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Archive for the ‘Sprache’ Category

Meine Liebe zu Büchern kann ich gar nicht so einfach erklären. Ich gehe gar nicht so sorgsam mit ihnen um, als wären sie mir heilig, so wie sich das gehört, wenn man etwas sammelt.

Ich benutze sie. Tauche ein, lasse mich entführen, verführen, bewundere oft ihre wunderbare Sprache und haben großen Respekt vor den Schriftstellern, denen es gelingt, Worte wie Musik klingen zu lassen. Ich gebe zu, nicht allen literarischen Höhenflügen kann ich immer folgen. Manchmal weigert sich mein Hirn die  Gedankenwindungen aufzunehmen und doch kann ich mich dann noch an den Worten freuen und manch schön klingenden Sätzen.

In Buchläden kann ich Stunden zu bringen und nur selten kann ich den Begehrlichkeiten widerstehen.

Die Buchmesse in Leipzig habe ich immer etwas sehnsüchtig aus der Ferne betrachtet. Sie strahlt für mich einen Charme aus, der bis nach Hamburg dringt.
Nun ist Leipzig außerdem eine Stadt, die für mich aus persönlicher Erfahrung aus anderen Städten heraus tritt. In einer Reihe von Städtenamen hat Leipzig einen besonderen Klang, den ich nicht überbewerte, aber gelten lasse. Gerne würde ich mir die Stadt auch einmal genauer besehen, aber dafür braucht man sicher 1-2 Tage Zeit.

Ob das letztlich den Ausschlag gegeben hat, mir die Fahrkarte wirklich zu holen? Mag sein. Aber es ist und war und bleibt eine reine Bücherreise, an die ich mit Freuden zurück denke.

Mein erster Eindruck – die Messe ist riesig. Zum Glück hatte ich viel Zeit und konnte mir in jeder Halle alles in Ruhe besehen. Ich hatte einen Plan dabei und mir schon angestrichen, welche Bereiche mich besonders interessierten.
Zunächst war es reine Neugierde die mich durch den Eingangsbereich trieb, in dem viele Fernsehanstalten einen Stand hatten – Bücher gab es schon auch, aber noch nicht so überschaubar.
Nach der ersten knappen Stunde betrat ich Halle drei und kam aus dem Staunen nicht heraus. Als erstes fiel mir auf, wie ruhig es dort war, trotz der Menschenmengen. Dann sah ich die vielen kleinen Stände der einzelnen Verlage und beobachtete erst nur eine Weile die Menschen – lesend, schauend oder ins literarische Gespräch vertieft. Mir fielen auch einige Prominente auf, die unter die Autoren gegangen sind. Es gab so viel zu gucken, dass ich noch nicht zum Lesen kam. Beeindruckt hat mich auch die große Gelassenheit der Verleger, Buchhändler und Autoren, die mitten im Getümmel an Tischen saßen und ganz vertieft in ihre Gespräche waren.

Erst nach einer geraumen Zeit trat ich an die Regale und nahm das eine oder andere Buch in die Hand. blätterte und setze mich schließlich in eine der vielen Leseecken, um eine Weile zu schmökern. Ganz langsam verlor ich Raum und Zeit und dann ließ ich mich treiben. Von Stand zu Stand, von Regal zu Regal. Und die vielen um mich herum lesenden Menschen waren dabei eine atmosphärische Zugabe, die diese Messe von anderen abhob.

Um die Mittagszeit übermannte mich Müdigkeit von der Reise und der nach stundenlangem Laufen anstrengenden Messeluft und ich verweilte eine Zeit am Rande einer Gesprächsrunde, die über ein Film- oder Hörbuchprojekt berichtete, der ich aber nur beiläufig folgte und in den Sitz gelehnt die Augen schloß. Verschnaufpausen gehören auch zum Lebensgenuss.
So sah ich überall verteilt Oasen der Ruhe, in denen es sich die Besucher gemütlich gemacht hatten.

Mein Rundgang führte mich im Anschluss auch in diverse literarische Gespräche, die kurzweilig und interessant waren. Besonders gefallen hat mir hier ein Auftritt von Ulla Hahn, deren Buch – das verborgene Wort – ich noch in guter Erinnerung habe. Ihr Fortsetzungsbuch hat mich jedoch abgeschreckt, da es mir zu düster erschien. Nachdem sie eine Weile darüber sprach, bin ich nun aber doch neugierig geworden und werde mich vielleicht doch noch mal daran wagen.

Natürlich führte mein Weg mich dann auch in die Messebuchhandlung. Schließlich wollte ich auch etwas in Händen halten, was ich mit nach Hause nehmen kann. Die Entscheidung fiel jedoch nicht so leicht. Die neu vorgestellten Bücher sind mir noch fremd, ich muss noch mehr über sie in Erfahrung bringen, um sicher zu sein, welches für mich in Frage kommt. Das werde ich in den nächsten Wochen erkunden, gibt es doch allerlei Magazine u.a. von der ZEIT, die einen Überblick über die Neuerscheinungen geben.
Ich wollte auch nicht irgendein Buch kaufen, dass ich zu jeder anderen Zeit kaufen könnte. Doch dann fiel mir der große Bildband in die Hände „Die schönsten Buchhandlungen Europas“, von Rainer Moritz, dem Leiter des Hamburger Literaturhauses. Schon das Anfassen des Buches war eine Freude und noch mehr überzeugte es mich, da die wunderschönen Bilder mit ausführlichen Geschichten rund um die Buchhandlungen verknüpft sind.
Dieses Buch habe ich mir mit nach Hause genommen, es ist die perfekte Erinnerung an diese Reise und meinen Besuch auf der Buchmesse.

Von Leipzig habe ich außer dem Bahnhof nichts weiter gesehen und doch hat mir der Gedanekn gefallen in Leipzig zu sein.

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Solange ich denken kann, lag mir das Schreiben mehr als das Reden. Gedanken in Worte zu fassen und aufs Papier zu bringen, Gefühle auf diese Weise zu verarbeiten und wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Geschichten zu erzählen, die ich erlebe, beobachte oder auch mal ausdenke, damit konnte ich einst Stunden, Tage verbringen.

Vor Jahren wurde die Lust aufs Schreiben, die ich schon in der Schulzeit verspürt habe, in Briefen neu geweckt. Es gab einige Menschen in meinem Umfeld, die sehr begeistert von meinen Geschichten und Briefen waren. Für mich waren das glückliche Zeiten, meine Texte erwachten zum Leben, meine Gedanken, die ich sonst für mich behalten hätte, wurden sichtbar und wahrgenommen.
Den Höhepunkt erreichte mein Schreibglück vor knapp 15 Jahren, als ich mir mit dem Weltenbummler wahre Briefschlachten lieferte. Anregend, unterhaltsam und motivierend.

Dann begann ich immer öfter auch andere Texte zu schreiben. Für Vereine, die Schule und was sich sonst so ergab.

Seit 7 Jahren leite ich eine Schulredaktion und versuche alle interessanten Themen in der Schule nach draußen zu transportieren. Unterricht und Projekte auch für Eltern greifbar zu machen, habe ich als spannende Aufgabe gesehen und viel Kraft und Zeit in diese Arbeit investiert.

In den letzten Jahren ist die Lust auf private Texte immer mehr in den Hintergrund geraten – ich möchte schon mal wieder so schreiben, wie am Anfang, aus dem Herzen heraus, merke aber das ich immer öfter dabei bin Routinetexte zu schreiben – weil es so erwartet wird.
Ich bin schon seit einer ganzen Weile unzufrieden und fühlte mich gestresst und gehetzt. Es ist immer mehr nur noch ein Job, den ich ausübe und die Lust, Texte zu verfassen, die man gerne liest, geht mir grad ein wenig verloren.

Momentan bin ich auf einem neuen Tiefpunkt angekommen. Meine Texte werden auf Herz und Nieren geprüft, allein auf ihren „Verkaufswert“ hin und nicht auf ihre Lebendigkeit, den Klang und einem gewissen Herzblut. Die Lust am Schreiben geht mir verloren, je mehr von mir erwartet wird, dass ich Texte „produziere“.

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Aus welchem Anlass heraus dieser Text mal entstanden ist, kann ich nicht mehr sagen. Die Ursache ist für mich damit auch nicht mehr relevant, die geschilderte Situation nicht mehr real, sondern Fiktion. Auch wenn das vor mehr als einem Jahr wohl mal anders war.
Grund diesen Text wieder hervor zu holen und hier zu veröffentlichen, ist meine Liebe im Umgang mit Sprache. Bewusst gewählte Worte, fließende Formulierungen, die nicht plump klingen, lösen in mir immer eine unerklärliche Freude aus.
Wenn es mir dann – in Ausnahmefällen –  gelingt selbst so etwas zu schreiben, löst das, egal welchen Inhalt der Text hat, ein Glücksgefühl in mir aus. Worte, die ich fühlen kann, Sprache, die im Mund zergeht.

Oft gelingt mir das nicht, ich kann es mir nicht vornehmen, nicht planen, nicht erzwingen – manchmal sind sie einfach da, die Worte, die eine Sprache ausmachen und beim Lesen etwas auslösen.

Beim Durchwühlen alter Texte ist mir dieser hier wieder in die Hände gefallen und er gefällt mir auch mit dem Abstand, den ich inzwischen dazu habe und ohne inneren Bezug zu der erzählten Begebenheit, so gut, dass ich ihn hier festhalten und hinterlegen möchte.

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Das Glas zersprang wie aus dem Nichts, sie ging durch die Küche, da klirrte es plötzlich hinter ihr. Vielleicht hatte sie es im Vorübergehen unbemerkt gestreift, vielleicht waren es auch ihre Nerven, die das Glas mit sich in die Tiefe rissen und in Dutzende kleiner, spitzer Scherben splittern ließen.

Sie fluchte und öffnete damit ein Druckventil, durch das ihre Gefühle fliehen konnten.

Vorsichtig klaubte sie die Scherben zusammen, sorgsam darauf bedacht keine scharfe Kante zu erwischen. Einen Moment schweiften ihre Gedanken ab und sie griff doch in scharfes Glas. Sie zog die Luft durch die Zähne und sah auf den Schnitt in ihrem Finger.

Verletzt.
Langsam bahnte sich ein Blutstropfen den Weg auf die Haut und rann über ihre Hand. Sie schaute ihm dabei zu und dachte, dass sie heute in jeder Hinsicht einen flüssigen Tag hatte.

Es war nur ein Blutstropfen und er fiel noch nicht mal auf Schnee, sondern ganz profan auf die Küchenfliese. Nicht schlimm, nur ein Tropfen, trotzdem zog sie fröstelnd die Schultern hoch, verharrte in ihrer Bewegung, bevor sie ihre angespannte Körperhaltung aufgab und sich in die Tiefe ihrer Gefühle fallen ließ.

Die schon seit Stunden verkrampften Muskeln gaben nach und begannen zu zittern. Sie kippte ein Stück nach hinten und saß am Boden. Die Scherben zwischen sich, die sich nach und nach mit salzigen Tränen mischten.

Ihr Herz öffnete sich und ließ die angestaute Traurigkeit hinaus laufen.

Sie spürte ihre Gefühle, die nicht lügen konnten und sich nicht in falsch oder richtig teilen ließen. Wie auch immer sie ausfielen, sie musste mit ihnen leben. Sie entstanden tief in ihr und bewegten ihr Herz.

Gefühle wollen ernst genommen werden. Es verbergen sich immer Gründe dahinter, die an die Oberfläche drängen und begutachtet werden wollen. Und doch wusste sie, dass sie nicht willkommen waren. Mit dieser Gewissheit räumte sie die Scherben endgültig beiseite.

Die Tränen waren noch nicht versiegt, ihre Gefühle fielen zurück in die kleine, blaue Schachtel in ihrem Herzen. Mühsam drehte sie den Schlüssel um, klappte die Ohren darüber zusammen und legte sich in die Sonne, um ein wenig Wärme einzufangen. Sonnenstrahlen, die sich um ihr Herz legten und die blaue Schachtel darin sorgfältig umhüllten.

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Das alte Paar Schuhe lag achtlos im Flur unter dem Heizkörper. Nicht ordentlich nebeneinander gestellt, sondern einfach ausgezogen und liegen gelassen. Aber das machte nichts. Der Besitzer dieser Schuhe war müde von der Arbeit, seine Füße taten ihm vom vielen Laufen weh, obwohl die Schuhe sich bemüht hatten, so weich wie möglich zu sein.

So lagen sie da, schauten sich schräg von gegenüber an, seufzten einmal leise, denn auch für sie war es ein anstrengender Tag gewesen und ließen sich dann einfach auf dem Fußboden gehen.

Man kannte sich. Ewig schon. Der Fuß passte in den Schuh. Das Leder war vom vielen Tragen weicher geworden und genau an den Stellen ausgebeult, an dem die Zehen mehr Platz brauchten. Sie schmiegten sich um den Fuß und ließen sich treten, ohne dass es einem von Beiden weh tat. Die Schuhe waren vertraut, bequem, zuverlässig und relativ unauffällig.

Nach dem langen gemeinsamen Weg, den der Besitzer mit ihnen zurückgelegt hatte, waren sie ein selbstverständliches Teil des Alltags geworden, das kaum noch wahrgenommen wurde. Sie waren nicht mehr überraschend, dafür kannten sich Fuß und Schuh zu gut. Sie glänzten auschuhe-351124_r_by_axel-wolkowski_pixeliodech nicht mehr, was für den Besitzer den Vorteil hatte, sie nicht mehr pflegen zu müssen.

Man sah den Schuhen Risse und Dellen an, die sie unterwegs eingesammelt hatten. Auf alte Sachen muss man nicht mehr so acht geben, wie auf neue, bei denen jeder kleine Fleck schon beim flüchtigen Hinschauen ins Auge fällt.

Und doch ist es das Neue, was reizt und lockt und im Vergleich zum alten Schuh im Gedächtnis des Besitzers hängen bleibt.
Neue Schuhe,  glänzen und haben keinen Makel, solange man noch nichts mit ihnen erlebt, sie noch kaum getragen hat.

Noch kennen sie die Eigenheiten der Füße nicht, versuchen zunächst nur zu gefallen und übersehen das Hühnerauge am linken Zeh unaschuh-258946_r_k_by_tommys_pixeliodeuffällig, versuchen nur, ihm mit ihrem Leder auszuweichen, ohne sich gleich eindrücken zu lassen und anzupassen.

Und der Besitzer ist stolz auf seinen neuen Fußschmuck, der so viel prächtiger aussieht, als die alten Galoschen, an denen er alles kennt, denen er jeden Stein seines Weges gezeigt hat und die gelernt haben, den Weg zu beeinflussen und an spitzen Steinen und Unebenheiten vorbei zu führen.

Nicht so der neue Schuh, der sich noch widerspruchslos überall hinführen lässt und mit beiden Schnürsenkeln wippend in die Welt staunt. Der nicht klagt über Holperstraßen und sich neugierig und begeistert führen lässt. Und der sich anschließend von seinem Besitzer – zum Staunen der alten Schuhe, die aus der Ecke zuschauen, auf Hochglanz polieren und ins rechte Licht rücken lässt.

Dennoch, an Regentagen sind die alten Schuhe noch in Benutzung, weil sie wetterfest und sturmerprobt sind. Damit sie die Nässe nicht ins Haus tragen, werden sie anschließend vor der Tür ausgezogen und stehen gelassen. Bis sie sich eines Tages umdrehen und mit unbekanntem Ziel leise von dannen schleichen…

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