Reform dazu. Schule muss sich entwickeln, man muss den Weg vorgeben, aber gehen müssen die Schulen ihn selbst. Ich bin sicher, das wird geschehen. Dafür werden schon die Oppositionsparteien und die wissenschaftliche Begleitstudie sorgen und alle Kritiker, die die Primarschule im Auge haben – nur hoffentlich ziehen sie nicht ganz so viele gelbe Karten, wie der Schiedsrichter heute beim Spiel Deutschland – Serbien, weil man damit nicht für Ordnung sorgt, sondern auch viel kaputt machen kann, was gerade dabei ist sich zu entwickeln.

Es ist ja nicht so, dass die Grundschule einfach nur um zwei Jahre verlängert wird, sondern es geht um eine neue Schulform, die konzepttionell und inhaltlich so ausgearbeitet ist, dass diese zwei Jahre auch gefüllt werden. Individuelle Förderung, Jahrgangsübergreifender Unterricht, Englisch ab Klasse 1, Fachunterricht in Abprache und Zusammenarbeit mit den Gymnasien.
Sollte diese Reform scheitern, wird sich über Jahre nichts mehr bewegen und auch Einfluss haben auf andere Bundesländer, die alle schon in den Startlöchern stehen und gebannt nach Hamburg schauen. Wir werden weiter hinterher hängen hinter der internationalen Entwicklung und auf Dauer immer mehr Schulverlierer produzieren, weil wir schon im dritten, spätestens Anfang des vierten Schuljahres damit beginnen, den Kindern zu signalisieren, ob sie ins System passen oder – nicht gebraucht werden.

Diese Erkenntnisse  resultieren aus meinen Erfahrungen mit Schulen in einem sozial schwachen Stadtteil. Die Primarschule ist ein Schritt zu einer zeitgemäßeren Schule.

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Chancen für alle

Der Volksentscheid zur Einführung der Primarschule in Hamburg rückt näher. Von Anfang Juni bis zum 18. Juli stimmen die Hamburger darüber ab, ob die Grundschule künftig um zwei Jahre – auf dann sechs Jahre – verlängert wird.

Unterstützung gibt es bereits von zahlreichen Bildungsforschern, Erziehungswissenschaftlern, Gewerkschaften und vielen Menschen, die teilweise jahrzehntelange Erfahrung im Schulwesen mit sich bringen. Uns allen ist klar: es muss sich etwas ändern und zwei Jahre längeres gemeinsames Lernen ist ein Schritt in die richtige Richtung.
Es geht dabei nicht um Einzelinteressen, sondern um gesellschaftspolitische Veränderungen, die langfristig dann auch wieder dem Einzelnen nützen.

In den nächsten Wochen werden sich zwei Elterninitiativen auf den Straßen gegenüber stehen und ob und wie sachlich es da zu gehen wird, bleibt fraglich.

Dennoch werde auch ich mich in den Dienst der Sache stellen und in meinem Stadtteil zusammen mit Kreiselternrat, Elternkammermitgliedern und Schulleitungen Infostände besetzen, um die Bürgerinnen und Bürger für den Volksentscheid zu Gunsten der Primarschule zu gewinnen. Wir sind alle parteilos und nicht mehr im Schuldienst, dienen also weder der Behörde oder einer Partei, sondern nur der Sache, von der wir überzeugt sind.

Ich bin dabei, weil ich nach 10 Jahren als Elternratsvorsitzende und zwei Kindern, die sich an einer Gesamtschule ihren Fähigkeiten entsprechend wunderbar entwickelt haben schon seit langem davon überzeugt bin, dass längeres gemeinsames Lernen der richtige Weg für eine bessere und chancengerechtere Bildung ist.

Die Primarschule ist ein Schritt in die richtige Richtung – ich bin für Fortschritt, nicht für Rückschritt oder Stillstand.

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Langsam spinnen sich die Fäden zu einem Netz und meine Kopfschmerzen und das leichte Magengrummeln rühren vielleicht von der drängenden Frage, wann sich das Netz zuzieht. Mehrere Anzeichen für sich habe ich zunächst mit einem Unwohlsein wahrgenommen, aber nicht als ernst zu nehmende Strömung erkannt. In den letzten Tagen scheint es mir aber, als würden sie von überall her kommen, sich zu einer Stärke formieren und ihre Macht demonstrieren.

Elite gegen Masse.

Es begann „fast“ harmlos.

Die Bundestagswahl 2009 hievte Guido Westerwelle und seine FDP ins Regierungslager. Das gefiel mir nicht, die Ziele der FDP sind mir weitgehend fremd, aber ich dachte „das überleben wir auch“.  Obwohl mir die Steuerdiskussion schon bald auf die Nerven ging.  Auch wenn die Gehaltsabrechnung schon im Januar einen überraschenden Effekt erzielte, über den ich mich freuen sollte, habe ich ein ungutes Gefühl dabei Geld zu verprassen, das uns woanders dringend fehlt – mit uns meine ich hier die Gesellschaft, unser Land.
Das klingt, als würde ich gerne Steuern zahlen und könnte mich an den Rand der Schizophrenie drängen. Ganz so ist es natürlich nicht, ich halte diese Maßnahme nur zu DIESEM Zeitpunkt für falsch.

Kurz darauf trieb der Streit um die in Hamburg geplante Schulreform seinem Höhepunkt entgegen. Die Volksinitiative „Wir wollen lernen“ sammelte mehr als 180 000 Unterschriften gegen ein längeres gemeinsames und chancengerechteres Lernen. Angetrieben von einer Elite, die ihre Kinder nach der Grundschulzeit möglichst schnell von den „Schmuddelkindern“ trennen will.  Ein Großteil der Menschen, die unterschrieben haben,  wird zwar nicht in erster Linie vom Elite-Gedanken getrieben, sondern mehr um die Sorge für das Wohl ihres Kindes, sie werden aber als „Druckmasse“ benötigt, als Deckmantel eines großen gemeinsamen Nenners, damit die Elite überhaupt zu Feld ziehen kann gegen diese Reform.
Mittlerweile wächst jedoch auch der Druck von der anderen Seite, die das Spiel durchschaut hat und sich glücklicherweise immer lautstarker zu Wort meldet. Ob laut genug – bleibt abzuwarten.
Wenn wir es nicht schaffen, in den Schulen so individuell zu fördern und zu fordern ohne Kinder dabei schon frühzeitig in Schubladen zu stecken und Perspektivlosigkeit zu verhindern, wird die Elite zwar zunächst unter sich bleiben, der Kampf wird dann aber später auf offener Straße ausgetragen werden, das soziale Klima wird explodieren und zahlen müssen dann ohnehin die, die es aufgrund ihrer Elitebildung können. Gewonnen wäre damit nichts.

Mitten in diese hitzige Diskussion im Norden, bricht die Hetzkampagne von Guido Westerwelle, der arbeitslose Hartz IV Empfänger als Schmarotzer darstellt und passend dazu,  zieht man den Anti-Vorzeige-Arbeitslosen Herrn Dübel ans Tageslicht, der alle Westerwelle Klischees bedient und Vorurteile schürt, was der Diskussion an sich aber nicht weiterhilft. Die Schmarotzer in den Banken und denen, die Millionen am Fiskus vorbei schleusen, bleiben dabei natürlich unerwähnt.

Ursachenbekämpfung fängt in der Bildung an.

Nachdenklich stimmt mich auch eine Forsa-Umfrage im Stern unter 1003 Befragten. Unter den FDP Anhängern der Umfrage stimmen nur 22% dafür, dass christliche Werte, wie der Schutz der Schöpfung wichtig ist.
Auf die Frage, ob man auf einen Teil des jetzigen Lebensstandards verzichten sollte, wenn dadurch etwas zur Sicherung, der Zukunft getan wird, antworten nur 10% der FDP Anhänger mit Ja und so überrascht es nicht, dass nur 7% der befragten FDP Anhänger dafür sind, dass 2021 alle Kernkraftwerke abgeschaltet werden.
Frei nach dem Motto – solange es uns gut geht, was interessieren uns da die anderen.

Damit nicht genug, fällt mir seit einigen Tagen auf, dass ich in der Fernsehwerbung beinahe alle 10 Minuten von dem Werbespot einer Elite-Partnervermittlung genervt werde, die sich um die Vermittlung von „Akademikern und Singles mit hohem Niveau“ bemüht.
Es kommt also auch in der Liebe nicht mehr auf den einzelnen Menschen an, sondern mehr darauf, dass seinesgleichen unter sich bleibt. So hat man schon gleich die besten erblichen Voraussetzungen für den späteren Nachwuchs.

Und da hinein passt bestens ein Zukunftsszenario aus dem Roman „das größere Glück“ von Richard Powers, dass mich allabendlich behutsam aber überzeugend darüber aufklärt, welche Rolle die Genforschung einst übernehmen wird. Die einzelnen Genmerkmale eines Menschen werden immer mehr zerlegt. Dass man spätere Krankheiten damit verhindern kann, wissen wir längst, im beschriebenen Roman geht es um eine Erbinformation der Protagonistin, die sie glücklicher sein lässt, als alle anderen Menschen und somit auch leichter mit Schicksalschlägen umgehen kann.
Wenn man diese Gene nutzen könnte, um das zukünftige Leben „stärker“ zu machen, gleichzeitig mögliche Krankheiten ausschließen, würde das die Überlebenschancen des Menschen sowohl erhöhen, als vor allem auch verlängern.

Natürlich nur, wenn man es auch bezahlen kann und da wären wir wieder …. bei der Elite. Wer mag, kann diesen Gedanken jetzt weiterspinnen. Es mag noch ein paar Jahrzehnte dauern, bis  all das, was sich jetzt andeutet, zu einem Ziel gelangt, aber die Aussichten, dass die Spinne sich immer fetter fressen wird, sind nicht schlecht.

Das einzige, was alle, die nicht zur Elite zählen, dagegen setzen können, ist die Masse. Ihnen fehlt jedoch oft die nötige Kompetenz, um sich ebenso gewinnbringend für ihre Belange zu vernetzen und einzusetzen, wie das die Elite auf allen Ebenen tut. Und da wären wir wieder bei der Bildung, die den Kreis schließt.

Die Ursache meines Unwohlseins ist damit gefunden. Ich reagiere allergisch auf das Elitedenken des 21. Jahrhunderts.

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Entlassungsjahrgang 1977! Ist also schon ne Weile her, dass wir gemeinsam die Schulbank gedrückt haben. Und doch gibt es immer noch Verbindungen, viele Erinnerungen und Geschichten, die wir von Zeit zu Zeit wieder aufleben lassen.

Die Klassengemeinschaft damals war schon etwas Besonderes und wir haben seither eine ganze Reihe von Klassentreffen gehabt. Leider sind dabei auch einige verloren gegangen, durch Stayfriends sollen jetzt aber die Möglichkeiten ausgelotet werden, den einen oder anderen wieder „einzusammeln“.

Vor vier Wochen erreichte mich nun eine Einladung zum 50. Geburtstag einer dieser Klassenkameradinnen, die ich mit Neugier, Freude und Unsicherheit aufnahm.
Wer würde wohl noch kommen? Wie kommt man zurecht auf einer Feier, wo man sonst niemanden kennt?
Es dauerte nicht lange, da erreichte mich eine Notiz über Stayfriends, ebenfalls über eine eingeladene Schulkameradin. So waren wir schon zu zweit und wussten, dass sich noch mehr angesagt hatten.
Als ich auf Wunsch des Geburtstagskindes am Samstagmittag meinen Nudelsalat durchrührte, war die Renaissance perfekt, damit bin ich vor 30 Jahren auch zu meinen Partys aufgebrochen und musste leise lachen, als ich mit der Schüssel im Arm das Haus verließ.

Wir waren schließlich zu sechst und auch wenn man nicht zu jedem den gleichen Draht hat, so war es eine bunt gemischte Truppe und eine besondere Atmosphäre ohne Partner mit den alten Schulgesichtern zusammen zu sitzen, die man immer noch so wahrnimmt, wie man sie früher kannte.
Wir erinnerten uns an die damals noch angesagten „Klassenfeten“, die immer von uns gefordert wurden, obwohl die Tanzfläche dann meist leer blieb und sich die Jungen in der einen Ecke und die Mädels in der anderen drängelten, dazwischen dröhnende Discomusik, die schließlich zumindest die Mädels anlockte. Es ging wohl vor allem darum, sich zu „präsentieren“ und cool zu fühlen, wie man heute sagt.
Wir mussten lachen bei diesen Erinnerungen und ich habe obendrein noch dafür gesorgt, das Weltbild eines Schulkameraden zu zerstören, indem ich schilderte, wie genau das mit dem Schummeln funktionierte, was er mir erst im dritten Anlauf glauben wollte. „Du hast geschummelt? Nee“.  Sein ungläubiger Gesichtsausdruck brachte wieder alle zum Lachen.

War ein schöner Abend und es wurde schon reihum gemunkelt, wer denn demnächst 50 wird und auch einladen will.  Manche möchte man auch gar nicht einladen und bei anderen möchte man nicht eingeladen werden, da ich wohl als Nächste an der Reihe bin, werde ich mit Fingerspitzengefühl die richtige Wahl treffen müssen, denn ganz ohne die R-10b-Connection möchte ich auch nicht feiern. 😉

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Nach und nach werden die Stimmen in der Stadt und auch außerhalb lauter, die sich für die geplante Schulreform in Hamburg einsetzen. Beinahe täglich erscheinen Stellungnahmen aus den unterschiedlichsten Richtungen,  für die Einführung der Primarschule. Auch die Mitglieder der Elternkammer sowie etliche Kreiselternräte haben bei einem Treffen, in der letzten Woche, Frau Goetsch den Rücken gestärkt, sie möge bloß keine faulen Kompromisse eingehen, die Elternvertreter plädieren für einen planmäßigen Start der Primarschule ab dem nächsten Schuljahr.

Die Vorschläge der WWL Initiative werden dagegen immer abstruser, würden sie umgesetzt ist das Chaos vorprogrammiert.

Zum jetzigen Zeitpunkt stehen also die Zeichen eher für eine Entscheidung durch einen Volksentscheid, der den Schulen allerdings eine große Planungsunsicherheit beschert.

Klar ist auch, dass wir die Monate und Wochen davor wahlkampfähnliche Verhältnisse auf den Straßen bekommen werden. Elternräte, Parteien, Verbände, Vereine, wir alle werden auf den Straßen für die Primarschule werben und das Feld nicht jenen überlassen, die die Zeichen der Zeit noch immer nicht verstehen wollen. Sehen wir mal, was am Ende dabei heraus kommt.

Dennoch halte ich dieses ganze Gerede für pure Zeitverschwendung, weil es den Blick vom Wesentlichen ablenkt. Wir müssen dringend und intensiv über die Inhalte reden und daran arbeiten.
Hier kann vielleicht der neu gegründete Verein „Chancen-fuer-alle“ konstruktive Impulse liefern und den Sachblick mehr auf die Inhalte und Rahmenbedingungen der Primarschule lenken.

War mir in diesem Zusammenhang noch Sorge bereitet, ist die große Stille um die Entwicklung der neuen Stadtteilschule. Immerhin wird es ab kommendem Schuljahr auch keine Gesamtschulen mehr geben und dass das so relativ unbeachtet vonstatten geht, irritiert mich und lässt Fragen aufkommen. Ebenfalls nach Konzepten und der Ausstattung der künftigen Stadtteilschule – auch das sollte Thema sein.

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… und gegen dieses bescheuerte Volksbegehren „Wir wollen lernen“!!!
Manch einer wartet vielleicht schon darauf, dass ich mich zu dem gestern in Hamburg gestarteten Volksbegehren zu Wort melde.

Natürlich bewegt es mich und macht mich wütend und darum … auch ein bisschen sprachlos. Weil diese Geldmacht und diese Elite-Lobbyisten, die hinter dem Volksbegehren stecken so ohnmächtig machen gegen Sachargumente.
Hier werden Menschen auf der Straße zu Unterschriften bewegt mit Slogans wie „Wollen Sie etwa, dass das Elternwahlrecht abgeschafft wird?“ oder „Wir wollen auch Reformen, aber nicht so“. Damit wird den Menschen vorgegaukelt, dass es hier um das Wohl aller Schüler geht und die Interessen aller Eltern vertreten werden sollen und das man sehr wohl aufgeschlossen notwendigen Reformen gegenüber steht, aber nicht so.

Und diese Botschaft ist falsch!!!

Es geht hier nicht um die Bildung aller Kinder, sondern darum, dass die Elite unter sich bleibt, das alte Zöpfe nicht abgeschnitten werden, weil der Kuchen nämlich kleiner wird, wenn mehr Schüler eine bessere Bildung bekommen.

Und dieses Volksbegehren läuft so ganz anders als die bisherigen, die ich verfolgt oder selbst daran teilgenommen habe. Hier steckt eine Unmenge Geld hinter den Organisatoren. Die Unterschriften werden mit Hilfe geschickter Marketingstrategien, Anzeigen und Werbespots im Radio gewonnen und nicht mit Überzeugung.

Tatsache ist schon jetzt, dass unzählige Eltern bisher von ihrem Elternwahlrecht Gebrauch machen und ihr Kind nach der vierten Klasse in einem Gymnasium anmelden, oft genug nur deshalb, „weil es in der Familie so Tradition ist“. Die Begabungen des Kindes stehen dabei nicht immer im Vordergrund, sondern mehr die Angst „man könnte etwas versäumen“.

Die Kinder haben nicht selten einen Leidensweg vor sich, bis sie irgendwann, spätestens nach der 6. Klasse doch die Schule wechseln müssen. Manche erholen sich davon nur mühsam und erreichen am Ende nicht den Schulabschluss, der ihren Fähigkeiten entsprochen hätte.

Wenn ab 2010 die Grundschule von der Primarschule abgelöst wird und die Kinder erst nach der 6. Klasse auf eine weiterführende Schule wechseln und die Eltern dann nicht mehr mitreden können, sondern ihr Kind je nach Empfehlung auf ein Gymnasium oder eine Stadtteilschule anmelden müssen, dann ist das nichts anderes als jetzt, nach sechs Jahren kann auch jetzt nicht gewählt werden.

Besser wäre es jedoch, man würde diese ganze Auswahl streichen und auf ein Schulsystem setzen, bei dem alle Kinder von Klasse 0 – 10 gemeinsam lernen und erst danach den Weg zum Abitur oder in den Beruf wählen.

In den Jahren des Heranwachsens ist soviel Entwicklungspotenzial enthalten, dass niemand sicher voraussagen kann, wohin die Reise geht.
Aber wir haben es mit einem politischen Kompromiss zu tun. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, ein Schritt heraus aus der Steinzeit, wenn da nicht die Standesdünkel der „feinen Gesellschaft“ wären, die sich kräftig auf die Füße getreten fühlt.

Nach 13 Jahren Elternratvorstandsarbeit, Hunderten von Gesprächen, Mitarbeit in unterschiedlichsten Gremien, an Schulprogrammen und pädagogischen Konzepten, habe ich ein klares Bild davon, wie Schule sein könnte, sein sollte.

Sicher, auch ich habe Zweifel an der jetzigen Umsetzung der Reform. Ebenso wichtig wie die Struktur, sind die Inhalte. Der Unterricht muss sich verändern, wir brauchen andere Lernmethoden, die auf die einzelnen Schüler besser eingehen, sie mit einbeziehen. Das kostet Geld, nicht zuletzt für Lehrerstellen, aber auch für geeignete Räumlichkeiten. Dieser Notwendigkeit muss man sich stellen. Bei der Elbphilharmonie geht das ja auch.

Eigentlich müsste jetzt alle Kraft und Zeit darauf verwendet werden, dass Elternräte in der ganzen Stadt nicht aufhören darauf hinzuweisen, dass es auf die Konzepte ankommt, die dieser Reform Leben einhauchen müssen. Elternräte können Druck ausüben, wenn sie gut informiert sind und konstruktive Kritik üben oder eigene Vorschläge einbringen.  Stattdessen wird so viel Zeit verschwendet sich in der Stadt zu streiten, ohne die Gesamtheit der Schüler zu berücksichtigen.

Dabei gibt es viele Beispiele für gute Schule, sowohl in Hamburg als auch anderswo, man muss sich nur umschauen und informieren und diese guten Beispiele in der eigenen Schule diskutieren, damit Bewegung in die Sache kommt.

Wir brauchen Veränderung! Und es gibt zu viele uninformierte Eltern, die mit Schlagworten um sich werfen, noch bevor sie die Inhalte und ihre Ziele auch nur im entferntesten begriffen haben. Das vor allem macht mich wütend.

Mehr dazu habe ich schon im letzten Jahr an dieser Stelle geschrieben.

Ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich mir nichts mehr wünsche, als dass dieses Volksbegehren scheitert, zum Wohle einer fortschrittlichen Bildung. Leider habe ich meine Befürchtungen, wenn ich den Aufwand und die Macht sehe, mit der diese Aktion geführt wird, die befürchten lässt, dass viele Unterschriften nicht aus Überzeugung abgegeben werden, sondern durch Überredung.

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